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Nach Eigentor bei DFB-Pleite

Hummels: «Niederlage schmerzt uns sehr und mich besonders»

München (dpa)

Natürlich hat sich Mats Hummels sein Pflichtspiel-Comeback ganz anders vorgestellt. Nach Eigentor und Auftakt-K.o. leidet der DFB-Rückkehrer - das Malheur muss nun ganz schnell aus dem Kopf.

Von Jens Mende und Arne Richter, dpa

Untröstlich: Mats Hummels traf gegen Frankreich ins eigene Tor. Foto: Matthias Hangst/Getty Pool/AP/dpa

Dieses historische Eigentor nagt kräftig an der Seele. In der Nacht nach dem spielentscheidenden Treffer ins eigene Netz offenbarte der meist so cool wirkende Mats Hummels seine Gefühle.

Die ermutigenden Worte des Bundestrainers, seiner Nationalmannschafts-Kollegen und vieler Fans hat der 32-Jährige dringend gebraucht. «So viele aufmunternde Worte habe ich wohl noch nie bekommen», schrieb der erfahrene Abwehrspieler von Borussia Dortmund bei Instagram: «Und das tut gut, weil es mir so unglaublich viel bedeutet, wieder für Deutschland am Ball zu sein.»

Rückkehr nach zweieinhalbjähriger Verbannung

Hummels sensible Reaktion auf sein zweites Eigentor im DFB-Trikot nach einem ähnlichen Malheur in der EM-Qualifikation 2015 in Schottland - da gewann Deutschland aber noch 3:2 - zeigt, wie sehr er auf die neue Chance bei Joachim Löw gewartet hat. Und wie sehr die zweieinhalbjährige Verbannung durch den Bundestrainer den ehrgeizigen Profi schmerzte. Für den gebürtigen Bergisch-Gladbacher war und ist es immer eine Ehre, für sein Land auflaufen zu dürfen.

Auch deshalb wandte er sich nach dem ersten deutschen Eigentor in der EM-Geschichte, einer Mischung aus Pech und technischem Fehler, speziell an seine Anhänger: «Ich will mich hier einmal ausdrücklich bei euch für die ganzen Nachrichten bedanken.»

Kein Vorwurf vom Bundestrainer

Löw stufte Hummels Aktion als «Pech» ein. «Der Ball kam scharf nach innen. Vielleicht kann man vorher den Einwurf verteidigen. Für Mats war es schwierig, den Ball zu klären», meinte der Bundestrainer. «Da kann man ihm keinen Vorwurf machen.»

Auch die Mitspieler wollten den Weltmeister von 2014 entlasten. «Die schlagen den Ball blind in die Mitte, der Querschläger geht ins Tor», schilderte Joshua Kimmich die Szene in der 20. Minute. «Neun von zehn Mal bekommt man das noch geklärt», befand Toni Kroos. Von Hummels' rechtem Schienbein sprang der Ball nach der Hereingabe von FC-Bayer-Profi Lucas Hernandez unhaltbar für den Münchner Manuel Neuer oben links ins Tor.

Alle im Home Ground in Herzogenaurach wissen natürlich, dass Hummels den völlig misslungenen Rettungsschlag nun auch schnell aus dem Kopf bekommen muss. So trifft die allgemeine Einschätzung von Löw nach dem 0:1 zum EM-Auftakt gegen starke Franzosen auch ganz speziell auf Hummels zu. «Es ist gut, dass das nächste Spiel relativ schnell stattfindet», sagte der 61-Jährige mit Blick auf die nächste schwere Aufgabe am Samstag gegen Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo.

Familie kommt als Unterstützung

«Ich werde hingehen und ihm eine Umarmung geben und sagen, dass alles gut ist. Wir gewinnen als Mannschaft und wir verlieren als Mannschaft. Das ist kein Problem. Mund abputzen und weiter gehts», bemerkte Flügelspieler Robin Gosens. Und die Familie hilft ohnehin: Frau Cathy und Sohn Ludwig wollen auch beim nächsten Match in München im Stadion als Unterstützung dabei sein.

Hummels schmerzte sein fataler Fehlschuss besonders, «weil mein Eigentor das Spiel am Ende entschieden hat.» Beim Auftritt des Teams in München hatte der Dortmunder auch einiges Positives gesehen. «Wir haben alles reingeworfen und einen tollen Kampf geliefert. Dass wir spielerisch noch Luft nach oben haben, wissen wir natürlich auch.»

Die 13.000 Fans in der Münchner Arena und die mehr als 22 Millionen TV-Zuschauer hätten gesehen, «dass wir uns zerreißen wollen bei diesem Turnier», betonte Hummels. Auch dass man die Fans «wieder begeistern» und sportlich «erfolgreich» sein wolle. Und der 73-malige Nationalspieler schloss die Kampfansage gleich an: «Auf drei Punkte am Samstag im nächsten Kracher.»

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