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Staatsexamen verpatzt: Diese Optionen haben Jura-Studierende

Bonn/Bremen (dpa/tmn)

Das Jura-Staatsexamen nicht bestanden: Der Weltuntergang ist das nicht. Auch wenn es sich für Betroffene oft zunächst so anfühlt. Welche Alternativen gibt es jetzt?

Von Sabine Meuter, dpa

Nur wer zwei juristische Staatsexamen in der Tasche hat, darf sich später Volljurist oder Volljuristin nennen. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Es ist beliebt, aber auch sehr anspruchsvoll: Mit viel Elan beginnen jedes Jahr Tausende ein Jurastudium. Doch auf dem Weg hin zum Volljuristen oder zur Volljuristin ist viel Fleiß und noch mehr Disziplin nötig. Die beiden Staatsexamen, die zu absolvieren sind, gelten als äußerst schwierige Prüfungen.

Nicht alle kommen da problemlos durch. In Bayern zum Beispiel haben laut Jahresbericht des Landesjustizprüfungsamts 2020 knapp 28 Prozent die erste Staatsprüfung nicht bestanden, etwa 10 Prozent fielen durch die zweite Prüfung. Ein verpatztes juristisches Staatsexamen ist aber kein Karriereende. Welche Optionen bleiben?

Zusätzlichen Freischuss nutzen

Der erste Teil des Studiums der Rechtswissenschaften schließt mit dem ersten juristischen Staatsexamen. Generell können Studierende zwei Anläufe unternehmen, diese Prüfung zu bestehen.

Wer vor dem Examen Angst hat, sollte es probeweise absolvieren, rät die Rechtsanwältin Sabine Gries-Redeker. Ein solches Probeexamen gilt als «Freischuss». «Der Vorteil eines Freischusses besteht darin, dass ein Scheitern dem Prüfling nicht angerechnet wird», sagt Gries-Redeker, Vorsitzende des Ausschusses Aus- und Fortbildung im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Auf Ursachenforschung gehen

Wer bei einem Freiversuch durchfällt, kann es immer noch zweimal versuchen, das erste juristische Staatsexamen zu bestehen. Zwischen den einzelnen Anläufen ist es wichtig auszuloten, warum es nicht geklappt hat. War man nicht angemessen vorbereitet? Oder war Prüfungsangst der Auslöser? «Prüflinge können Einsicht in die Unterlagen nehmen», so Gries-Redeker.

Was aus ihrer Sicht wichtig ist: Sich mit Kommilitonen vorbereiten und austauschen. «Jurastudenten brauchen zwingend ein Feedback, sie müssen innerhalb von Gruppenarbeit erfahren, wie andere ihren Lösungsansatz sehen.»

Wer auch nach drei Anläufen durchs erste Examen fällt, ist häufig mehr als frustriert. «Betroffene sollten sich fragen, ob ihnen Rechtswissenschaften tatsächlich liegt oder ob sie nicht lieber etwas anderes machen wollen», so Gries-Redeker.

Diejenigen, die an Jura festhalten möchten, können ins Ausland gehen und beispielsweise in Österreich Rechtswissenschaften auf Diplom studieren. Damit dieser Abschluss in Deutschland anerkannt und man zum Referendariat zugelassen wird, kann es sein, dass die Diplom-Juristen erneut Prüfungen ablegen müssen.

Studienberatung hilft weiter

Eine Studienberatung bietet sich ohnehin an. Studierende können persönliche Stärken und Schwächen ausloten. Dann lässt sich entweder auf ein anderes Studienfach umsatteln oder eine klassische Ausbildung absolvieren.

«Es gibt viele Ausbildungsbetriebe, bei denen Bewerber mit juristischen Vorkenntnissen sehr willkommen sind und die später gute Karriereperspektiven bieten», sagt Bernd Lienstädt, Studien- und Berufsberater bei der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven. Denkbar ist auch: Weg von Jura und hin zu einem dualen Studium.

Quereinstieg in den öffentlichen Dienst

Es kann vorkommen, dass Studierende das erste juristische Staatsexamen problemlos bestehen, später aber an der zweiten juristischen Staatsprüfung scheitern. Zweimal dürfen sie versuchen, diese Prüfung zu bestehen, ein drittes Mal nur auf Antrag.

Wer sie nicht schafft, hat aber immerhin das erste Staatsexamen. Viele Universitäten vergeben an dieser Stelle den akademischen Grad Diplom-Jurist (Dipl-Jur.) oder Magister juris (Mag.jur.). «Damit ist zum Beispiel ein Quereinstieg in den öffentlichen Dienst mit unterschiedlichen Karrierewegen möglich», sagt Lienstädt.

Alternativ kann man sich für ein duales Studium im öffentlichen Dienst bewerben. Arbeiten können Diplom-Juristinnen oder Juristen bei Behörden wie etwa dem Zoll. Auch in Rechtsabteilungen von Konzernen sind sie häufig anzutreffen, ebenso beispielsweise in Einigungs- und Schlichtungsstellen.

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