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Nach langer Saison

EM als Belastungstest für Nationalspieler

London/Rom (dpa)

Für die EM-Spieler ging es nach einer langen Liga-Saison ohne große Pause weiter. Das Turnier stellt ihre Körper auf eine besondere Probe. Beschwerden halten sich bislang in Grenzen.

Von Thomas Eßer, Miriam Schmidt, Nils Bastek und Jens Marx, dpa

Nimmt die körperliche Herausforderung mit Humor: Portugals Bruno Fernandes. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Bruno Fernandes nimmt die körperliche Herausforderung mit Humor.

«Ich hoffe, dass ich am Ende der Spieler mit den meisten Minuten in den Beinen bin», sagte der portugiesische Leistungsträger angesprochen auf die hohe Belastung der EM-Fußballer in dieser so außergewöhnlichen Corona-Saison.

58 Mal hat der 26-Jährige 2020/21 für Manchester United gespielt, nun zählt er mit dem Titelverteidiger zu den Favoriten beim paneuropäischen Turnier. Beschweren will er sich über die vielen Partien nicht - und handelt damit ganz im Sinne von Lothar Matthäus.

Der Weltmeister von 1990 hatte jüngst sein Unverständnis über klagende Fußballprofis zum Ausdruck gebracht. «Ich kann das nie nachvollziehen, wenn die Spieler heute immer sagen "hohe Belastung", "Hitze", "englische Wochen". Das haben wir früher alles selber gehabt», sagte der 60-Jährige in einem Gespräch mit dem «Zeitmagazin». Zudem habe es keine Rotation gegeben. «Du wolltest immer spielen!», sagte Matthäus. Das wollen die meisten EM-Akteure auch. Beschwerden halten sich in Grenzen. Sorgen haben einige Spieler aber durchaus.

«Spielen und Regeneration»

«Eigentlich besteht der Rhythmus nur noch aus Spielen und Regeneration», sagte der italienische Mittelfeldspieler Jorginho. «Dadurch entstehen viel mehr Verletzungen.» Wegen der Corona-Krise und des späten Starts der Ligen, haben die Nationalspieler seit vergangenen September keine längeren Pause gehabt. In der Bundesliga wurde die traditionelle Winter-Unterbrechung gekürzt. Noch stärker belastet sind die Spieler der englischen Topclubs.

Angesichts von drei Premier-League-Teams in den Endspielen um die europäischen Club-Wettbewerbe standen viele englische Akteure noch Ende Mai für ihre Vereine auf dem Platz. «Dass das ausgerechnet diese Saison passierte, war ein Alptraum für Southgate», sagte Ex-Auswahlspieler Jamie Carragher mit Blick auf Englands Coach Gareth Southgate. Sieben potenzielle Startelf-Kandidaten hätten allein im Champions-League-Finale zwischen Manchester City und dem FC Chelsea auf dem Platz gestanden. Weitere drei waren für Man United im Europa-League-Endspiel dabei.

26 statt 23 Spieler

Immerhin erlaubte die Europäische Fußball-Union UEFA den Nationen, mit 26 statt wie zuvor üblich mit 23 Spielern in das Turnier zu gehen. Dadurch sollen vor allem Ausfälle durch Corona-Infektionen besser ausgeglichen werden können. Zudem sind - wie im Liga-Betrieb zuletzt - fünf Auswechslungen pro Spiel erlaubt.

«Die Möglichkeit für fünf Auswechslungen hat nach den Daten aus der letzten Saison dazu geführt, dass es weniger Verletzungen gibt», sagte der italienische Teamarzt Andrea Ferretti. «Wir glauben, dass die große Schwierigkeit einer langen Saison weniger ausmacht im Verhältnis zu einem größeren Kader und der Möglichkeit, mehr Wechsel zuzulassen.»

Einige EM-Mannschaften setzen zudem auf spezielle Erholungsmaßnahmen. Spaniens Fußballer nutzen beispielsweise eine Überdruckkammer zur besseren und schnelleren Regeneration. Ähnlich wie bei einer MRT-Untersuchung werden die Spieler in ein kapselartiges Gerät geschoben. «So wird die Milchsäure abgebaut und wir sind bereit für das nächste Spiel», sagt Mittelfeldspieler Marcos Llorente.

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