1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Kultur
  6. >
  7. Ein Pfingstfest für die Ohren

  8. >

Schönes Finale der Orgelandachten in Münster

Ein Pfingstfest für die Ohren

Münster

Das Finalkonzert der Orgelandachten sollte Iveta Apkalna gestalten. Sie konnte nicht nach Münster kommen, wurde aber bestens vertreten. Vom Dom-Organisten Thomas Schmitz.

Christoph Schulte im Walde

Dom-Organist Thomas Schmitz Foto: Christoph Schulte im Walde

Wort und Musik – beide sind sinnlich erfahrbare Medien, über die sich die Botschaft von Auferstehung und Himmelfahrt Christi transportieren lässt. Wort und Musik standen in diesem Jahr eng in Verbindung auch bei den sechs „Orgelandachten“ im Paulusdom zu Münster, für die Domorganist Thomas Schmitz wieder einmal hochkarätige Solisten gewinnen konnte. Stets begleitet von Impulsen durch das gesprochene Wort. Dass Schmitz am vergangenen Samstag innerhalb dieser Reihe nun ein zweites Mal an den Tasten „seiner“ Orgel saß anstelle der ursprünglich annoncierten Iveta Apkalna, lag an terminlichen Problemen der international renommierten Künstlerin aus Lettland. Aber Apkalna kommt, das hat sie versprochen, ganz gewiss im nächsten Jahr nach Münster, dann bereits zum dritten Mal.

Zum Finale der „Orgelandachten“ nun also Thomas Schmitz. Mit einem exquisiten Programm, das alles andere als „Ersatz“ war und den Blick schon ganz klar auf das Pfingstfest richtete. „Komm, heiliger Geist, Herre Gott“ gab es in höchst unterschiedlichen Versionen: von Johann Sebastian Bach und Dietrich Buxtehude. Hier in üppiger Feierlichkeit angelegt, dort in filigraner Umspielung der Choralmelodie. Maurice Duruflé ließ sich Mitte des 20. Jahrhunderts vom gregorianischen „Veni creator“ inspirieren und schrieb von überschwänglicher Spielfreude geprägte Choralvariationen, die in eine veritable und mitreißende Toccata münden. Ein Pfingstfest für die Ohren!

Ganz im Gegensatz dazu César Francks „Cantabile“ als stiller, poesievoller Gesang mit gedeckten Farben und von eher melancholischem Charakter, von Thomas Schmitz sensibel und ausdrucksvoll umgesetzt.

Das ultimativ letzte „Wort“ hatte dann Marcel Dupré: Dessen H-Dur-Präludium nebst Fuge wirkt geradezu wie ein feuriger Strahl aus den Wolken – ein Vorschein dessen, was zu Pfingsten vom Himmel auf die Erde herabkommt. Thomas Schmitz traf mit seinem rasanten Spiel genau den richtigen Ton, angetrieben von rastloser Motorik und gekleidet in kraftvolle, knackige Tutti-Klänge.

Ein großartiges Schlusswort im Rahmen der diesjährigen „Orgelandachten“, in denen sich die Domorgel von ihrer besten Seite zeigen konnte – die musizierenden Gäste ohnehin!

Startseite