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Machtübernahme der Taliban

Britischer Außenminister wegen Kreta-Urlaubs unter Druck

London (dpa)

Im britischen Parlament waren in dieser Woche so viele Abgeordnete vor Ort wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr. Die Regierung steht wegen Afghanistan unter Druck - vor allem Außenminister Raab.

Von dpa

Dominic Raab, Außenminister von Großbritannien. Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Der britische Außenminister Dominic Raab gerät wegen seines Verhaltens in der Afghanistan-Krise immer stärker unter Druck.

Dem konservativen Politiker wird angelastet, trotz der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in praktisch ganz Afghanistan weiterhin Urlaub auf der griechischen Insel Kreta gemacht zu haben. Raab soll es auch abgelehnt haben, mit dem afghanischen Außenminister ein dringendes Telefonat über die Evakuierung von Ortskräften zu führen, die britischen Stellen jahrelang geholfen hatten.

Raab kehrte erst am Montag nach London zurück, nachdem die militant-islamistischen Taliban auch die Kontrolle über die Hauptstadt Kabul übernommen hatten. Zuvor hatten ihn hochrangige Diplomaten tagelang vergeblich gebeten, den Anruf zu tätigen, wie britische Medien berichteten. Die Opposition fordert nun seinen Rücktritt. Berichten vom Freitag zufolge verliert Raab auch innerhalb der regierenden Tory-Partei und seines eigenen Ministeriums an Rückhalt.

Einen Rücktritt schloss Raab am Donnerstag noch aus. Demonstrativ ließ er sich bei der Leitung einer Telefonkonferenz mit den Außenministern anderer führender Industrienationen (G7) fotografieren. Am Freitag sagte er, die «sich rapide verschlechternde Situation» habe den Anruf verhindert. Er habe sich auf die Sicherheit und Kapazitäten am Flughafen konzentriert.

Beißende Kritik kam unter anderem vom ehemaligen Nato-Generalsekretär George Robertson. Raab habe seine Amtspflichten verletzt mit schwerwiegenden Konsequenzen, sagte der Labour-Politiker der BBC.

Spekuliert wird, der Minister könnte bei einer Kabinettsumbildung im Herbst seinen Posten verlieren. Die Unzufriedenheit über die Afghanistan-Politik der Regierung von Premierminister Boris Johnson ist in allen politischen Lagern groß. In einer Sondersitzung des Parlaments gab es viel Kritik. Johnson selbst sprach Raab am Freitag erneut sein Vertrauen aus.

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