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Partie gegen Wales

«Wird laut werden»: Türkei mit Heimspiel in Baku

Baku (dpa)

Beim ersten EM-Spiel im Nationalstadion von Baku war es noch relativ ruhig. Nun soll sich das ändern. Wenn die Türkei auf Wales trifft, sind die Sympathien der meisten Fans auf den Rängen klar verteilt.

Von Thomas Eßer, Wolfgang Jung und Anne Pollmann, dpa

Nach der Auftaktpleite gegen Italien ist die Türkei gegen Wales unter Druck. Foto: Matthias Balk/dpa

Deutlicher könnte die Botschaft nicht sein. «Türkei, unsere Herzen schlagen mit dir!», steht auf Aserbaidschanisch auf zahlreichen Plakaten am Nationalstadion in Baku.

Mit Türkei-Trikots, Autoaufklebern und Fahnen machen die Menschen in der Hauptstadt der Südkaukasusrepublik klar, auf wessen Seite sie bei der Fußball-EM stehen. «Sie sind Freunde, sie sind Brüder. Vom ersten Tag an haben sie uns das spüren lassen», sagte der türkische Kapitän Burak Yilmaz.

Auch aus der Türkei wollen Tausende Fans den Weg ins Nachbarland antreten, ihre Mannschaft nach vorne brüllen und das Spiel am Mittwoch gegen Wales (18.00 Uhr/ARD und Magenta TV) zu einem unvergesslichen Heimspiel machen. Die Partie ist nicht nur für den weiteren Turniererfolg der beiden Teams richtungsweisend - sie hat in einer nervösen Region auch geopolitische Dimensionen.

Unter den womöglich mehr als 30.000 Zuschauern werden die beiden mächtigsten Männer der Türkei und Aserbaidschans erwartet: der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und sein aserbaidschanischer Amtskollege Ilham Aliyev, der die frühere Sowjetrepublik seit mehr als 17 Jahren autoritär führt.

Als «Bruder» bezeichnete Erdogan im türkischen Parlament Aliyev zuletzt - und diese Beschreibung hört man nicht nur von ihm und Burak Yilmaz, sondern auch, wenn man mit Menschen in Baku über die Türkei spricht. Die Türkei ist militärische Schutzmacht von Aserbaidschan und unterstützte das Land unlängst im Krieg mit Armenien um die Region Berg-Karabach. Am Dienstag besuchten Erdogan und Aliyev demonstrativ gemeinsam die zurückeroberte Stadt Schuscha. Die beiden Nationen stehen sich traditionell sehr nahe.

Ein- und Ausreise sind für türkische Fans im Vergleich mit anderen Nationen kein großes Problem. Mehrere Direktflüge steuern aus der Türkei täglich Baku an. «Wir erwarten 12.000 türkische Fans bei jedem Spiel des Teams», sagte der Vizepräsident des aserbaidschanischen Fußballverbands AFFA, Elkhan Mammadov, vor kurzem. Große Sorgen im Zusammenhang mit dem Coronavirus macht er sich angesichts der Reisenden nicht.

Zuletzt waren das Champions-League-Finale und das eigentlich für vergangenen Sonntag geplante Formel-1-Rennen in der Nähe von Istanbul wegen der Pandemie nicht in der Türkei ausgetragen worden. Nach offiziellen Angaben sind die Infektionszahlen dort und in Aserbaidschan in den vergangenen Wochen stark zurückgegangen. In den Straßen Bakus genießen die Menschen den Sommer. Viele Restaurants sind voll, Schutzmasken werden eher sporadisch getragen.

Während türkische Fans nach ihrem Baku-Trip direkt in ihren Alltag zurückkehren können, müssen EM-Reisende aus Wales in ihrer Heimat in Quarantäne. Nur ein paar Hundert von ihnen sahen das 1:1 im ersten Gruppenspiel in Baku gegen die Schweiz - mit Präsident Aliyev, der das Turnier auch zur Eigenwerbung nutzt, auf der Ehrentribüne.

Dass die Stimmung diesmal eine andere wird, ist auch den walisischen Spielern klar. Am Wort «Auswärtsspiel» kam keiner der Drachen-Profis in den Medienrunden der vergangenen Tage im Trainingszentrum in Baku vorbei. «Wir wissen, dass viele türkische Fans zum Spiel kommen werden», sagte Neco Williams vom FC Liverpool. «Wir wissen, es wird laut werden. Aber wir wissen auch: Wenn wir zusammenhalten und uns helfen, haben wir große Chancen, das Spiel zu gewinnen.»

Sportlich hilft beiden Teams nur ein Sieg wirklich weiter. Wales trifft im letzten Gruppenspiel auf die starken Italiener, die Türkei muss vor dem Duell mit der Schweiz das 0:3 aus dem Eröffnungsspiel gegen die Squadra Azzurra wieder gutmachen.

Zumindest der türkische Verbandspräsident zeigte sich schon vor Turnierbeginn mit Blick auf die zu erwartende Atmosphäre in Aserbaidschan, das selbst nicht mitspielt, zuversichtlich. «Auch wenn wir in Italien unglücklich starten sollten, erwartet uns Baku - wo wir sechs Punkte holen werden», wurde Nihat Özdemir von aserbaidschanischen Medien zitiert. Einen Sieg der Türkei: Nichts anderes werden auch die Edel-Fans Erdogan und Aliyev erwarten.

Türkei: 23 Cakir - 2 Celik, 22 Ayhan 4 Söyüncü, 13 Meras - 5 Okay Yokuslu - 7 Ünder, 6 Ozan Tufan, 11 Yazici, 10 Calhanoglu - 17 B. Yilmaz

Wales: 12 Ward - 14 Roberts, 22 Mepham, 6 Rodon, 4 B. Davies - 16 Morrell, 7 Allen, 10 Ramsey - 11 Bale, 13 Moore, 20 D. James

Schiedsrichter: Artur Dias (Portugal)

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