1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. Der IS wütet in Afghanistan: Schlimmer geht immer

  8. >

Kommentar

Der IS wütet in Afghanistan: Schlimmer geht immer

Münster

Nach dem blutigen Terroranschlag in Kabul ist eines klar: Die internationale Gemeinschaft kann sich aus Afghanistan zurückziehen. Sich selbst überlassen kann sie das Land aber nicht. Dafür ist die Gefahr viel zu groß, dass es wieder zum Hort islamistischer Terroristen wird. Ein Kommentar

Von Elmar Ries

Am Tag nach dem Selbstmordanschlag von Kabul steht ein Kämpfer der Taliban in der Nähe des Anschlagsortes. Foto: dpa

M it dem Abzug der in­ternationalen Gemeinschaft ist auch der Terror nach Afghanistan zurückgekehrt – und das ist nichts Überraschendes. Der IS-K, der afghanische Ableger des selbst ernannten Islamischen Staates, hatte den Selbstmordanschlag am Donnerstag aus seiner eigenen, kruden Sicht perfekt getimt: Kurz vor dem Finale der Evakuierungsmission befanden sich noch einmal mehr Afghanen vor den Toren des Kabuler Flughafens – damit war ein Maximum an Toten und Verletzten garantiert. Gleichzeitig bombte der Anschlag die US-Soldaten und deren Verbündete förmlich aus dem Land. Für die Terroristen war das ein Fanal.

Mag US-Präsident Joe Biden nun auch mit markigen Worten Rache schwören: Afghanistan wird wieder zurückfallen in die blutgetränkten Zeiten, deren Ende mit dem Beginn des internationalen Einsatzes vor 20 Jahren eigentlich eingeläutet werden sollten.

Afghanistan kommt nicht zur Ruhe

Der Anschlag von Kabul zeigt zweierlei: So gefestigt, wie die Taliban glauben machen wollen, ist ihre Macht im Land nicht. Im Gegensatz zu den Erwartungen in der westlichen Welt sind die Islamisten offenbar nicht in der Lage, für Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Vor diesem Hintergrund könnte Afghanistan zweitens erneut zu einem Anziehungspunkt für Extremisten werden, die von dort aus versuchen, andere Länder zu destabilisieren. Die Nato-Truppen sind nicht mehr im Land, auch sie hatten den IS bekämpft. Das erlaubt es diesen Gruppen, viel freier zu operieren.

Afghanistan kommt nicht zur Ruhe. Die Taliban haben den IS-Schergen bereits den Krieg erklärt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der sich wieder zu einem Bürgerkrieg auswachsen wird – im Norden des Landes regt sich zudem erster Widerstand gegen die Herrschaft der selbst ernannten Gotteskrieger. Das Land am Hindukusch fällt wieder zurück in alte, ungute Zeiten.

Die USA und ihre Verbündeten haben sich nach 20 Jahren aus Afghanistan zurückgezogen. Sich selbst überlassen können sie das Land in Zukunft nicht. Dafür ist die Gefahr zu groß, dass es erneut zur Heimstätte international agierender Terrorbanden wird.

Startseite