1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Lokalsport
  6. >
  7. Ein bisschen Europameister

  8. >

Fußball: Ex-Stützpunktcoach hatte Amos Pieper unter seinen Fittichen

Ein bisschen Europameister

Dülmen

 Amos Pieper hat in jungen Jahren oft im Sportzentrum Süd trainiert. Jetzt ist er U21-Europameister. Sein ehemaliger Trainer Alfons Baumeister erinnert sich an den 23-jährigen Bundesliga-Profi von Arminia Bielefeld und andere Top-Talente.

Von Florian Levenig

Amos Pieper (Nr. 5) nimmt es in dieser Szene aus dem Endspiel mit gleich drei Portugiesen auf.
Foto: dpa

Als Alfons Baumeister letztens daheim über den Marktplatz schlenderte, rief jemand „Hallo, Trainer!“ Was so ungewöhnlich nicht ist, schließlich hat der Lüdinghauser über die Jahre Hunderten das Kicken beigebracht. Bemerkenswert war höchstens, dass jener Mann, der da so freundlich grüßte, es ziemlich weit gebracht hat seit den gemeinsamen Stützpunkttagen damals in Dülmen. Sein Name: Amos Pieper.

Seit Sonntag ist der gebürtige Steverstädter, der das Cani besucht sowie in der D-Jugend des örtlichen SC Union gespielt hat, U21-Europameister – und noch mehr in aller Munde, als er es eh schon war. Pieper, der in allen sechs EM-Partien zu den Verlässlichsten in der Elf von Stefan Kuntz zählte, wird mit international ambitionierten Bundesligaklubs in Verbindung gebracht, sein Marktwert – aktuell: 4,5 Millionen Euro – dürfte weiter rasant steigen.

Heimatverbundener Musterprofi

Nur eines, davon ist Baumeister überzeugt, werde sich bei all dem Hype nicht ändern: Piepers Zugewandtheit. Dieser 23-jährige, heimatverbundene Musterprofi, der sich über Platz eins bei der Kreissportlerwahl ebenso aufrichtig gefreut hat, wie über das erste Bundesligator oder den Klassenerhalt mit Bielefeld: Der werde auch künftig ein Pläuschchen mit ihm halten, wann immer sich die Gelegenheit biete.

„Wahrscheinlich eine Frage der Erziehung“, glaubt Baumeister. Piepers Eltern, die in Nordkirchen eine Eisdiele betreiben, „die sind ja auch beide so patent“. Früher habe es stets geheißen, „die, die es weit im Sport bringen, sind die ,Sauköppe‘. Die die Ellbogen ausfahren und nur den eigenen Vorteil im Blick haben.“ Der anhaltende Erfolg seines ehemaligen Schützlings beweise, dass es auch anders geht.

Blondschopf fiel 2008 auf

Das erste Mal aufgefallen war Baumeister der junge Blondschopf 2008: „Wir hatten eine riesige Ferienschule in Olfen mit 70, 80 Talenten, gemeinsam organisiert von Vereins- und Kreisauswahltrainern.“ Dass Pieper 13 Jahre später den EM-Pokal in den Nachthimmel von Ljubljana recken würde, hat Baumeister natürlich nicht vorausgesehen: „Da waren einige dabei, die kaum weniger begabt waren. Aber was bei ihm auffiel: Er hat sich nie weggeduckt, wenn es was zu tun gab. Tore schleppen oder Ballnetze, Hütchen zum Platz bringen – Amos war auch da stets der Erste.“


Später hatte Baumeister Pieper am DFB-Stützpunkt Dülmen/Lüdinghausen unter seinen Fittichen. Trainiert wurde im Sportzentrum Süd in Dülmen: „Wir hatten zwar kein Flutlicht seinerzeit, mussten also im Winter auf den Ascheplatz ausweichen. Der Vorteil war aber, dass in jenem 98er-Jahrgang Nottulner und Lüdinghauser gleichermaßen stark vertreten waren. Die haben sich dann auf halber Strecke in Dülmen getroffen.“

Spieler sorgten für Furore

Pieper war nicht der einzige Auswahlspieler, der später für Furore sorgte. Dominik Klann (Olfen), zwölf Monate jünger, schaffte es 2020 in den Profikader von Preußen Münster.
Oder Sebastian Langkamp, gebürtiger Merfelder, der auf knapp 200 Erstligaeinsätze für Bremen, Berlin, Augsburg und Karlsruhe kommt. „Der war 2002, im allerersten Jahr, bei uns“, erinnert sich Baumeister.

Das Trainer-Urgestein nutzt die Gelegenheit, um mal eine Lanze für das Ausbildungssystem zu brechen: „Wir lagen manches Mal mit den Vereinen über Kreuz. Weil die dachten, wenn sie ihre besten Leute zu uns schicken, sind die ruckzuck in Dortmund oder auf Schalke. Was zum einen Quatsch ist. Die Scouts der großen Klubs spüren inzwischen jeden auf, und wenn er im kleinsten Dorf kickt. Zum anderen lag der deutsche Fußball um die Jahrtausendwende rum am Boden, gerade in den U-Mannschaften. Da musste was passieren.“

Brief vom Europameister

Nicht erst seit Sonntag sind die Junioren-Teams des DFB wieder obenauf. Dass die übrigen Stützpunkttrainer – stellvertretend nennt Baumeister Matthias Watermann, Berti Gräser und Jörg Lipinski („haben uns immer als Team verstanden“) – und er ein bisschen was zum EM-Coup beigetragen haben, hat der 75-Jährige sogar schriftlich. Nachdem Pieper in die U13 zu Borussia Dortmund gewechselt war, schickte er einen Brief, der Ex-Coach hat ihn aufgehoben. „Lieber Appo“, beginnt das Schreiben, in dem sich Pieper für das tolle Training bedankt, das ihm letztlich den Weg zum BVB geebnet habe.

Startseite