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Vor Treffen mit Biden

Putin: Verhältnis zu den USA hat Tiefpunkt erreicht

Washington (dpa)

In wenigen Tagen treffen die sich Putin und Biden in Genf. Dies scheint auch dringend nötig, denn laut Kremlchef Putin hat das bilaterale Verhältnis in den letzten Jahren seinen Tiefpunkt erreicht.

Von dpa

Kremlchef Wladimir Putin sieht das Verhältnis zu den USA auf dem Tiefpunkt. Foto: Yuri Kochetkov/POOL EPA/AP/dpa

Wenige Tage vor dem Gipfeltreffen mit US-Präsident Joe Biden sieht Kremlchef Wladimir Putin das Verhältnis zu den USA in einer schweren Krise.

«Wir haben eine bilaterale Beziehung, die in den letzten Jahren ihren Tiefpunkt erreicht hat», sagte Putin in einem in der Nacht auf Samstag veröffentlichten Ausschnitt eines Interviews mit NBC News nach einer Übersetzung des Senders.

Biden unterscheide sich radikal von seinem Vorgänger Donald Trump, den Putin als außergewöhnliche, talentierte und schillernde Person beschrieb. Biden dagegen sei ein «Karrieremensch», der praktisch sein ganzes Erwachsenenalter in der Politik verbracht habe, sagte Putin der Übersetzung zufolge. Mit Blick auf Biden sagte der Kremlchef zudem, es gäbe einige Vor- und einige Nachteile, aber sicher keine impulsiven Handlungen im Namen eines US-Präsidenten.

Biden und Putin treffen am 16. Juni in Genf aufeinander. Der US-Präsident hatte am Mittwoch gesagt, die USA wollten eine «stabile, vorhersehbare Beziehung» und suchten nicht den Konflikt mit Russland. Das Weiße Haus betont immer wieder, Putin mit dem Treffen nicht belohnen zu wollen und dass ein persönliches Gespräch wegen der Differenzen zwischen den Ländern besonders wichtig sei.

Nach dem Gipfeltreffen wollen Biden und Putin getrennt vor die Kameras treten. Ein US-Regierungsmitarbeiter erklärte, für Mittwoch sei sowohl eine Arbeitssitzung als auch eine kleinere Sitzung geplant, zudem werde Biden nach den Gesprächen alleine eine Pressekonferenz halten. Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte der Staatsagentur Ria Nowosti, dass auch der russische Präsident eine eigene Pressekonferenz geben werde.

Die US-Regierung halte eine Einzelpressekonferenz für das «geeignete Format, um der freien Presse die Themen, die in dem Treffen angesprochen wurden, klar mitzuteilen - sowohl in Bezug auf Bereiche, in denen wir möglicherweise übereinstimmen, als auch in Bereichen, in denen wir erhebliche Bedenken haben», hieß es aus dem Weißen Haus.

Das Treffen mit Putin ist der letzte Termin von Bidens erster Auslandsreise als US-Präsident. Das Verhältnis zwischen den Atommächten ist traditionell angespannt und hatte sich zuletzt noch einmal deutlich verschlechtert, unter anderem wegen der Menschenrechtslage in Russland.

Der britische Premierminister Boris Johnson erwartet beim bevorstehenden Gipfel zwischen Biden und Putin deutliche Ansagen der amerikanischen Seite. Er glaube und befürworte, dass Biden Putin «einige ziemlich harte Botschaften» übermitteln werde, sagte Johnson dem US-Sender CNN am Rande des G7-Gipfels im südenglischen Cornwall. Auf die Frage, ob er - wie Biden - Putin für einen «Killer» halte, antwortete Johnson: «Ich denke auf jeden Fall, dass Präsident Putin Dinge getan hat, die skrupellos sind.» Als ein Beispiel führte der Premierminister die Inhaftierung des Kremlkritikers Alexej Nawalny wegen «erdichteter Anklagen» an. Nawalny werde «praktisch gefoltert».

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