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Eishockey-Weltmeisterschaft

Vom Horrorstart zum Rekord-Champion: Kanadas WM-Geschichte

Riga (dpa)

Wenn Kanada Eishockey-Weltmeister wird, ist das normalerweise alles andere als verwunderlich. Doch dieses Mal in Lettland ist das anders. So wie in Riga holt noch keine Nation zuvor Gold.

Von Kristina Puck und Carsten Lappe, dpa

Kanadas Eishockey-Team feiert mit der Trophäe nach dem Sieg über Finnland. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Von historisch schlecht bis zum Rekord-Weltmeister in knapp zwei Wochen: Kanadas WM-Triumph in Riga steht am Ende einer rasanten Entwicklung.

Ein drohendes Horrorszenario mit dem nahenden Vorrunden-Aus wendete zunächst vor allem auch die deutsche Auswahl für das Mutterland des Eishockeys mit ab. Nur wenige Tage, nachdem die Kanadier mit vielen noch Namenlosen im Team hilflos um den Viertelfinaleinzug zitterten, kürten sie sich zum 27. Mal zum Weltmeister. Sie zogen mit Russland gleich und beendeten das Turnier im goldenen Konfettiregen. Es ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die zu dieser sonderbaren WM mit einer Turnierblase und ohne absolute Topstars passt.

«Als der Kader bekannt wurde, haben sie uns keine Chance gegeben», sagte Finaltorschütze Maxime Comtois. Nach dem 3:2-Verlängerungsdrama gegen Titelverteidiger Finnland ließ er bei der Kabinenparty den Pokal erst einmal nicht wieder los: «Manche haben gesagt, wir seien nicht gut, wir seien Kanadas C-Team. Dann sind wir 0:3 gestartet. Alle haben angefangen, uns abzuschreiben.»

Warum auch nicht? Mit drei Niederlagen war der Weltranglisten-Erste gestartet. So schlecht wie noch nie. Noch nie hatte ein Team mit einem solch schwachen Auftakt Gold geholt. Noch nie habe eine Nation mit insgesamt vier Pleiten triumphiert, teilte der Weltverband mit. «Wir haben allen bewiesen, dass sie falsch lagen. Wir haben gutes Eishockey gespielt, als es darauf ankam», sagte Comtois.

Der Triumph bestätigt, aus wie viel Talenten die Kanadier schöpfen können, die alle Weltmeister werden können. Und der Erfolgslauf spiegelt auch die Probleme und Besonderheiten dieser WM wider. Wegen zahlreicher Absagen hatte Coach Gerard Gallant auf eine sehr junge Auswahl mit Spielern gesetzt, die keine große Rolle in der NHL spielen. Erst nach dem 1:3 gegen Deutschland, dem ersten deutschen WM-Sieg über Kanada seit 25 Jahren, steigerte sich die Top-Nation.

Wer die Antwort nach den Gründen darauf sucht, stößt immer wieder auf Andrew Mangiapane. Nachdem er zum Team stieß, wurde er zum Sinnbild für die Auferstehung der Kanadier. In den ersten drei WM-Spielen hatte der NHL-Stürmer nicht zur Verfügung gestanden. Nach dem Saison-Aus mit Calgary musste er zunächst eine Quarantäne absitzen.

Mit sieben Toren und vier Vorlagen in sieben Spielen stieg der 25-Jährige zum wertvollsten Spieler der WM auf. Mit Vorlagenkönig Connor Brown, mit 14 Assists und zwei Toren WM-Topscorer, und Kapitän Adam Henrique bildete er ein herausragendes Trio. «Er war der Unterschiedsspieler, keine Frage», sagte Gallant.

Zum Vorrundenabschluss war Kanada darauf angewiesen, dass es im Spiel zwischen Deutschland und Gastgeber Lettland einen Sieger nach 60 Minuten gab. Nur weil Deutschland 2:1 gewann und zuvor Kasachstan gegen die ausgeschiedenen Norweger verlor, kam Kanada weiter. Dann siegte Kanada weiter gegen Russland, den Erzrivalen USA und Titelverteidiger Finnland. In der Verlängerung erzielte Ottawa-Stürmer Nick Paul (67. Minute) auf Vorlage seines Teamkollegen Brown den Siegtreffer und sorgte für die Revanche für die Endspielniederlage von 2019 gegen die Finnen.

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