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TV-Tipp

Wilsberg ermittelt: Immobilienhaie und Drogen

In Münster sind Immobilien hart umkämpft, der Wohnraum ist knapp. Privatdetektiv Wilsberg muss im Milieu der Spekulanten ermitteln. Währenddessen sucht die Kripo die Hintermänner von Drogengeschäften.

dpa

Die Besitzerin einer Schneiderei, Tahmina Ahmadi (Anastasia Papadopoulou), engagiert Wilsberg (Leonard Lansink). Foto: Thomas Kost

Münster (dpa) - Georg Wilsberg sitzt bei einer Schneiderin im Laden. Kommissarin Springer will dem Privatdetektiv einen schicken Zwirn verpassen. Sie selbst probiert ein buntes Kleid an. Darf es noch eine Ansteckblume sein?

Wilsberg verdreht entnervt die Augen. «Sei nicht so zickig, Du hast Ja gesagt», wirft ihm Springer (Rita Russek) gut gelaunt entgegen. «Ich hab's für einen Witz gehalten», sagt der kauzige Privatdetektiv (Leonard Lansink). Im neuen Fall «Aus heiterem Himmel» am Samstag um 20.15 Uhr im ZDF aber treten Wilsberg und die Kommissarin dann doch nicht vor den Traualtar, wie man nach dieser Szene vielleicht hätte erwarten können.

Nicht zum ersten Mal spielen die Drehbuchschreiber auf das Liebesgeplänkel zwischen den beiden Hauptfiguren an. Diesmal aber geht es nur um den Tanz beim Polizeiball. Und die Szene bei der Schneiderin hat einen anderen Hintergrund: Ladenbesitzerin Tahmina Ahmadi (Anastasie Papadopoulou) kämpft zusammen mit Musikalienhändler Jazek Antonov (Christian Kuchenbuch) und Modellbauverkäufer Drösser (Dirk Martens) gegen die Schikanen ihres Vermieters an. Der will die drei herausekeln und das Grundstück an Immobilienspekulanten verkaufen. Wilsberg soll helfen.

So jagt der böse Immobilienbesitzer (Dirk Ossig) dem armen Antonov die Steuerfahndung in Form von Ekki Talkötter (Oliver Korittke) auf den Pelz. Währenddessen kümmert sich Overbeck als Kripoclown (Roland Jankowsky) um die ganz großen Probleme dieser Welt. Er vermutet hinter Drogenlieferungen per Handy-App ganz mächtige Strippenzieher. Und dann stirbt einer der Händler: Drösser. Ausgerechnet vor den Augen von Wilsberg und Schneiderin Ahmadi am Handy. Drösser bricht wie von Geisterhand bei einem Videoanruf auf einem Feld an Münsters Stadtrand zusammen.

Das Drehbuch hat erneut Mario Sixtus geschrieben. Bereits in der 64. Folge «Ins Gesicht geschrieben» hatte der Grimme-Online-Preisträger die Fäden gesponnen. Aber auch im 72. Wilsberg will Sixtus wie in der Folge von 2019, die in Bielefeld spielte, zu viel. Die Erzählstränge um Immobilien, Drogen und Familiengeschichten führt Regisseur Dominic Müller am Ende zwar alle zusammen - ein kleines Wunder. Denn auch Ekki wird noch über eine Liebes-App in einen Hinterhalt gelockt. Aber bis zum packenden Finale und zur Auflösung aller Fragen wird die Zeit beim Zuschauen lang.

Dass Christine Sommer als fiese Maklerin alle Klischees der Immobilienbranche aufzeigen darf, geschenkt. Der ZDF-Samstagabendkrimi ist halt auch Komödie. Dass der großartige Marek Harloff als Hilfskraft Nils Schieffer kaum eine unbedeutende Nebenrolle spielt, ahnt der Zuschauer von Beginn an.

Ob Ballkönig Springer noch ihren Tanz mit Wilsberg bekommt? Nur diese Frage bleibt am Ende offen. Der schrullige Privatdetektiv steht zumindest im Smoking vor ihr.

© dpa-infocom, dpa:210518-99-639285/3

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