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Antisemitische Vorfälle vor Synagogen

Es geht uns alle an

Der David-Stern in Flammen vor deutschen Synagogen. Was für ein schreckliches Bild. Es darf niemanden kalt lassen. Was dies auslöst, welche Traumata damit bei Jüdinnen und Juden freigesetzt werden, lässt sich nur erahnen.

Claudia Kramer-Santel

Nach einer Pro-Palästina-Demonstration sichert die Polizei die Westend-Synagoge in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler/dpa

Der David-Stern in Flammen vor deutschen Synagogen. Was für ein schreckliches Bild. Es darf niemanden kalt lassen. Was dies auslöst, welche Traumata damit bei Jüdinnen und Juden freigesetzt werden, lässt sich nur erahnen. Wie leicht sagt sich auf Gedenktagen, dass jüdisches Leben willkommen sei. Wie leicht, dass Deutschland wegen des Holocausts eine historische Verantwortung trage. Es bleiben hohle Phrasen, wenn diesen Ankündigungen und Versprechen keine Taten folgen.

Es ist die Wahrheit: Israelhass und Antisemitismus lassen sich nicht trennen. Die Botschaft der Täter ist ebenso eindeutig wie erschreckend: So wie Israel nicht existieren darf, soll auch für jüdische Gemeinden in Deutschland kein Platz sein. Wer Steine auf Synagogen wirft, dem geht es nicht um legitime Kritik an einem Staat – sondern um Hass, Verblendung und um die Delegitimierung einer Religion und ihrer Angehörigen.

Nach diesen völlig unakzeptablen Vorfällen wird man wohl noch weniger Jüdinnen und Juden im täglichen Leben mit Davidstern oder Kippa sehen. Genau das haben die Fanatiker im Sinn, wenn sie vor den Synagogen aufmarschieren: Verunsichern, einschüchtern.

Dass bei einer Zuspitzung im Nahen Osten die Unruhe herüberschwappt, ist nicht neu. Doch wenn arabische Zuwanderer vor Synagogen das Existenzrecht Israels in Frage stellen und den offenkundigen Terror von Hamas gutheißen, missbrauchen sie ihr Recht zur Demons­tration. Offenbar fühlen sie sich diese radikalen Kräfte ermuntert statt abgeschreckt. Denn es gibt ein Milieu, das ihre antisemitischen Ziele nicht nur von rechts, sondern auch von links gutheißt. Dabei wird die Rolle von Tätern und Opfern bewusst verdreht. Israel hat alles Recht, sich zu verteidigen. Welches Land der Welt würde es sich gefallen lassen, wenn ein Raketenhagel auf seine Me­tropolen fällt?

Dabei stellt sich auch für die Polizei eine ganz andere Frage: Warum ist es nach den Lehren aus dem brutalen Anschlag auf die unbewachte Synagoge in Halle möglich, jüdische Gotteshäuser zu attackieren – ohne dass man dabei aufgehalten wird? Ist der Schutz wirklich ausreichend?

Die Brutalität der symbolischen Handlung ist nicht zu ermessen. Denn Jüdinnen und Juden wird der Weg in die Synagoge damit bewusst schwer gemacht. Das geht uns alle an. Deshalb muss es heißen: Flagge zeigen gegen den Antisemitismus.

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