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Corona-Pandemie

Impftempo in Deutschland lässt etwas nach

Berlin (dpa)

Mehr als 800.000 Dosen täglich wurden hierzulande noch bis vor kurzem verimpft, inzwischen sind es nur noch gut 710.000. Experten und Politiker fordern deshalb Impfungen in der Fußgängerzone - und Belohnungen.

Von dpa

Das Impftempo sinkt. Foto: Sven Hoppe/dpa

Das Impftempo in Deutschland hat nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zuletzt etwas nachgelassen.

So seien in der vergangenen Woche bis einschließlich Sonntag durchschnittlich 710.100 Dosen pro Tag verabreicht worden, heißt es im aktuellen RKI-Situationsbericht. In der Vorwoche seien es 800.500 Dosen pro Tag gewesen. In der Woche davor waren es im Schnitt mehr als 820.000 Dosen pro Tag.

Von den bis einschließlich Sonntag ausgelieferten Impfstoffen waren bis Dienstag 93 Prozent der Dosen von Biontech/Pfizer (Comirnaty) verimpft worden, 91 Prozent von Moderna, 78 Prozent von Astrazeneca und 56 Prozent von Johnson & Johnson.

Bislang haben mehr als 57 Prozent der Menschen in Deutschland eine erste Impfdosis erhalten, rund 40 Prozent sind vollständig geimpft.

Forderung nach «kreativeren Impfangeboten»

Während die Impfgeschwindigkeit nachlässt, steigt der Anteil der Delta-Variante an den Neuansteckungen rasant - Experten und Fachpolitiker sind deshalb in Sorge. Immer mehr fordern nun «kreativere Impfangebote», wie die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, sich in der «Welt» ausdrückte. Bürger müssten sich auch in Fußgängerzonen, Wohnsiedlungen und bei Veranstaltungen impfen lassen können.

Ähnlich sieht es die Ärztegewerkschaft Marburger Bund: «Da ist etwas mehr Kreativität bei den lokalen Behörden gefragt», sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Düsseldorfer «Rheinischen Post». «Wir müssen Menschen auch direkt ansprechen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder zum Hausarzt kommen. Je niedrigschwelliger, desto besser. Entscheidend ist doch, dass wir nun auch all diejenigen erreichen, die bisher - aus welchen Gründen auch immer - noch zögern oder überzeugt werden wollen.»

Saar-Ministerpräsident Tobias Hans sprach sich für zusätzliche Anreize aus. «Man könnte an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird», sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Mobile Impfteams und Sonderaktionen seien gerade in sozialen Brennpunkten nötig.

Viele nicht entdeckte Corona-Fälle

Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides rief im «Handelsblatt» (Düsseldorf) zur Beschleunigung der Impfkampagnen auf. Die EU werde zwar ihr Ziel erreichen, bis Ende Juli genug Impfstoffe für 70 Prozent der Erwachsenen zu haben. Doch weil Virusvarianten «die Übertragbarkeit erhöht» hätten, brauche man «mehr als 70 Prozent, um sicher zu sein».

Dem jüngsten RKI-Lagebericht zufolge dominiert die Delta-Variante mit einem Anteil von 59 Prozent inzwischen auch in Deutschland. Es wird allerdings nur ein Teil der positiven Corona-Proben auf Varianten hin untersucht. Hinzu kommt das Risiko einer Untererfassung der Fälle: Mehr als 40 Prozent aller Infizierten wissen nach einer Studie der Universitätsmedizin Mainz nichts von ihrer Ansteckung.

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