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Fußball-EM

Braithwaites «Höllentrip»: Was die Dänen so stark macht

Kopenhagen (dpa)

Gleich im ersten Spiel dieser EM bricht der Däne Christian Eriksen auf dem Spielfeld zusammen. Nur drei Partien später spielen die Dänen bei dieser EM um den Einzug ins Halbfinale.

Von Sebastian Stiekel, dpa

Der Däne Martin Braithwaite ist stolz auf sein Team. Foto: Olaf Kraak/Pool EPA via AP/dpa

Über den großen Erfolg der Dänen bei dieser Fußball-Europameisterschaft hat ihr Stürmer Martin Braithwaite vom FC Barcelona das schöne Zitat gesagt: «Ich spiele zwar für den besten Club der Welt. Aber die beste Mannschaft der Welt» - die spiele hier bei der EM.

Am Samstag (18.00 Uhr/ARD und MagentaTV) geht es im Viertelfinale in Baku gegen Tschechien. Seit dem Beginn des Turniers leidet und freut man sich in ganz Europa mit diesen Dänen, weil gleich in der ersten Partie beinahe ihr bester Spieler Christian Eriksen gestorben wäre und diese Mannschaft seitdem trotzdem fast alles kurz und klein spielt. Wer nach Gründen für dieses Phänomen sucht, landet schnell beim großen Zusammenhalt dieses Teams, bei der riesigen Unterstützung durch ein ganzes Land - und auch bei Typen wie dem 30 Jahre alten Braithwaite.

Zwei Jahre im Rollstuhl als Kind

Seine Geschichte geht kurz zusammengefasst so: Im Alter von fünf bis sieben saß er zwei Jahre lang im Rollstuhl, weil er an der sogenannten Perthes-Legg-Calvé-Krankheit litt, die überwiegend bei Kindern die Hüfte zu zerstören droht. Später spielte er für den englischen Zweitligisten FC Middlesbrough und den Madrider Vorort-Club CD Leganés. Was auf den ersten Blick nach einer Karriere-Sackgasse aussieht, mündete im Februar 2020 in seinem sensationellen Wechsel zum großen FC Barcelona. «A Hell of a journey», nannte Braithwaite im Gespräch mit dem britischen «Guardian» seine Karriere ironisch. Einen «Höllentrip».

Das dänische Team besteht aus einer Menge starker Charaktere. «Wir sind ein Team, das über viele Jahre zusammengewachsen ist und in dem das Gefühl herrscht: Wir haben zusammen schon viel erlebt», sagte der Verteidiger Mathias «Zanka» Jörgensen, der von allen am längsten dabei ist. «Jetzt sind alle Scheinwerfer auf uns gerichtet. Aber wir konnten mit diesem Schock und diesem Druck bislang gut umgehen.»

Der 31-jährige Zanka und der ein Jahr ältere Simon Kjaer haben in ihrer Laufbahn schon in fünf beziehungsweise sechs verschiedenen Ländern gespielt. Im Alter von 21 wechselte Kjaer zum VfL Wolfsburg, blieb dort hinter den hohen Erwartungen und klagte später: «Es hatte den Anschein, dass Felix Magath meine Karriere zerstören wollte.» Mit 32 ist er mittlerweile ein Leistungsträger des AC Mailand. Und weil er seinem Freund Eriksen durch Erste-Hilfe-Maßnahmen noch auf dem Spielfeld das Leben rettete, riefen Fans seines Clubs dazu auf, Kjaer auch zum Kapitän des neunmaligen Europapokal-Siegers zu ernennen.

Team der Kapitäne

«Ich habe zwölf Spieler in meinem Kader, die in ihren Vereinen Kapitäne sind», sagte Dänemarks Trainer Kasper Hjulmand. Das sage etwas aus über den Charakter der Gruppe und auch über das Verantwortungsbewusstsein innerhalb des Teams.

Die verrücktesten Erfahrungen bringt dort immer noch Braithwaite ein. Denn der spielte nach Jahren in Esbjerg, Toulouse, Middlesbrough und Leganes auf einmal neben dem Weltstar Lionel Messi und legte ihm bei seinem ersten Einsatz für den FC Barcelona auch gleich noch ein Tor auf. «Dieses Trikot werde ich niemals waschen», sagte er dem «Guardian». Und im Übrigen: An der Seite von Messi zu spielen, sei für ihn nichts Einschüchterndes, sondern im Grunde ziemlich leicht. «Messi zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Um ihn herum ist also Platz und man muss nur verstehen, wie man den nutzt», beschrieb Braithwaite. «Wenn Fußball eine Religion ist, dann ist er ihr Gott!»

Kein Wunder, dass jemand, der schon so viel erlebt hat, bei dieser EM jetzt nicht bloß mit einem Viertelfinale gegen Tschechien zufrieden ist. Auf die Frage, wie weit die Dänen noch kommen könnten, sagte Braithwaite: «Wenn Sie mich kennen, dann wissen Sie, was ich denke.»

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