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Moderator Alexander Bommes im Interview

„Ich hoffe, am lautesten jubelt Karl Lauterbach“

Münster

Alexander Bommes ist als Moderator gefragter denn je. Aktuell moderiert er die Quizsendung „Gefragt - gejagt“. Bei der Fußball-EM im Sommer wird er ebenfalls am Start sein. Im Interview berichtet Bommes, was er sich vom sportlichen Großereignis erhofft.

Petra Noppeney

Alexander Bommes wird bei der Fußball-EM sicherlich keine Quizfragen stellen. Aber wer weiß das schon? Foto: IMAGO/Noah Wedel

Münster – das ist nicht weit von Hamburg entfernt. Für Alexander Bommes ohnehin nicht: „Ich habe da so einen Lieblings-Münsteraner, Klaus-Otto Nagorsnik“, sagt er beim Telefonat mit unserer Zeitung, „der sitzt immer in meiner Quizsendung ,Gefragt – gejagt’“. Doch nicht um Bommes’ ARD-Quiz soll es gehen, sondern um seine Aufgabe als Moderator bei der am 11. Juni beginnenden Fußball-Europameisterschaft 2021.

Herr Bommes, noch drei Wochen, dann beginnt – mit Corona-bedingter Verspätung um ein Jahr – die Europameisterschaft 2021. Wie hoch ist Ihr Anspannungslevel im Moment?

Alexander Bommes: Oh, der ist eigentlich – ich hoffe, ich enttäusche Sie nicht – noch im Minusbereich. Ich konnte das immer schon gut, habe aber mehr denn je das „Von Spiel zu Spiel denken“ verinnerlicht. Wer das geschafft hat im vergangenen Jahr, war ja nun wirklich im Vorteil. Jetzt haben wir erstmal die Bundesliga auf der Zielgeraden. Dann haben wir noch ein Handball-Final-Four vor uns – dann ist Anfang Juni. Und wenn es denn alles stattfindet, dann werde ich mich schon rechtzeitig damit auseinandersetzen (lacht).

Die zumindest im Deutschland rückläufigen Corona-Infektionszahlen spielen dem Fußball-Großereignis in die Karten. Flexibilität wird aber wohl bis zum Anpfiff das Gebot der Stunde bleiben, oder?

Bommes: Davon gehe ich aus, und so ist das vom Konzept her bei der ARD auch angelegt, dass wir flexibel reagieren. Mich betrifft es persönlich nicht. Ich habe meine drei Gäste, mit denen ich das Sportschau-Studio in Köln bevölkere. Wir sind dann hoffentlich unabhängig von irgendwelchen Infektionszahlen. Und dann schauen wir mal, wie wir meine Sportschau-Kollegin Jessy Wellmer und unseren Experten Bastian Schweinsteiger im Stadion versorgen können.

Es ist die erste Fußball-Europameisterschaft, die an elf europäischen Spielorten ausgetragen wird – mit der Corona-Pandemie im Nacken und den geltenden Schutzmaßnahmen an den jeweiligen Austragungsorten. Wie plant die ARD bei diesen Unwägbarkeiten?

Bommes: Wir können die Zuschauer insofern beruhigen, als Almuth Schult, Kevin-Prince Boateng, Stefan Kuntz und ich jeden Tag in Köln im Studio sitzen und alle mit allem versorgen, was dann gespielt wird. Mal sehen, ob das Stadion-Duo dann immer an einen jeweiligen Austragungsort reisen kann oder nicht. Es soll in jedem Fall ununterbrochen berichtet werden, und wir in Köln sind nicht abhängig von der Situation im Austragungsland.

Sie bleiben in Köln im Studio und haben schon etwas zur „Mannschaftsaufstellung“ dort gesagt. Was dürfen die Zuschauer von dem Trio an Ihrer Seite erwarten?

Bommes: Nur Gutes hoffe ich (lacht). Ich weiß von den drei Gästen, dass sie froh und dankbar für die Möglichkeit sind, so beim Turnier dabei zu sein. Alles weitere ergibt sich. Ich halte nichts davon, vorher irgendwelche Rollen festzulegen. Es geht im Endeffekt vier Wochen lang um Fußball. Und wer, wenn nicht die drei, können wunderbar drüber sprechen. Meine Aufgabe wird es sein, den Laden zusammenzuhalten. Ich glaube nicht, dass wir uns anschweigen werden. Diese Gefahr scheint mir doch relativ gering zu sein.

Zuletzt haben wir den Fußball im Fernsehen weitgehend ohne Zuschauer im Stadion erlebt, was ein bisschen wie „Obst aus der Dose“ schmeckt. Haben Sie das auch so empfunden?

Bommes: Ich habe mich auch sehr daran gewöhnen müssen. Es hat ein paar Spiele gegeben im vergangenen Jahr, bei denen ich das mal für zwei oder drei Stunden vergessen konnte – das waren dann entscheidende Pokalspiele oder Überraschungsgeschichten. Dass man plötzlich alles hört auf dem Platz, das fand ich am Anfang ganz interessant. Aber als ehemaliger Handballer kann ich nur sagen: Für den Ton auf dem Platz wären wir lebenslang gesperrt worden (lacht). Ansonsten hoffe ich, dass da schnell wieder Atmosphäre hineinkommt. Ihren Vergleich mit dem „Obst aus der Dose“ finde ich schon ganz gut.

Glauben Sie denn, dass sich der Euphorie-Schalter jetzt einfach umlegen lässt, wenn die EM beginnt? Oder haben Sie auch den Eindruck, dass sich die Zuschauer vom Fußball ein wenig entfernt haben?

Bommes: Das kann natürlich sein. Was wieder zum Tragen kommen muss – und ich hoffe, dass es bei der EM so sein wird –, ist die Kraft des Sports, die eine der größten Kräfte überhaupt ist. Sie entfaltet sich immer dann, wenn die Identifikation mit einem Team gegeben ist.

Das heißt – auf die deutsche Mannschaft gemünzt?

Bommes: Lassen Sie mal die deutsche Mannschaft mit schönem, echtem Fußball und mit einer Elf, mit der man sympathisieren kann, das erste Spiel anständig machen: Ich glaube, dann geht das mit der Euphorie ganz schnell. Wer das Gefühl hat, da werden meine Werte und meine Haltung, was den Sport angeht, vertreten, ist als Fan wieder dabei. Wir sehen das jedes Jahr bei den Handball-Turnieren: Wer diese Sportler sieht, mit denen sich die Zuschauer sehr identifizieren: Die verkörpern das Echte des Sports. Ich hoffe, dass das bei der EM auch unsere Mannschaft auf die Beine bringt. Es wird dringend nötig sein nach den letzten Spielen.

Auf welche Teams freuen Sie sich persönlich bei der EM?

Bommes: Mein Hauptblick geht meistens Richtung deutscher Mannschaft (lacht). Ansonsten gefallen mir die, die eine begeisterte und begeisterungsfähige Nation hinter sich haben. Ich finde es auch schön, dass die Türkei wieder dabei ist, weil dies für Deutschland eine besondere Bewandtnis hat. Stimmungsvoll wird es doch immer dann, wenn man mit den Leuten draußen über eine Begegnung sprechen kann.

Haben Sie denn einen Tipp, wer am Ende auf dem Siegertreppchen stehen wird?

Bommes: Ich hoffe, am lautesten jubelt Karl Lauterbach. Das wäre mein Wunsch.

Und wie geht es nach der EM für Sie im Fernsehen weiter?

Bommes: Nach dem Finale am 11. Juli beginnen am 12. Juli unsere neuen Folgen von „Gefragt – gejagt“. Für mich ist es dann ein „Raus aus dem Koffer – Rein in den Koffer“, denn Stand jetzt fliege ich nach der EM nach Tokio, wo ich dann für die Olympischen Spiele moderiere. Aber da denke ich wirklich „von Spiel zu Spiel“. Wenn ich mich damit jetzt schon beschäftige, dann komme ich wirklich durcheinander.

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