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Die Leipziger Schule und ihre herausragenden Künstler

Die Leipziger Schule ist in der Malerei ein Prädikat. Kunstwerke der Kunstschaffenden werden auf dem Kunstmarkt zu Höchstpreisen gehandelt. Die meisten studierten an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst und gaben ihr erworbenes Wissen an die folgende Generation weiter. Eine Bewegung, die Künstler hervorbrachte, die mit ihren Werken auch heute noch beeindrucken.

Von Dülmener Zeitung

Kunst unter dem wachsamen Auge des Sozialismus

Der Gedanke der sozialistischen Elite war es, die einheimische Kunst mit der Entstehung einer sozialistischen Gesellschaft zu verknüpfen. Mit dieser Absicht wurde der sozialistische Realismus als eigener Stil propagiert und andere künstlerische Auffassungen im Keim erstickt. So wurden die nationalen Kunstschaffenden dazu angehalten, Szenen des Arbeiter- und Bauernstaates umzusetzen.

Für viele Künstler dieser Zeit bedeuteten diese Auflagen eher Pflicht als Kür, da bei einer Verweigerung mit beruflicher Ausgrenzung und einer Aufhebung von Fördermöglichkeiten wie Stipendien zu rechnen war. Aus diesem Grund versuchten die Kunstschaffenden so gut es ging, die staatlichen Vorgaben vom sozialistischen Realismus zu unterwandern.

Jedoch war für viele Künstler dieser Zeit die einzige Möglichkeit, der Perspektivlosigkeit ihres beruflichen und gesellschaftlichen Schaffens zu entkommen, die Ausreise aus der DDR.

Als im Jahre 1989 die Mauer fiel, wurden viele Künstler der DDR als reaktionär abgestempelt. Auch Lutz Ketscher, Künstler der Leipziger Schule – Vertreter  der damaligen Kunstbewegung, musste sich diesen Vorwürfen stellen. Jedoch konnte dies den künstlerischen Tatendrang des Ausnahmekünstlers nicht aufhalten. Er machte mehr denn je als deutscher Künstler des fantastischen Realismus von sich reden und ist heute bis über die Landesgrenzen für seine surrealistischen Gemälde bekannt.

Lutz R. Ketscher – Ein Meister seines Faches

Betrachtet man seine Bilder, so spürt man eine Hingabe zum Detail. Einzigartige, harmonisch anmutende Bild- und Farbkombinationen sind Ketschers Markenzeichen. Seine Gemälde entführen den Betrachter in Welten voller Inspiration. Gottesfiguren, die den Geist der Antike versprühen, sind gern verwendete Motive des Künstlers. Ketschers Kunst lässt Welten ineinander verschmelzen. Er appelliert an die Vorstellungskraft der Betrachter und nimmt sie mit auf eine Reise. Eine Reise in das Land der Träume und der Fantasie, wo es möglich ist, dass Geschichten immer wieder neu erzählt werden können. Seine Werke begründen auf den Wurzeln der Leipziger Schule und besitzen eine Vielschichtigkeit, die von der Gegenwart bis in die Zukunft reicht.

Auch weitere Maler, die der Epoche der Leipziger Schule entstammen, genießen globales Ansehen. Unter ihnen befinden sich Ausnahmetalente wie Gerhard Richter oder Neo Rauch.

Neo Rauch – Der polarisierende Vertreter der Leipziger Schule

Neo Rauch hat internationale Erfolge vorzuweisen wie kein anderer Künstler der Leipziger Schule. Er wird als Aushängeschild der Leipziger Schule angepriesen, was für viele Kunstschaffende als ungerechtfertigt gelten mag. Der Galerist Gerd Lybke, ein lebenslanger Freund des Künstlers, ist an Rauchs Popularität mitverantwortlich. Lybke gilt als Entdecker des Künstlers und gehört mit seiner Galerie «Eigen + Art» zu den bekanntesten deutschen Händlern für zeitgenössische Kunst.

Rauch wurde 1960 als Sohn von Helga Wand und Hanno Rauch in Leipzig geboren. Beide Elternteile studierten an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Schon in den ersten Wochen seines Lebens verlor der deutsche Künstler bei einem tragischen Zugunglück seine Eltern. So wuchs er bei seinen Großeltern in Aschersleben auf. Seine Kindheit war geprägt vom Bau der Mauer und der Teilung Deutschlands, was ihn zum späteren Zeitpunkt seines Schaffens dazu brachte, sich gegen die Kunst für Propagandazwecke aufzubäumen.

Bereits in seinen frühen Arbeiten ist ein poetischer Erzählstil erkennbar. Seine Werke gelten als einzigartig und offenbaren einen Stil, der vom sozialen Realismus geprägt ist. Seine Akteure werden in Landschaften dargestellt, in der amerikanischer Comic-Ästhetizismus mit dem sozialen Realismus  des Kommunismus konfrontiert wird.

Sechs Jahre nach dem Fall der Mauer gelingt dem Künstler der internationale Durchbruch. Alles begann im Jahre 1990 mit einer Ausstellung, die im Rahmen der «Armory Show» in New York stattfand. Rauchs Werke waren nun populär und Ausstellungen in Spanien, Holland, Österreich und Kanada folgten. Jedoch kamen mit dem plötzlichen Ruhm auch Kritiker ans Tageslicht. Neo Rauch musste erst lernen, damit umzugehen. Mittlerweile kommt er gut damit zurecht und weiß die lauten Stimmen zu deuten. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und ebenfalls Künstlerin Rosa Loy arbeitet er in der Leipziger Baumwollspinnerei, über die er sagte: «Es ist der Ort der Konzentration und Inspiration. Hier kommen mir die besten Ideen.»

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