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„Things Heard & Seen”: Überfrachteter Gruselfilm mit Amanda Seyfried

Ehespuk im Bauernhaus

Ganz harmonisch wirken diese zwei von Anfang an nicht – dann aber wird es immer schlimmer. Wie einem kunstbeflissenen Paar nach dem Umzug aufs Land ihr Leben entgleitet, erzählt dieser Film als wacklige Mischung aus Spukhaushorror, Ehedrama und Bildanalyse.

Gian Philip Andreas

Catherine (Amanda Seyfried) wird auch durch den dozierenden Professor (F. Murray Abraham) nachhaltig verstört. Foto: Anna Kooris/Netflix

Warum die beruflich erfolgreiche Restauratorin Catherine Clare (Amanda Seyfried, „Das Leuchten der Stille“) ihr erfolgreiches Leben in Manhattan einfach so drangibt und mit ihrem Mann George (James Norton, „Happy Valley“) in die Provinz zieht, ist nicht ganz klar. Es muss wohl Liebe sein. Und dennoch liegt von Anfang an ein Schatten über dieser Ehe. Während der smarte Kunsthistoriker eine Stelle als Dozent an einem College im Hudson Valley antritt, kümmert sich Catherine um das Bauernhaus, in das sie ziehen. Und wie in nahezu allen einsamen Landhäusern der Filmgeschichte spukt es auch in diesem. Wabern unsterbliche Seelen durchs Gemäuer, die Catherine warnen wollen – vor ihrem Mann?

Das Regie-Duo Shari Springer Berman und Robert Pulcini, selbst ein Ehepaar und bekannt vor allem für das oscarnominierte Meisterstück „American Splendor“, verwebt in seinem neuen Film (nach einem Roman von Elizabeth Brundage) klassische Gespensterfilmmotive mit kunsthistorischen Betrachtungen und den Schriften des schwedischen Mystikers Emanuel Swedenborg – auf dessen lateinischen Untertitel seines Buchs „Himmel und Hölle“ („ex auditis et visis“) sich auch der Filmtitel bezieht. Doch so oft im Film auch allegorische Landschaftsgemälde ins Bild gerückt werden und F. Murray Abraham (für immer der Salieri aus „Amadeus“) als spirituell empfänglicher Professor zu dozieren anhebt: Ein ästhetisch tatsächlich neuer Zugang zum Spukhausgenre findet sich hier nicht.

Der Rest taugt immerhin noch als maßvoll spannender Ehehorrorfilm: George lässt sich mit einer Studentin ein (Natalia Dyer aus „Stranger Things“) und verhält sich erratisch, während Catherine dem Gärtnerburschen nachsteigt. Bald erfährt sie ungute Dinge über ihren Gatten, die auch dessen Kollegin (Rhea Seehorn aus „Better Call Saul“) in Gefahr bringen. Welcher Höllenschlund sich am Ende auftut, das erahnt das Publikum schon früh – die ungelenk drangeschraubte Rahmenhandlung ist noch so eine Sache, die diesem ambitioniert gemeinten, versiert gespielten Projekt mehr Kraft raubt als nötig.

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