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Hohe Nachfrage

Order-Plus in der Industrie: «Auftragslage ist ein Segen»

Wiesbaden/Frankfurt (dpa)

Die starke Nachfrage nach «Made in Germany» treibt die Erholung der deutschen Industrie nach dem Corona-Krisenjahr an. Lieferengpässe und Materialknappheit hinterlassen allerdings erste Spuren.

Von dpa

Nachfrage nach Maschinen «Made in Germany» boomt. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Die weltweite Konjunkturerholung füllt die Auftragsbücher der deutschen Industrie kräftig. Im ersten Halbjahr lag der Wert der Bestellungen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes preisbereinigt (real) um 28,1 Prozent über dem von der Corona-Krise geprägten Vorjahreszeitraum.

Allein die exportorientierten Maschinenbauer verzeichneten ein Plus von 29 Prozent. Nach Angaben des Branchenverbandes VDMA ist der coronabedingte Einbruch des Vorjahreszeitraums wettgemacht und das Vorkrisenniveau der ersten sechs Monate 20219 überschritten.

«Nach den herben Order-Einbrüchen im letzten Jahr ist die jetzige Auftragslage ein Segen», sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers am Donnerstag. Allein im Juni legten die Maschinenbau-Bestellungen um 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Die Zurückhaltung der Kunden während der Corona-Hochphase sei eindeutig überwunden. «Investitionen in Ausrüstung, Maschinen und Services stehen weltweit oben auf der Agenda», sagte Wiechers.

Die Industrie profitiert insgesamt von der starken Nachfrage nach «Made in Germany». Im Vergleich zum pandemiebedingt schwachen Vorjahresmonat lag der Wert der Aufträge im Juni des laufenden Jahres nach Berechnungen des Bundesamtes um 26,2 Prozent höher.

Die Umsätze erholen sich allerdings trotz prall gefüllter Auftragsbücher nicht in gleichem Maße. Lieferengpässe und Materialknappheit bremsen die Produktion. Der reale Umsatz lag im ersten Halbjahr nach Angaben der Statistiker um 10 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Von Mai auf Juni des laufenden Jahres sanken die Erlöse um 1,4 Prozent.

«Der Industrie geht es eigentlich blendend. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt», stellte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank fest. «Wäre da nicht noch das Wort «eigentlich». Das Problem ist, dass die Industrie den exzellenten Auftragsbestand derzeit nicht in eine entsprechend gut laufende Produktion ummünzen kann. Die fehlenden Vorprodukte belasten.»

Nach Angaben des Ifo-Institutes beklagen inzwischen 64 Prozent der befragten Industrie-Unternehmen Engpässe und Probleme bei Vorlieferungen als Hindernis für ihre Produktion. «Das könnte zu einer Gefahr für den Aufschwung werden», sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe unlängst.

Bei den Maschinenbauern sehen sogar 70 Prozent ihre Produktion wegen Materialmangels deutlich erschwert. Der VDMA geht dennoch weiter davon aus, dass die Maschinenbau-Produktion in diesem Jahr um 10 Prozent steigt. «Wir müssen allerdings noch ein bisschen zulegen», sagte Wiechers. Stand Mai lag die Produktion um 7 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Im Corona-Krisenjahr 2020 war sie insgesamt um 12 Prozent eingebrochen.

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