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Fest verwurzelt in Köln-Porz: Guido Cantz wird 50

Köln (dpa)

Guido Cantz hat es vom Kölner Karnevalsredner zu einem der erfolgreichsten Fernsehmoderatoren Deutschlands gebracht. Jetzt wird er 50 - und will künftig einiges anders machen.

Von Christoph Driessen, dpa

Guido Cantz wird 50. Foto: Oliver Berg/dpa

Dass man schon etwas älter ist, merkt man auch daran, dass vertraute Dinge verschwinden. Guido Cantz macht diese Erfahrung, als er bei einem Rundgang durch seinen Heimatort unvermittelt auf eine gelbe Telefonzelle stößt.

Natürlich ist sie nicht mehr in Betrieb, sondern wird anderweitig genutzt: als Gewächshaus für eine Tomatenpflanze. Sofort fällt ihm eine Szene aus seiner Zeit bei der Bundeswehr ein: Er musste an einer Nato-Übung teilnehmen, und für mehrere Hundert Soldaten stand nur eine Telefonzelle zur Verfügung. Wenn man endlich an der Reihe war und in aller Ruhe ein paar Worte mit der Freundin austauschen wollte, klopfte nach drei Minuten schon jemand von außen mit einer Münze gegen die Scheibe.

Heute (19. August) wird Guido Cantz 50 Jahre alt. Vom Karnevalsredner hat er es bis zum Moderator der Samstagabendshow «Verstehen Sie Spaß?» gebracht. Aber er wohnt immer noch da, wo er geboren wurde, im Kölner Stadtbezirk Porz, weit weg vom Dom und nicht besonders schick. Wenn man wissen will, warum das so ist, muss man mal einen Nachmittag mit ihm spazieren gehen.

Guido Cantz ist in Köln-Porz verwurzelt. «Bei dem Bäcker, bei dem ich heute meine Brötchen kaufe, bin ich schon als Kind gewesen», sagt er. Fast alle seine Freunde wohnen hier, er kennt sie von der Schule und vom Fußball. «Guido hat sich absolute Bodenständigkeit bewahrt», sagt Johannes Mahlberg, Pfarrer der Gemeinde St. Aegidius im Porzer Stadtteil Wahn. In der Kirche ist er getauft worden, zur Kommunion gegangen, hat dort geheiratet und seinen Sohn Paul taufen lassen. In der Sakristei hängt noch ein vergilbtes Foto von einer Messdienergruppe, auf der man halb verdeckt Klein-Guido erkennen kann. Noch nicht blond.

An der katholischen Kirche als Institution stört ihn so einiges, doch der Glaube und das Gemeindeleben sind wichtig für ihn. Guido Cantz ist niemand, der seine Rolle als Spaßmacher auch im Privatleben möglichst ungebrochen durchhalten will. Auf vielfältige Weise engagiere er sich für andere, sagt Pfarrer Mahlberg. «Er ist ein Menschenfreund.»

Ein anderer Ankerpunkt ist das Kulturzentrum Eltzhof in einem ehemaligen Gehöft. Wenn er hier auftritt, ist das ein Heimspiel. «Wobei das immer schwer ist, weil da dann viele Leute sitzen, die ich kenne. Ich bin eigentlich nicht so der nervöse Typ, aber da will man natürlich schon gut präsentieren, so dass auch meine Mutter sagt «War doch ganz okay so».»

Unmittelbar hinter dem Eltzhof befindet sich eine klassische Ritterburg, Schloss Wahn. Hier haben er und seine Frau Kerstin 2009 standesamtliche geheiratet. «Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich hier nochmal sitzen würde», sagt er in einem Saal voller Barockmalereien.

Nächster Stopp: das Maximilian-Kolbe-Gymnasium, an dem er 1990 Abitur gemacht hat. «Ich fand Schule immer super - jetzt nicht Mathe und Physik, aber das Drumherum.» Er trat als Schlagzeuger in einer Jazzband auf, spielte Theater, engagierte sich als Schulsprecher und moderierte in der Aula den letzten Schultag. «Ja, ich stehe gern im Mittelpunkt», gibt er zu. Und er organisiert gern, ob das nun Showveranstaltungen sind oder Skifreizeiten mit Freunden.

Letzte Station: der Ascheplatz der Spielvereinigung Wahn-Grengel im Bieselwald. Hier hat er mit sechs Jahren Fußball spielen gelernt. «Ich hab immer noch einiges an Asche im Knie. Mein Sohn fragt mich immer: «Was ist das?» Dann sag ich: «Asche vom Bieselwald.»»

So pendelt Guido Cantz zwischen Fernsehstudios und großen Bühnen einerseits und seiner Heimat in Köln-Porz andererseits. Das geht jetzt schon lange so, doch der runde Geburtstag ist ein Einschnitt für ihn. Er hat eine Autobiografie geschrieben, die gerade unter dem Titel «Bauchgefühl & Gottvertrauen - Mein Leben von 1971 bis 20 Uhr 15» erschienen ist. «Ein Herzensprojekt.»

Als in der Corona-Pandemie plötzlich keine Auftritte mehr möglich waren, ist er ins Nachdenken gekommen. Das Ergebnis: Nach zwölf Jahren wird er im Dezember zum letzten Mal «Verstehen Sie Spaß?» moderieren. So gern er es immer gemacht hat, er will noch etwas anderes ausprobieren. Was das sein wird, weiß er noch nicht. In der Vergangenheit hat er sich immer gegen die Bezeichnung «Künstler» gewehrt, weil ihm das zu abgehoben erschien. Aber mittlerweile meint er: «Vielleicht bin ich ja doch ein Unterhaltungskünstler.»

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