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Olympia

OP und Vorwürfe: Bittere Premiere für Karateka Horne

Tokio (dpa)

Für die deutschen Karateka läuft es beim Olympia-Debüt unglücklich. Ausnahmeathlet Jonathan Horne verletzt sich schwer und muss operiert werden. Sportdirektor Grüner zieht dennoch ein versöhnliches Fazit.

Von Christoph Lother, dpa

Für Karateka Jonathan Horne endet Olympia auf der Trage. Foto: Marijan Murat/dpa

Ein Verletzungsdrama, Manipulationsvorwürfe und keine Medaille: Für die deutschen Karateka war die Olympia-Premiere ihrer Sportart phasenweise ein Trauerspiel.

Tragische Hauptfigur war dabei Jonathan Horne. Der 32-Jährige aus Kaiserslautern ist einer der besten Karateka der Welt und galt in Tokio als Gold-Kandidat, doch sein Traum vom historischen Edelmetall platzte früh - und auf äußerst schmerzhafte Art und Weise. Horne verletzte sich in seinem zweiten Vorrundenkampf schwer, gab auf und muss nun sogar operiert werden.

Mehrere Bänderrisse

Der frühere Welt- und aktuelle Europameister hat sich im Duell mit dem Georgier Gogita Arkania am Samstag das rechte Ellenbogengelenk ausgerenkt und dadurch mehrere Bänderrisse erlitten. Das ergab eine MRT-Untersuchung in Tokio am Sonntag, wie der Sportdirektor des Deutschen Karate Verbandes, Christian Grüner, mitteilte. Nach seiner Abreise aus Japan erwarte Horne eine OP. Nach etwa sechs bis acht Wochen könne der Topathlet dann wieder mit dem Training beginnen.

Horne hätte seine glorreiche Karriere in Tokio nur allzu gerne mit einer Olympia-Medaille gekrönt. Zumal Karate bei den Spielen 2024 in Paris schon wieder nicht mehr zum Programm gehört. Stattdessen verließ er den Kampfsport-Tempel Nippon Budokan liegend auf einer Trage und schreiend vor Schmerzen. In der Halle war er notversorgt, danach dann zurück ins olympische Dorf gebracht worden. Es war der aus deutscher Sicht tragische Schlusspunkt der Karate-Tage in Tokio.

«Herausforderndes Abenteuer»

Ein «herausforderndes Abenteuer» nannte Grüner das Debüt der Kampfkünstler auf der weltweit größten Bühne des Sports rückblickend. «Der Weg nach Tokio und die harte Qualifikation waren die größte Hürde», resümierte er. Die siebten Plätze von Jasmin Jüttner und Ilja Smorguner in der Disziplin Kata, in der die Athleten einzeln auf der Matte stehen und eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken präsentieren, seien «respektabel» gewesen. Genau wie der fünfte Rang von Noah Bitsch, der wie Vorzeigeathlet Horne in der Zweikampf-Disziplin Kumite an den Start ging.

Nach dem knapp verpassten Halbfinal-Einzug hatten Bitsch und Bundestrainer Thomas Nitschmann noch schwere Vorwürfe gegen die zwei Konkurrenten erhoben, die den 31-Jährigen in der Gruppenphase hinter sich gelassen hatten. Der Aserbaidschaner Rafael Aghayev habe den Italiener Luigi Busa zum Abschluss der Vorrunde gewinnen lassen, so dass beide weiterkamen und Bitsch nur Dritter wurde, unterstellten die Deutschen. Aghayev räumte später ein, dass ihm die Niederlage tatsächlich nicht ungelegen kam. Ein bitteres Szenario für Bitsch im letzten Turnier seiner Karriere. Und ein wenig vorteilhaftes für den Sport gerade in dem Moment, in dem er mal im Rampenlicht stand.

«Trotz allem waren alle begeistert von den Spielen und den Wettkämpfen», zog Grüner stellvertretend für die kleine deutsche Delegation dennoch ein versöhnliches Fazit und äußerte sogleich die Hoffnung, «spätestens 2028 wieder ein Teil der olympischen Bewegung zu sein». Dann vielleicht mit mehr Glück.

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