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Hitze und Kälte

Was uns bei Mückenstichen wirklich hilft

München (dpa/tmn)

Ihr Surren kann den schönsten Sommerabend vermiesen. Und dann erst diese juckenden Mückenstiche! Ständig will man sich kratzen. Gut dran ist, wer dann die richtigen Kniffe kennt.

Von Tom Nebe, dpa

Über die heat_it-App lässt sich die Intensität der Hitzebehandlung einstellen. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Das Hilfsmittel gegen den Juckreiz ist klein wie ein Daumennagel. Angesteckt ans Smartphone heizt sich das flache Ende des Stöpsels auf rund 50 Grad auf und wird dann für wenige Sekunden direkt auf den Mückenstich gedrückt. Eine App zeigt an, wann der kleine Stecker wieder von der Haut weggenommen werden sollte.

Laut dem Hersteller heat_it sorgt der Hitzeschmerz dafür, dass die Nerven das Juckreizsignal nicht mehr so gut weiterleiten können. Und wenn es weniger juckt, will man sich auch nicht ständig kratzen.

So weit ist das einleuchtend, auch für den Hautarzt Christoph Liebich. Er bestätigt: «Der leichte Hitzeschmerz löscht den Juckreiz kurz aus.» Wobei diese Wirkung eher kurzfristig sei.

Hitze gegen die Enzyme - wie «Eier-Kochen»

Doch die Hitze macht noch mehr. Der Zweck sei vor allem die Zerstörung des Enzyms, das die Mücken in ihrem Speichel haben, damit das menschliche Blut beim Saugen nicht gerinnt - das würde den feinen Rüssel der Mücke verstopfen. Das Problem: Ihr Speichel provoziert in unserem Körper eine Abwehrreaktion und beschert uns diesen unangenehmen Juckreiz.

«Hitze direkt drauf ist gut. Die zerstört dieses Enzym, weil es aus Eiweiß besteht», erklärt der Mediziner aus München. «Das ist wie beim Eier-Kochen.» Wer sich keinen Mini-Hitze-Stick zum Anstecken an sein Smartphone kaufen möchte, findet im Handel auch batteriebetriebene Hitzestifte mit ähnlicher Funktionsweise.

Weitere Hilfsmittel: Kühlen und Cremes

Es kann auch angenehm sein, einen Mückenstich zu kühlen. Als Hausmittel-Alternativen nennt die Zeitschrift «Apotheken Umschau» (Ausgabe B06/21) außerdem Umschläge mit essigsaurer Tonerde oder eine aufgeschnittene Zwiebel, die auf die Einstichstelle gedrückt wird.

Juckt die Haut sehr stark, können entzündungshemmende Salben mit Cortisol helfen. «Die gibt es speziell für Insektenstiche. Am besten lässt man sich in der Apotheke beraten, welche Creme die passende ist - vor allem auch, wenn sie für Kinder gedacht ist», rät Dermatologe Liebich. Auch Antihistaminika, also Mittel gegen allergiebedingte Beschwerden, machen die Situation erträglicher, wenn man gestochen wurde. Sie gibt es zum Auftragen auf die Haut oder in Tablettenform.

Warum Kratzen die Sache nur schlimmer macht

Auf jeden Fall gilt: Finger weg vom Stich. Wer kratzt, arbeitet die Enzyme im Mückenspeichel am Ende nur tiefer ins Gewebe ein und bringt über die Fingerkuppen schlimmstenfalls noch Schmutz und Keime in die Wunde - Infektionsgefahr. Man sollte auch nicht mit dem Arm auf der Stelle reiben, sagt Liebich. «Am besten ist es, gar nicht am Stich herum zu manipulieren.»

Anders sieht es drumherum aus: Jedenfalls gibt die Stiftung Warentest den Ratschlag, mit zwei Fingern die Haut um die Stichstelle herum einzukneifen. Da lasse der Juckreiz oft nach, heißt in der Zeitschrift «test» (Ausgabe 07/21).

Nicht jeder reagiert gleich auf Mückenstiche. «Hat man zum Beispiel ein hochempfindliches Immunsystem, reagiert man womöglich sensibler», sagt Liebich. Wer in Folge des Stichs Kreislaufprobleme bekommt oder Schwierigkeiten beim Atmen hat, wer Fieber oder Schüttelfrost hat, der sollte zum Arzt gehen. Das gilt auch bei stark entzündeten Stichen.

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