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Folgen für Dopingbekämpfung

ARD-Doku über Hautkontakt-Doping: Athleten sind geschockt

Berlin (dpa)

Dopinganschläge nur durch minimalen Hautkontakt? Durchaus möglich. In einer ARD-Doku werden entsprechende Ergebnisse präsentiert. Das Experiment schockt die Athleten. Und es stellt die Dopingfahnder vor viele neue Herausforderungen.

Von Ralf Jarkowski und Sandra Degenhardt, dpa

Die frühere Weltklasse-Athletin Christina Obergföll. Foto: Tom Weller/dpa

Die ARD-Dokumentation «Geheimsache Doping - Schuldig. Wie Sportler ungewollt zu Dopern werden können» über mögliche Anschläge durch flüchtigen Hautkontakt hat kurz vor Olympia bei deutschen Top-Athleten für Irritationen gesorgt - und neue Fragen aufgeworfen.

Die frühere Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll ist sicher, dass die Erkenntnisse aus der Doku in der Sportwelt ein «Erdbeben» auslösen werden. «Was da alles möglich wäre mit diesen neuen Erkenntnissen, das bringt das ganze System ins Wanken. Der saubere Athlet ist dem schutzlos ausgeliefert und hat keine Chance mehr, sich zu rechtfertigen», sagte die 39-Jährige in der ARD-«Sportschau».

Positive Tests nach minimalem Kontakt

In einem Experiment der ARD-Dopingredaktion und des Instituts für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln bekamen zwölf Probanden geringe Mengen verschiedener Anabolika mittels einer Trägersubstanz über die Haut verabreicht - durch minimale Berührungen an Hand, Nacken und Arm. Bei allen Probanden ergaben die Erstauswertungen der Proben durch das Kölner Doping-Kontrolllabor einen massiven Betrugsverdacht. Die verbotenen Substanzen waren im Experiment in Minimaldosen verabreicht worden und zum Teil schon eine Stunde nach der Applikation und bis zu 15 Tage lang nachweisbar gewesen.

«Das Experiment hat bewiesen, dass ich mich sofort hinter einem Anschlag verstecken kann und jeder aktive Betrüger sagen kann, ihr habt doch das Experiment gesehen, das ist doch ganz, ganz leicht - und ich bin hier das Opfer», sagte Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler.

Auch die deutsche Sprintmeisterin Alexandra Burghardt beschäftigt das Thema sehr. «Es ist einfach im Hinterkopf», sagte die 27-Jährige vom SV Gendorf Wacker Burghausen am Samstagabend im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF. «Das ist einfach echt beunruhigend und beängstigend, diese ganze Geschichte. Ich habe für mich auch noch keinen Weg gefunden, wie ich jetzt damit groß umgehen soll», gab die für Olympia qualifizierte Leichtathletin zu. Burghardt hatte kürzlich die 100 Meter in der Top-Zeit von 11,01 Sekunden gewonnen.

Triathlon-Star Jan Frodeno entwirft ein düsteres Zukunftsszenario. «Ohne jetzt zu apokalyptisch zu klingen, das ist ja schon für mich die Frage, ob das vielleicht auch ein Stück weit das Ende des professionellen Sports sein könnte», betonte der 39 Jahre alte Olympiasieger und dreifache Ironman-Triumphator. Die Kollision des Sportrechts mit den Menschenrechten werde eine weltweite Debatte erzeugen, glaubt Maximilian Klein von Athleten Deutschland.

«Das ist sehr ernüchternd, es ist fraglich, wie man dann langfristig sauberen Sport gewährleisten soll, das macht mir Angst», gestand Hockey-Olympiasieger und Kapitän Tobias Hauke kurz vor dem Abflug nach Tokio in der ARD. Nach dem, was jetzt aufgedeckt wurde, müsse «man da das ganze System überdenken», sagte Hauke. «Aber ich weiß auch nicht, wie das aussehen soll.»

Auch die Nationale Anti-Doping-Agentur sieht sich vor neuen Herausforderungen. «Wir wollen anpacken und Lösungsansätze präsentieren. Sabotageakte sind kriminelle Handlungen, da haben wir schon seit Jahren versucht, mit staatlichen Ermittlungsstellen zusammenzuarbeiten und dort schärfere Schwerter zu bekommen», erklärte Nada-Vorstand Lars Mortsiefer. Er sehe da eine «Verunsicherung der Athleten und Athletinnen» - und Handlungsbedarf.

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