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Radon gefährdet die Gesundheit – Tipps zur Selbsthilfe

Das radioaktive Edelgas Radon wurde lange Zeit unterschätzt. Dabei ist es die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Wie kann man sich schützen?

Foto:  Anna Shvets von Pexels

In den eigenen vier Wänden möchte man sich sicher fühlen. Doch zuweilen ist die Sicherheit trügerisch. Wer raucht, kennt die Gefahren für Leib und Wohl, er hat jedoch eine bewusste Entscheidung getroffen. Beim Thema Radon hingegen wissen die meisten Bewohner nichts von der schleichenden Gefahr. Dabei können deutlich erhöhte Radonkonzentrationen im eigenen Zuhause ebenfalls zu massiven gesundheitlichen Folgen führen.

Jahr für Jahr sterben rund 1.900 Menschen in Deutschland an den Folgen von Radon. In der EU sind es etwa 20.000 Tote und 5 bis 7 % aller Fälle von Lungenkrebs gehen auf Radon zurück. Damit nimmt Radon als Ursache für Lungenkarzinome hinter Nikotin den zweiten Platz ein und rangiert als Risikofaktor vor wesentlich bekannteren Umweltgiften wie Dieselruß und Asbest.

Was ist Radon?

Radon ist eines von sechs natürlich vorkommenden Edelgasen. Beheimatet in tieferen Erdschichten dringt es über Risse und Spalten im Boden ins Freie. Dort verdünnt sich das Gas in der Umgebungsluft, sodass die üblichen Konzentrationen von etwa 10 bis 30 Becquerel/m³ dem Menschen kaum etwas anhaben können. Dies ändert sich allerdings, wenn das Edelgas durch undichte Stellen ins eigene Haus gelangt. Dort sammelt es sich nämlich in unnatürlichen Konzentrationen an und übt eine stetige Belastung auf die Bewohner aus. Als geruchloses und unsichtbares Gas ist es unmöglich, die Radonstrahlung bemerken zu können. Im Fachhandel gibt es deshalb spezielle Radon-Messgeräte, welche die Radonkonzentration im Haus exakt ermitteln.

Das Risiko kommt mit der Einatmung

Die Gefährlichkeit von Radon liegt nun darin begründet, dass das Edelgas radioaktiv ist. Es ist in eine Zerfallskette von Uran und Radium eingebettet und erzeugt mit Polonium, Wismut und Blei selbst eine Kette radioaktiver Abfallprodukte. Die Art ionisierender Strahlung durch Radon ist die Alphastrahlung. Diese wird durch eine geringe Einfallstiefe bei einer hohen Strahlungsintensität gekennzeichnet. Dadurch dringt Radon vermutlich nicht durch die relativ dicke und stabile Außenhaut des Menschen. Wird Radon aber in Form von Aerosolen eingeatmet, dann kann die radioaktive Strahlung in das dünne und weiche Lungengewebe eindringen und Veränderungen im Erbgut hervorrufen. Im schlimmsten Fall droht Lungenkrebs.

Welche Häuser sind betroffen?

Die durchschnittliche Radonbelastung liegt in deutschen Gebäuden nach Angaben der Bundesbehörde für Strahlenschutz (BfS) bei 49 Becquerel/m³. Dabei kann die Intensität der Konzentration von Haus zu Haus erheblich schwanken. Ursachen für hohe Werte sind unter anderem die Beschaffenheit des natürlichen Untergrundes, der Grad der Abdichtung des eigenen Hauses, das Baumaterial und bauliche Mängel, Anzahl der Radon-Eintrittsstellen sowie das eigene Verhalten im Haus. Grundsätzlich geht von verwitterten Gesteinsböden die größte Radonbelastung aus. Deshalb gehören die Voralpen und die Mittelgebirge in Deutschland zu den typischen Risikogebieten, in denen es das radioaktive Edelgas leicht hat, sich den Weg ins Freie und schließlich in die Häuser zu bahnen.

Wie dringt Radon ins Gebäude?

Da Radon im Erdinneren beheimatet ist, ist der Kellerbereich der Ort, an dem Radon ins eigene Haus gelangen kann. Heute ist eine fachgerechte Abdichtung von Neubauten auch mit Blick auf die Gefahr durch Radon selbstverständlich. Zum Einsatz kommen etwa eine Abdichtung in Form einer sogenannten Weißen Wanne mit dem Ausgangsstoff BU-Beton oder eine Schwarze Wanne, bei der das Ölprodukt Bitumen verwendet wird.

Altbauten sind hingegen oft nur unzureichend vor Radon geschützt, weil die Gefahr beim Bau unbekannt war. Außerdem gelangt Radon durch Risse, Spalten sowie durch Öffnungen infolge der Verbauung von Kabeln und Rohre leicht ins Gebäude. Was das Baumaterial angeht, so sollte dieses nicht zu porös sein, um dem Radon keine weiteren Eintrittsstellen zu geben. Ungebranntes Material wie Lehmputz bietet dem Edelgas gute Möglichkeit, sich den Zugang ins Gebäude zu verschaffen.

Was jeder Bewohner tun kann

Regelmäßiges Stoß- und Querlüften trägt bereits viel dazu bei, dass sich das Edelgas mit der Außenluft verbinden kann. Eine weitere Maßnahme ist die fachgerechte Abdichtung des Kellers, und zwar sowohl nach innen als auch nach außen. Durch diesen doppelten Schutz wird dafür Sorge getragen, dass Radon nicht von außen ins Gebäude dringen kann und dann vom Keller nicht in die oberen Wohnbereiche gelangt. Schließlich kann Radon auch abgesaugt werden. Fachkräfte bieten diese Dienstleistung an und nutzen dafür spezielle Geräte wie eine Radondrainage oder einen Radonbrunnen.

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