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Kinostart

Doku über Tina Turner: Der Fluch des Traumas

Zürich (dpa)

Da versucht die einstige Rock-Diva Tina Turner ihr halbes Leben lang, ihre Geschichte von der lieblosen Mutter und dem misshandelnden Ehemann hinter sich zu lassen. Aber man lässt sie nicht.

Von Christiane Oelrich, dpa

Tina Turner in einer Szene der Dokumentation «Tina». Der Film kommt am 13. Juni in die Kinos und feiert Premiere auf der Sommer-Berlinale. Foto: Universal Pictures /dpa

«Es war kein gutes Leben» - diese nüchterne Bilanz von Rockidol Tina Turner steht gleich zu Beginn des Dokumentarfilms «Tina» über das Leben. Das war Ende der 80er Jahre, Turner war fast 50 Jahre alt.

Da hatten ihre besten Jahre aber gerade erst begonnen, mit einer Solo-Weltkarriere und ihrer großen Liebe, dem deutschen Musikproduzenten Erwin Bach. Die beiden sind seit rund 35 Jahren zusammen und leben seit vielen Jahren in der Schweiz, am Zürichsee.

Der Film läuft in Deutschland ab 13. Juni in ersten Kinos. Tina-Fans kommen auf ihre Kosten. Die Regisseure haben viel Material ausgegraben, das noch nie gezeigt wurde: alte Filmaufnahmen und viele Fotos aus Privatbesitz, dazu jede Menge Konzertausschnitte.

Sechs, sieben Stunden stand Tina Turner für den Film Rede und Antwort, wie die Regisseure Dan Lindsay und TJ Martin der Deutschen Presse-Agentur erzählen. Natürlich habe jeder, der mit ihr spricht, zunächst die Ikone vor Augen, den Weltstar. «Aber wir haben den Menschen kennengelernt», sagt Lindsay. Turner sei bodenständig und habe keine Starallüren. «Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Bühnenfigur und der Frau, die einfach vor ihrem Haus am See sitzt.» Als das Interview für den Film 2019 entstand, war Turner fast 80. Ihre Augen funkeln nach wie vor voll Lebenslust, trotz Krankheit - Bach spendete ihr 2017 eine Niere - und traumatischen Erlebnissen.

Das Trauma, ein ewiges Thema: Der Dokumentarfilm zeigt die gebürtige Amerikanerin mit Schweizer Pass in vielen früheren Interviews mit dem sehnlichen Wunsch, die leidvolle Geschichte ihrer ersten 30, fast 40 Lebensjahre hinter sich zu lassen. 1981 enthüllt sie in der Zeitschrift «People» erstmals die Misshandlungen durch ihren Ex-Mann, den Musiker Ike Turner. Sie will damit einen Schlussstrich ziehen.

Aber stattdessen wird sie nun ständig ausgefragt und soll Einzelheiten nennen. Sie legt 1986 mit einer Biografie nach, die 1993 verfilmt wird. Es sei alles gesagt, meinte sie, aber die bohrenden Fragen gehen weiter. «Es ist wie ein Fluch, dass diese Sachen immer und immer wieder zur Sprache gebracht werden», sagt Turner.

«Sie hat die Nase voll davon, in diesem einen Aspekt ihres Lebens zementiert zu werden», sagt Martin. Und doch rührt auch dieser Film lange in der Vergangenheit und widmet der dunklen Zeit in ihrem Leben mehr Raum als den 40 Jahren danach.

Da waren die Eltern, die abhauen, und Tina, die eigentlich Anna Mae Bullock heißt, mit ihren Geschwistern einer Cousine überlässt. Sie zeigen dazu ein armseliges, dunkles Haus mit abblätternder Farbe, das dem einstigen Wohnhaus der Familie nachempfunden ist.

Da ist die Mutter, die wieder auftaucht, als die Tochter Ruhm und Geld hat. Turner versorgt sie mit großer Villa und eleganten Roben. In einem alten Interviewausschnitt stellt Zelma Bullock unter Beweis, dass sie ihre Tochter kaum kennt. «Sie wollte mich nicht, sie wollte nicht um mich sein, aber sie wollte meinen Erfolg», sagt Turner.

Und dann ist da Ike Turner, über dessen Schläge und Vergewaltigungen Turner und ihr Sohn Craig zu Bildern aus dem einstigen Schlafzimmer mit rundem Bett und Spiegel an der Decke berichten. Die Aufnahmen entstanden, als das Haus verkauft werden sollte.

Eine Interviewerin fragt Ike Turner im Jahr 2000 nicht direkt nach den Missbrauchsvorwürfen, aber wie er es empfand, dass sie so unglücklich war. «Ich kann ehrlich gesagt nicht sagen, wie ich empfunden habe, weil ich nie wusste, wie sie sich fühlte», sagt er darauf. «Ich weiß nicht, warum sie Selbstmordversuche unternahm.» Sie sei wohl unglücklich gewesen, weil er Affären hatte.

«Es sieht vielleicht aus wie ein Film über Trauma, aber in Wirklichkeit ist es ein Film über das Streben nach Liebe», sagt Lindsay. Die fand Turner bei Erwin Bach, der aber erst eine halbe Stunde vor Ende des zweistündigen Films ins Bild kommt. Er ist 16 Jahre jünger als Turner und erzählt liebevoll von der nach wie vor knisternden Beziehung. Die beiden haben sich einst am Flughafen in Düsseldorf kennengelernt. Nach 27 gemeinsamen Jahren heirateten die beiden 2013 in ihrem Haus am Zürichsee.

Eine Art Abschied sei der Dokumentarfilm, sagen die Regisseure. Turner wolle keine Kameras mehr in ihrem Leben. Der Abspann sagt alles: Tina Turner singt «Simply the Best» - einfach die Beste.

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«Es war kein gutes Leben» - diese nüchterne Bilanz von Rockidol Tina Turner steht gleich zu Beginn des Dokumentarfilms «Tina» über das Leben. Das war Ende der 80er Jahre, Turner war fast 50 Jahre alt.

Da hatten ihre besten Jahre aber gerade erst begonnen, mit einer Solo-Weltkarriere und ihrer großen Liebe, dem deutschen Musikproduzenten Erwin Bach. Die beiden sind seit rund 35 Jahren zusammen und leben seit vielen Jahren in der Schweiz, am Zürichsee.

Der Film läuft in Deutschland ab 13. Juni in ersten Kinos. Tina-Fans kommen auf ihre Kosten. Die Regisseure haben viel Material ausgegraben, das noch nie gezeigt wurde: alte Filmaufnahmen und viele Fotos aus Privatbesitz, dazu jede Menge Konzertausschnitte.

Sechs, sieben Stunden stand Tina Turner für den Film Rede und Antwort, wie die Regisseure Dan Lindsay und TJ Martin der Deutschen Presse-Agentur erzählen. Natürlich habe jeder, der mit ihr spricht, zunächst die Ikone vor Augen, den Weltstar. «Aber wir haben den Menschen kennengelernt», sagt Lindsay. Turner sei bodenständig und habe keine Starallüren. «Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Bühnenfigur und der Frau, die einfach vor ihrem Haus am See sitzt.» Als das Interview für den Film 2019 entstand, war Turner fast 80. Ihre Augen funkeln nach wie vor voll Lebenslust, trotz Krankheit - Bach spendete ihr 2017 eine Niere - und traumatischen Erlebnissen.

Das Trauma, ein ewiges Thema: Der Dokumentarfilm zeigt die gebürtige Amerikanerin mit Schweizer Pass in vielen früheren Interviews mit dem sehnlichen Wunsch, die leidvolle Geschichte ihrer ersten 30, fast 40 Lebensjahre hinter sich zu lassen. 1981 enthüllt sie in der Zeitschrift «People» erstmals die Misshandlungen durch ihren Ex-Mann, den Musiker Ike Turner. Sie will damit einen Schlussstrich ziehen.

Aber stattdessen wird sie nun ständig ausgefragt und soll Einzelheiten nennen. Sie legt 1986 mit einer Biografie nach, die 1993 verfilmt wird. Es sei alles gesagt, meinte sie, aber die bohrenden Fragen gehen weiter. «Es ist wie ein Fluch, dass diese Sachen immer und immer wieder zur Sprache gebracht werden», sagt Turner.

«Sie hat die Nase voll davon, in diesem einen Aspekt ihres Lebens zementiert zu werden», sagt Martin. Und doch rührt auch dieser Film lange in der Vergangenheit und widmet der dunklen Zeit in ihrem Leben mehr Raum als den 40 Jahren danach.

Da waren die Eltern, die abhauen, und Tina, die eigentlich Anna Mae Bullock heißt, mit ihren Geschwistern einer Cousine überlässt. Sie zeigen dazu ein armseliges, dunkles Haus mit abblätternder Farbe, das dem einstigen Wohnhaus der Familie nachempfunden ist.

Da ist die Mutter, die wieder auftaucht, als die Tochter Ruhm und Geld hat. Turner versorgt sie mit großer Villa und eleganten Roben. In einem alten Interviewausschnitt stellt Zelma Bullock unter Beweis, dass sie ihre Tochter kaum kennt. «Sie wollte mich nicht, sie wollte nicht um mich sein, aber sie wollte meinen Erfolg», sagt Turner.

Und dann ist da Ike Turner, über dessen Schläge und Vergewaltigungen Turner und ihr Sohn Craig zu Bildern aus dem einstigen Schlafzimmer mit rundem Bett und Spiegel an der Decke berichten. Die Aufnahmen entstanden, als das Haus verkauft werden sollte.

Eine Interviewerin fragt Ike Turner im Jahr 2000 nicht direkt nach den Missbrauchsvorwürfen, aber wie er es empfand, dass sie so unglücklich war. «Ich kann ehrlich gesagt nicht sagen, wie ich empfunden habe, weil ich nie wusste, wie sie sich fühlte», sagt er darauf. «Ich weiß nicht, warum sie Selbstmordversuche unternahm.» Sie sei wohl unglücklich gewesen, weil er Affären hatte.

«Es sieht vielleicht aus wie ein Film über Trauma, aber in Wirklichkeit ist es ein Film über das Streben nach Liebe», sagt Lindsay. Die fand Turner bei Erwin Bach, der aber erst eine halbe Stunde vor Ende des zweistündigen Films ins Bild kommt. Er ist 16 Jahre jünger als Turner und erzählt liebevoll von der nach wie vor knisternden Beziehung. Die beiden haben sich einst am Flughafen in Düsseldorf kennengelernt. Nach 27 gemeinsamen Jahren heirateten die beiden 2013 in ihrem Haus am Zürichsee.

Eine Art Abschied sei der Dokumentarfilm, sagen die Regisseure. Turner wolle keine Kameras mehr in ihrem Leben. Der Abspann sagt alles: Tina Turner singt «Simply the Best» - einfach die Beste.

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