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Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur

Was wäre Macke ohne seine Elisabeth?

Münster

Die leuchtenden Farben seiner Gemälde, die orientalischen Motive seiner Tunis-Aquarelle: Das verbindet man mit August Macke. Münsters LWL-Museum für Kunst und Kultur gewährt jetzt Einblicke in seinen Macke-Schatz – mit einem ungewöhnlichen Schwerpunkt.

Harald Suerland

Eine Leihgabe aus dem Bundeskanzleramt: Der Entwurf für einen Wandteppich mit orientalischem Liebespaar hängt sonst im Vorzimmer von Monika Grütters. Foto: Jürgen Christ

Natürlich, ein Hutladen! Im vierten Raum der großen August-Macke-Ausstellung, die das Westfälische Landesmuseum von diesem Freitag an präsentiert, ist ein solch putziges Geschäft mit zwei Fenstern und Eingangstür nachgebildet, sieben wunderbare Damenhüte finden sich hinter der Scheibe. Die kleine Inszenierung fügt sich zu zwei populären Bildern des Malers, die man sonst in der Dauerausstellung sehen kann: Es sind der „Sonnige Weg“ und das „Modegeschäft“.

Nicht sehen kann man für gewöhnlich die Skizzenbücher, in denen Macke seine berühmten Gemälde vorbereitet hat. Die empfindlichen Stücke gehören ja zum reichen Macke-Bestand des Museums und sind eigentlich zu schade, um „nur“ den Experten zur Verfügung zu stehen. Jetzt bietet sich allen Kunstfreunden die Chance, bis Anfang September in die Werkstatt des Malers zu schauen und etwa zu sehen, wie August Macke seine Ehefrau gesehen und gezeichnet hat.

Modell, Muse, Managerin

Und das ist keine Nebensache, denn um Elisabeth Macke geht es in der Schau mit dem Untertitel „Der Maler und die Managerin“. Sie war, das erfährt man in den Wandtexten, elf Jahre lang sein Modell, man könnte sie altmodisch auch als Muse bezeichnen. In einem der hinteren Räume ist sogar ihre Stickerei nach seinen Gemälden zu sehen, was insofern auf einen künstlerischen Austausch hinweist, als August Macke das Prinzip des Zusammenfügens reiner Farben beim Sticken für seine Malerei fruchtbar machte. Ebenso wichtig aber war Elisabeths Rolle für den Nachruhm des 1914 im Krieg getöteten Malers aus Meschede. Im Begleitheft ist nachzulesen, dass sie kurz darauf begann, ihre Erinnerungen an ihn festzuhalten, sich weiterhin um den Verkauf der Werke kümmerte und seine Korrespondenzen für die Nachwelt rettete.

August Macke lernte seine spätere Frau Elisabeth Gerhardt, die aus einer Kaufmannsfamilie stammte, 1903 gewissermaßen auf dem Schulweg in Bonn kennen, schon bald taucht ihr Bild in seinen Skizzen auf. Faszinierend im ersten Raum der Ausstellung ein Blatt aus dem Jahr 1908, das sie von vorn zeigt, relativ streng anmutend – auf der anderen Seite sieht man ihn selbst als Zeichner. „Begrüßt“ werden die Ausstellungsbesucher natürlich mit dem bekannten Porträt aus dem Hochzeitsjahr 1909 – dem Gemälde „Frau des Künstlers mit Hut“. Im selben Raum hängt aber auch eine Gruppe von Bildern, an die man beim Namen Macke nicht sofort denken mag: großartige Akt-Gemälde, zum Teil Leihgaben für eine Schau, die ansonsten vorwiegend aus dem eigenen Bestand des Museums bestückt werden konnte. Vor der Macke-Pflege des Museums müsste man den imaginären Hut ziehen.

Freunde und Familie

Vier Räume in Blau und Violett lassen August Mackes Farben leuchten, es geht natürlich nicht nur um ihn und seine Frau, sondern auch um den privaten und künstlerischen Umkreis wie Malerfreund Franz Marc oder, in einer tollen kleinen Porträtstudie aus dem Jahr 1910, seinen Schwager Dr. Walter Gerhardt. Welch ein Kontrast dann der helle fünfte Saal: Gelb wie die Sonne oder der Wüstensand stellt er die Aquarelle der legendären Tunisreise ins Zentrum. Auch hier ergänzt eine spektakuläre Leihgabe die Ausstellung, es ist der große „Entwurf für einen Wandteppich“ aus dem Bundeskanzleramt in Berlin.

Video in Kooperation mit dem WDR:

„August und Elisabeth Macke. Der Maler und die Managerin“ vom 28. Mai bis zum 5. September Di bis So von 10 bis 18 Uhr (am zweiten Freitag im Monat bis 24 Uhr) im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.

Karten müssen vorab im Ticketshop erworben werden. Besucherservice:  0251 59 07 201 oder besucherbuero@lwl.org

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