1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Ratgeber
  4. >
  5. Wohnen
  6. >
  7. Anstieg der Nebenkosten: Heizen wird 2021 teurer

  8. >

Wohnen

Anstieg der Nebenkosten: Heizen wird 2021 teurer

Ab dem ersten Januar erwartet Mieter und Vermieter mit Gas- sowie Ölheizungen eine höhere CO2-Steuerabgabe. Dadurch erhöht sich bundesweit für Millionen von Haushalten die jährliche Nebenkostenabrechnung. Nach umstrittenem Vorschlag der SPD-Ministerien sollen sich Mieter und Vermieter die durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz entstehenden Mehrkosten künftig teilen.

Von Dülmener Zeitung

Was ist das Brennstoffemissionshandelsgesetz?

Im Jahr 2019 hat die Bundesregierung mit dem  im Rahmen des Klimaschutzprogrammes erlassenen BEHG  den nationalen Zertifikathandel für Emissionen aus fossilen Brenn- und Kraftstoffen reguliert. Maßgeblicher Bestandteil des Gesetzes ist die CO2-Bepreisung für die Sektoren Verkehr und Wärme. Ab dem Jahr 2021 soll eine fortschreitende Verteuerung der CO2-Steuer den Umstieg auf erneuerbare Energien ankurbeln. Mit der Einführung der CO2-Abgabe zugunsten des Klimaschutzes wird das Heizen mit Öl und Gas ab 2021 in Jahresschritten teurer.

25 Euro CO2-Abgabe pro Tonne

Besonders in deutschen Ballungszentren wohnt man seit Jahren immer kostspieliger. Die steigenden Belastungen betreffen nicht nur die Kaltmiete. Auch im Hinblick auf die Nebenkosten könnte eigentlich gespart werden . Strom ist bundesweit so teuer wie in kaum einem anderen Land. Davon abgesehen geht auch das Heizen immer mehr ins Geld. Durch die Coronakrise und die damit verbundene Zeit im Homeoffice drohen Mietern 2020 ohnehin Nachzahlungen der Betriebskosten . Obwohl speziell Heizöl im Jahr der Pandemie zeitweise so günstig war wie zuletzt 2010. Im vergangenen September kosteten 100 Liter kurzfristig nur etwa 37 Euro. Der Grund dafür war der krisenbedingte Ölpreiseinbruch und Rückgang des Euros. Seit dem Tief ist der Preis für Standardölheizungen bundesweit um etwa neun Euro gestiegen. 2021 werden die Kosten weiter anziehen. Zum einen steigt die Mehrwertsteuer von 16 wieder auf 19 Prozent, hinzu kommt ab Januar die im BEHG beschlossene CO2-Abgabe. Pro dabei entstehender Tonne Kohlendioxid kostet die Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Öl in diesem Jahr 25 Euro. Der Steueraufschlag wird von Energieversorgern an die Kunden weitergegeben. Dadurch steigt der Lieferpreis für Heizöl um rund 7,9 Cent. Zur selben Zeit steigen die Erdgaspreise um rund 0,6 Cent pro Kilowattstunde.

Vielen Verbrauchern war die bevorstehende Nebenkostenerhöhung Ende 2020 nicht einmal bewusst. Sofern Vermieter ihnen die Nebenkostenabrechnung fristgerecht zukommen lassen  , müssen sie sich fortan an den Mehrkosten infolge der erhöhten CO2-Abgabe beteiligen. Obwohl sie keinen Einfluss darauf haben, welches Heizsystem ihre Vermieter nutzen.

Streit um die Umlagefähigkeit

Die CO2-Steuer wird einkommensschwache Haushalte künftig schwer belasten, meinen Experten. Der Deutsche Mieterbund spricht für Durchschnittswohnungen 2021 von Mehrbelastungen zwischen 25 und 125 Euro  . Bis zum Jahr 2025 sieht das BEHG eine Tonnenabgabe von 55 Euro vor. Die Mehrkosten für Durchschnittshaushalte entsprächen bis dahin mehr als dem Doppelten der für 2021 errechneten Mehrbelastung. Weil die zunehmende Tendenz zum Home-Office den künftigen Heizverbrauch erhöht, kann es sogar noch teurer werden. Mit etwas Energiebewusstsein können Mieter theoretisch zwar ihre Heizeffizienz verbessern  . Das Sparpotenzial hängt jedoch vom energetischen Zustand des Mietobjektes ab. Die Heizkosten in einem schlecht isolierten Haus belaufen sich laut dem Mieterbund automatisch mindestens auf das Doppelte. Insofern sind Verbraucher den energetischen Vermieter-Entscheidungen ausgeliefert. Ob der Hausbesitzer beispielsweise saniert oder künftig auf alternative Heizsysteme setzt, können sie kaum beeinflussen. Aus diesem Grund hatten Mieterverbände im Jahr 2020 mehrmals dazu aufgefordert, Mieter vollständig von der CO2-Abgabe zu entlasten. Zuletzt forderten auch Die Grünen, dass Vermieter die Kosten für den CO2-Preis vollständig übernehmen sollten. Die CDU/CSU leistete zu diesem Vorschlag Widerstand. Anfang 2021 wird die Debatte um die Umlagefähigkeit der Mehrkosten vermutlich neu entbrennen.

Höhere Steuereinnahmen für den Klimaschutz

Mit der CO2-Steuer stehen dem Staat künftig mehr Steuergelder zur Verfügung. Diese zusätzlichen Einnahmen möchte der Bund zurück an Haushalte verteilen. Vorwiegend sollen die Gelder für energetische Förderprogrammen aufgewandt werden. Der Umstieg auf klimafreundliche Heizalternativen  soll dadurch beschleunigt werden. Eigenheimbesitzer können eine Austauschprämie für alte Ölheizungen beantragen. Zusätzlich erhalten sie im Rahmen energetischer Haussanierungen Steuerentlastungen. Nach Plänen des Bundes sollen künftig außerdem hohe Kredite für besonders umfangreiche Sanierungen in Aussicht gestellt werden. Energieeffizienz soll dadurch noch attraktiver werden. Dieser Plan scheint aktuellen Marktbeobachtungen zufolge aufzugehen. Nichtsdestotrotz kann die neue CO2-Steuer bei bisherigem Konzept auch soziale Härten für einkommensschwache Mieter zur Folge haben. Bund und Länder planen daher ab 2021 aus den neuen Steuereinnahmen auch höhere Mittel für das Wohngeld ein. Bis zu zehn Prozent soll das Wohngeld künftig steigen. Rund 600.000 Haushalte werden von diesen Geldern nach Angaben des Bundes profitieren.

Startseite