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Katholische Kirche

Papst will 50 Migranten aus Zypern mitnehmen

Nikosia (dpa)

Der Papst setzt sich schon seit Jahren für Migranten ein. Nun will er 50 mit sich nach Rom nehmen. Das zumindest verkündete Zyperns Präsident bei einem Treffen mit dem Pontifex.

Von dpa

Der zyprische Präsident Nicos Anastasiades empfängt Papst Franziskus in Nikosia. Foto: Philippos Christou/AP/dpa

Von der Pilgerreise nach Zypern will Papst Franziskus 50 Migranten mit sich zurück nach Rom nehmen.

Das kündigte der zyprische Staatspräsident Nikos Anastasiades bei einem Treffen mit dem Pontifex am Donnerstagabend an und dankte dem Gast aus dem Vatikan für den «symbolischen Akt» und die «starke Nachricht».

Die Pläne des Papstes waren bereits durchgesickert, offiziell bestätigte der Heilige Stuhl diese aber zunächst nicht. Auch Franziskus ging in seiner Ansprache im Anschluss an die Rede von Anastasiades nicht konkret auf das Thema ein. Am Freitagabend ist ein Gebet und Treffen mit Migranten in der katholischen Kirche des Heiligen Kreuzes im Zentrum Nikosias geplant.

Der Argentinier hatte schon 2016 von seinem Besuch im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos zwölf Migranten mit nach Rom gebracht. Einige davon traf er nach Auskunft des Vatikan just am Donnerstagmorgen vor seiner Abreise in Rom wieder. Im zweiten Teil seiner Reise in den Ostteil des Mittelmeers wird Franziskus am Sonntag nach Lesbos zurückkehren und dort erneut Migranten treffen.

Die Migration ist eines des großen Sorgen-Themen in Zypern. Das andere ist die Teilung des Landes seit fast fünf Jahrzehnten. Der Papst bekundete den Zyprern dafür sein Mitgefühl und sprach von einer «Wunde, die dieses Land am meisten schmerzt». Der Argentinier sagte: «Ich denke an den inneren Schmerz jener Menschen, die nicht ihre Häuser und zu ihren Gebetsstätten zurückkehren können.»

Zypern ist seit einer türkischen Invasion 1974 geteilt. Die ganze Insel gehört zur Europäischen Union, die Regeln und Gesetze der EU werden im türkisch-besetzten Norden aber nicht angewandt.

Unter der Trennung leidet auch die Religionsgruppe der maronitischen Katholiken, deren zwei wichtigsten Dörfer Asomatos und Agia Marina im besetzen Norden liegen und nicht bewohnt werden können. Bei einem Gottesdienst berichtete eine Ordensfrau dem Papst: «Einige unserer ältesten Schwestern erzählen kummervoll, wie sie damals so schnell wie möglich flüchten mussten, um ihr Leben zu retten. Sie dachten, dass sie nur eine Nacht weg sein werden und am nächsten Tag wieder zurückkehren, leider aber dauert diese Nacht nun schon 47 Jahre.»

Viele hoffen, dass der Besuch des Papstes Auswirkungen haben kann - realistisch ist eine Verbesserung der Lage oder gar eine Vereinigung der Insel aber nicht. Eine Lösung ist in weite Ferne gerückt. «Papst Franziskus, Symbol des Friedens», stand auf einem selbst gemalten Schild, das ein Kind auf dem Flughafen von Larnaka bei der Ankunft des Papstes in die Höhe hielt. Dass die Delegation des Vatikans in der rund 50 Kilometer entfernten Hafenstadt landete und nicht in Nikosia, wo der Flughafen in der Pufferzone liegt und damit nicht in Betrieb ist, ist bezeichnend für die Situation auf der Insel.

Vor dem abendlichen Treffen mit den Migranten wird Franziskus am Freitag mit dem Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Insel, Chrysostomos II., sprechen. Anschließend ist in Nikosia eine Messe des Pontifex im größten Stadion der Insel vorgesehen.

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