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Forschung fürs Militär

Bundeswehr setzt auf Biosensoren

Koblenz (dpa)

Welche Verwundeten müssen zuerst versorgt werden? Wie lässt sich die Leistung von Soldaten steigern? Die Streitkräfte nutzen hierfür zunehmend Biotechnologie. Doch es gibt auch Risiken.

Von Jens Albes, dpa

Oberstleutnant Patrick Leander Scheid (hinten) und Generalarzt Dr. Stefan Kowitz im Multinational Medical Coordination Centre/European Medical Command in Koblenz. Foto: Thomas Frey/Thomas Frey/dpa

Fitnessuhren und Biosensoren entwickeln sich rasant weiter und werden auch für Soldaten immer wichtiger. Die Koordinationsstelle für die Sanitätsdienste von Nato und EU strebt den Aufbau eines internationalen Zentrums an, um Projekte mit Biosensoren voranzutreiben - und Gefahren zu erkennen.

Manipulation der Daten von Fitnessuhren, Bestrahlung gegnerischer Soldaten mit Ultraschall - auch dies ist in Streitkräften inzwischen denkbar.

Die Koordinierungsstelle Multinational Medical Coordination Centre/European Medical Command in Koblenz hat kürzlich einen digitalen Workshop mit 30 Referenten und 130 Teilnehmern in rund 20 Staaten zu Biosensoren veranstaltet. Ihr Leiter Stefan Kowitz berichtete: «Die positive Resonanz hat gezeigt, dass wir den Nerv der Zeit getroffen haben.» Die Teilnehmer hätten betont, dass Qualität, Robustheit, Datensicherheit und internationale Zusammenarbeit bei Biosensoren für Soldaten weiterentwickelt werden müssten.

Monika Rausch von der Koordinierungsstelle überwacht beim Joggen Strecke, Tempo und Herzfrequenz mit einer Fitnessuhr. «Im Sport sind Biosensoren schon lange nicht mehr wegzudenken, warum also nicht auch im Militär? Ich bin überzeugt, Biosensoren können militärische Leistungen verbessern und die Ausbildung sinnvoll unterstützen», so die Sportwissenschaftlerin mit dem Dienstgrad eines Hauptmannes.

Laut Generalarzt Kowitz bietet die Industrie längst viele technische Lösungen an. «Wir müssen uns jedoch auf die dringenden Bedürfnisse konzentrieren, die unsere sanitätsdienstliche Unterstützung auf dem Gefechtsfeld weiter verbessern oder die gesundheitliche Leistungsfähigkeit und Bereitschaft unserer Einsatzkräfte optimieren», ergänzte Kowitz in der Koblenzer Rhein-Kaserne. Hier befinden sich auch das Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr und ein Labor mit Mikroskopen unter anderem für die Analyse von Gewebeproben verwundeter Soldaten.

Besonders wichtig können digitale Messfühler bei gefährlichen Einsätzen werden. Oberleutnant Alexander Schäbler sagte: «Bei einem Ereignis mit vielen Verletzten kann die verzugslose Messung und Übertragung von Casualty-Data, also der Daten der verletzten und verwundeten Soldaten, unabhängig vom menschlichen individuellen Stressresistenzlevel sichergestellt werden und dadurch Leben retten.» Daten wie Herzfrequenz und Körpertemperatur sollen rascher einen Überblick verschaffen, wer zuerst und wie behandelt werden muss.

Generalarzt Kowitz erklärte: «Somit entsteht in bestimmten Einsatzszenarien ein schnelles und schlüssiges Lagebild.» Korvettenkapitän Rico Maderthoner betonte allerdings auch, die digital unterstützte Entscheidung, wer eine lebensrettende Behandlung erhalte und wer nicht, bleibe letztlich «nicht nur eine technische, sondern auch ethische Fragestellung».

Bei ABC-Kampfmitteln, also atomaren, biologischen und chemischen Kampfstoffen, könnten laut Kowitz künftig beispielsweise in Uniformen integrierte Biosensoren eine Doppelrolle spielen: diese Gefahren erkennen und zugleich die Gesundheitsdaten von Soldaten überwachen.

Der Workshop hat Maderthoner zufolge gezeigt, wie das Militär den Fortschritt in der Biotechnologie schon teils nutzt. Soldaten müssten oft «an ihre Leistungsgrenze gehen und sogar darüber hinaus. Biosensoren sollen diesen Prozess vereinfachen, bewusst steuern und professionalisieren».

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