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Sommerspiele in Tokio

Tränen, Tänze, schöne Töne - wie Olympia-Helden jubeln

Tokio (dpa)

Spätestens bei der Siegerehrung überwältigen die Medaillengewinner die Gefühle. Während Fußballprofis oft eingeübte Jubelposen zeigen, geht's in Tokio spontan zu. Und überaus rührend.

Von Ulrike John und Christian Kunz, dpa

Die australische Schwimm-Olympiasiegerin Ariarne Titmus mit ihrem Trainer Dean Boxall. Foto: Michael Kappeler/dpa

Jubel, Trubel, Heiterkeit - die schönsten Bilder von Olympia zeigen Sportler in den Momenten ihres grenzenlosen Glücks. Aber jeder genießt auf seine eigene Weise. Eine Soziologie des Jubels:

DIE TRÄNENVERGIESSER: Schwimmerin Sarah Köhler zitterte am ganzen Körper und weinte ergriffen nach ihrem Bronzegewinn. Freudentränen fließen reichlich bei Olympia, direkt nach dem Wettkampf oder bei der Siegerehrung. Dort allerdings verbirgt die Maske zuckende Mundwinkel. Bei Reiterinnen mit Helm wie bei Dressur-Champion Jessica von Bredow-Werndl war noch weniger von den nassen Augen zu sehen.

DIE BRÜLLER: Raus mit all der Freude, dem Adrenalin und ganzen Druck. Die Freudenschreie des Tunesiers Ahmed Hafnaoui nach seinem Sieg über 400 Meter Freistil hallten durch die ganze Schwimmhalle. Mit tobenden Zuschauern wäre das kaum zu hören gewesen.

DIE VORSÄNGER: Die Rugby-Spieler aus dem kleinen Inselstaat Fidschi glänzten nicht nur mit dem zweiten Olympia-Gold nach 2016, sondern auch als Chorknaben. Nach ihrem Final-Triumph gegen Neuseeland sangen sie auf dem Podium vollmundig ihre Nationalhymne - noch schöner als die italienischen Fußballer bei der EM.

DIE TELEFONIERER: Kaum war Bronze im Synchronspringen gesichert, griff Patrick Hausding zum Handy, um die Stimme seiner Verlobten Marcela Maric zu hören: «Sie war völlig aufgelöst, hat geheult.» Vor Ort kann das Glück bei diesen Spielen nicht mit Familie und Freuden geteilt werden, also: Schnell mal die Liebsten anrufen! Trotz der leeren Ränge suchen und finden die Medaillengewinner ihr Publikum: Die japanische Lagenschwimmerin Yui Ohashi wurde nach ihrem 400-Meter-Sieg von Teamkollegen, Volunteers und japanischen Journalisten ausgelassen gefeiert und lief sogar eine Ehrenrunde.

DIE AUSGEFLIPPTEN: Das Video ging viral - nach dem Olympiasieg der Australierin Ariarne Titmus im Schwimm-Rennen über 400 Meter Freistil rastete deren Trainer Dean Boxall völlig aus. Der Coach stürmte brüllend über den Tribünengang im Tokyo Aquatics Centre und rüttelte bei seinem wilden Tanz an der Absperrung. Die Bilder der Aktion machte schon wenige Minuten danach im Internet die Runde. Auch in der Halle wurde die Szene auf den Videowänden immer wieder gezeigt.

DIE STILLEN GENIESSER: Eine Umarmung mit dem Trainer, dann erstmal in sich gehen. Nicht jeder Medaillengewinner sucht die große Bühne und genießt den Erfolg mit oft ungläubigem Blick erstmal für sich - insofern man bei all den Kameras alleine sein kann.

DIE POLITISCHEN: Beim Zieleinlauf oder auf dem Treppchen sind die großen gesellschaftskritischen Gesten bisher ausgeblieben. Aber Sport und Politik sind längst kein unvereinbares Gegensatzpaar mehr. Mündige Athletinnen und Athleten positionieren sich: Die australischen Fußballerinnen halten eine Aborigines-Fahne in die Höhe, US-Star Megan Rapinoe & Co. knien nieder - und die deutsche Hockey-Spielführerin Nike Lorenz darf ihre Regenbogenbinde nun doch auch während der Spiele tragen.

DIE VORTURNER: Der brasilianische Surf-Olympiasieger Italo Ferreira feierte sein Gold mit einem Salto bei der Siegerehrung - aus dem Fußball kennt man das ja. Auch Miroslav Klose krönte seine Tore oft mit diesem Kunststück. Ein schwungvolles Rad schlug Fußballer Youssouf Dao von der Elfenbeinküste nach dem Eigentor der deutschen Mannschaft.

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