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FIFA

Infantino und das «weiße Blatt» - Pläne für Änderungen

FIFA-Präsident Gianni Infantino stellt ein Reformprogramm vor. Denkverbote gibt es für den Schweizer nicht - im europäischen Fußball werden nicht alle Botschaften gut ankommen. Auch zum DFB äußert sich Infantino.

dpa

FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Sebastian Gollnow

Zürich (dpa) - Gianni Infantino erhob sich für seine Grundsatzrede - und kündigte dann möglicherweise tiefgreifende Reformen im Weltfußball an.

In einem Elf-Punkte-Programm skizzierte der FIFA-Präsident seine Vorstellungen für die Zukunft, die kontrovers diskutiert werden dürften. Die Abseitsregel «ist etwas, das wir uns anschauen müssen», sagte der Schweizer, Planspiele zum bereits überfrachteten Spielkalender ab 2024 müssten «mit einem weißen Blatt Papier» beginnen. Zudem prüft Infantinos FIFA die Ausrichtung der Weltmeisterschaften schon alle zwei statt vier Jahre - und der Weltverband schaut mit Sorge auf den Deutschen Fußball-Bund.

«Natürlich verfolgen wir, was in Deutschland passiert, natürlich sind wir nicht glücklich darüber», sagte Infantino während der Pressekonferenz nach dem Kongress angesprochen auf den Rücktritt von Fritz Keller als DFB-Präsident. Es scheine, als würde der DFB «nicht mehr zur Ruhe» kommen. «Vielleicht wäre es mal ganz gut, wenn man eine wirkliche Wahl des Präsidenten haben würde», sagte Infantino. «Wenn man immer versucht, irgendwelche Kompromisslösungen zu finden, funktioniert das vielleicht nicht immer.»

Die FIFA, deren größter Nationalverband der DFB ist, brauche «einen starken DFB-Präsidenten», sagte Infantino, oder «vielleicht, wieso nicht, eine DFB-Präsidentin, das wäre vielleicht auch mal eine Idee».

Noch nur eine Idee ist die Verkürzung des WM-Rhythmus. Der Kongress stimmte einem Vorschlag des saudi-arabischen Verbandes zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie zu - für die Endrunden von Männern und Frauen. «Wir müssen offen in diese Studien gehen», sagte Infantino. Der sportliche Wert werde immer im Vordergrund stehen, nicht der kommerzielle. Unter dem Schweizer war bereits die Aufstockung des Männer-Turniers von 32 auf 48 Teilnehmer beschlossen worden, die Premiere feiert das neue Format im Jahr 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.

In seiner Eröffnungsrede betonte Infantino, der Fußball müsse «globaler» werden. «Ist Fußball wirklich global?», fragte der 51-Jährige. «Nein, ist er nicht.» Er sehe ein großes Ungleichgewicht, die größten Ressourcen seien auf ein paar wenige Clubs verteilt. Er nannte zwar die Europäische Fußball-Union nicht explizit, gemeint waren dennoch insbesondere die europäischen Clubs, die mit ihren Wettbewerben auf der ganzen Welt verdienen, die Einnahmen aber nur in Europa ausschütten.

Zwar bekräftigte Infantino erneut, das gescheiterte Super-League-Projekt abzulehnen. Das existierende Modell im Fußball sei aber eben auch «nicht perfekt». Die «New York Times» hatte am Donnerstag (Ortszeit) berichtet, dass die FIFA in den vergangenen Monaten an Gesprächen mit den Super-League-Gründern beteiligt gewesen sein soll. Laut der US-Zeitung soll die Unterstützung der FIFA zeitweise Voraussetzung für die Gründer gewesen sein, den Plan einer eigenen Liga abseits UEFA fortzuführen. Das Projekt zwölf europäischer Topclubs war Ende April innerhalb von 48 Stunden krachend gescheitert, nur Real Madrid, der FC Barcelona und Juventus Turin halten noch daran fest.

Die Abseitsregel unter Punkt sechs in Infantinos Programm (Spielregeln) steht derweil schon etwas länger auf dem Prüfstand. «Wir testen eine mögliche neue Regel», sagte Infantino. Kernpunkt sei eine Umkehr der Festlegung, wann ein Angreifer wegen einer Abseitsposition zurückgepfiffen wird. Der Test wird derzeit in den USA und China durchgeführt.

Bislang ist es Abseits, wenn sich ein Angreifer im Moment des Abspiels durch den Mitspieler in der gegnerischen Hälfte mit einem Körperteil, mit dem er ein Tor erzielen könnte (beispielsweise dem Knie), näher am gegnerischen Tor befindet als der letzte Feldspieler des Gegners. Die mögliche neue Regel, erklärte Infantino, würde besagen, dass der Angreifer nur mit irgendeinem Körperteil zur Torerzielung nicht im Abseits sein müsse, um nicht zurückgepfiffen zu werden.

© dpa-infocom, dpa:210521-99-694397/4

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