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Gesundheit

Pflegegrad beantragen: Welche Geldleistung gibt es vom Staat?

Die zunehmende Lebenserwartung bringt es mit sich, dass immer mehr Menschen im Laufe ihrer Existenz pflegebedürftig werden. Sie sind auf fremde Hilfe angewiesen, um ihren Alltag zu meistern. Pflegebedürftigkeit hat viele Gesichter: Eine eingeschränkte Mobilität ist eines davon. Doch Pflege ist bekanntlich teuer. Betroffenen greift die staatliche Pflegeversicherung unter die Arme. Der Pflegegrad entscheidet über die Höhe der finanziellen Unterstützung. Wir zeigen, welche Geldleistungen man für sich beanspruchen kann, um seinen Eigenanteil zu senken.

Von Dülmener Zeitung

Pflege kostet viel Geld

Über 3,4 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig – Tendenz weiter steigend. Was Pflegebedürftigkeit bedeutet, hat der Gesetzgeber klar umschrieben. Der Betroffene muss an Beeinträchtigungen leiden, die aller Voraussicht nach langfristig bestehen (mind. sechs Monate) und die er nicht selbständig bewältigen kann. Darunter zählen Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit ebenso wie psychische Handicaps. Die große Mehrheit ist im betagten Alter. Wie bzw. von wem Pflegebedürftige betreut werden möchten, diese Entscheidung kann und soll jeder selbst treffen.

Fakt ist: Pflegebedürftig zu sein, ist mit finanziellen Belastungen verbunden. Kein Tag vergeht ohne mediale Diskussionen, dass ein Heimplatz stetig teurer wird. Die Kernfrage: Kann ich den von meiner Altersrente überhaupt bezahlen? Das Gros muss man aus eigener Tasche stemmen: den Eigenanteil. So sind derzeit durchschnittlich 2015 Euro monatlicher Eigenanteil für einen Heimplatz in Deutschland aufzubringen. Und die Kosten sind weit höher. Für Entlastung sorgen die Geldleistungen der Pflegekasse. Differenziert nach der Schwere der bestehenden Pflegebedürftigkeit fallen diese unterschiedlich aus. Maßgebend ist, in welchen der fünf Pflegegrade   man eingestuft wurde.

Wie bezieht man Leistungen aus der Pflegeversicherung?

Die Morgentoilette dauert immer länger, das Treppensteigen wird von Jahr zu Jahr beschwerlicher. Wer beim Bewältigen seiner Alltagsroutine zunehmend Probleme verspürt, sollte sich nicht scheuen einen Pflegegrad zu beantragen . Adressat ist die Pflegekasse, die der zuständigen Krankenkasse angegliedert ist. Nachdem der potentiell Pflegebedürftige seinen formlosen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt hat, erhält er Hausbesuch vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Ein Gutachter prüft anhand eines umfangreichen Fragenkatalogs, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt. Welche Leistung einem zusteht, klärt also das MDK-Gutachten.

Dreh- und Angelpunkt ist die Eingruppierung in einen Pflegegrad. Die endgültige Entscheidung liegt bei der Pflegekasse. Wird ein niedrigerer Pflegegrad zuerkannt als erhofft, kann man Widerspruch einlegen. Je nachdem, ob man zu Hause oder im Pflegeheim gepflegt wird, zahlt die Kasse unterschiedliche Geldleistungen. Die Erfahrung zeigt: Angehörige, die sich wie selbstverständlich um einen pflegebedürftigen Mitbewohner kümmern, wissen von dieser Option oft nichts. Dabei zahlt es sich oft in barer Münze aus, wenn ein Pflegegrad beantragt wird! Grundsätzlich können alle Pflegebedürftigen bspw. einen Entlastungsbetrag beanspruchen . Er beträgt monatlich 125 Euro und dient als zweckgebundene Hilfe.

Geldleistungen für die häusliche Pflege

Eine überraschend große Mehrheit der Pflegebedürftigen wohnt weiterhin in den eigenen vier Wänden. Dort werden sie von Angehörigen oder einem häuslichen Pflegedienst versorgt. Hinsichtlich der staatlichen Leistungen für Versicherte sind Pflegegeld und Pflegesachleistung zu unterscheiden. Beides erhält man, wenn mindestens Pflegegrad 2 zuerkannt wurde. Pflegegeld steht dem Pflegebedürftigen dann zu, wenn ein Familienangehöriger, Nachbar oder enger Freund ehrenamtlich die Pflege leistet. Damit wird ihr Einsatz seitens des Staates honoriert. Der Festbetrag wird von der Pflegekasse jeden Monat auf das Konto des Pflegebedürftigen überwiesen. Dieser entscheidet allein, wie er ausgegeben wird.

Wenn ein professioneller Pflegedienst die Arbeit übernimmt, kommt die Pflegesachleistung ins Spiel. Die Kostenabrechnung erfolgt dann direkt zwischen Pflegekasse und dem ambulanten Pflegedienst bzw. der Tagespflege. Finanziell unterstützt werden die Grund- und Behandlungspflege sowie hauswirtschaftliche Hilfen. Hinzu kommt mit der häuslichen Betreuung ein Bereich, der die Gestaltung des Alltagslebens in den Fokus nimmt. Wer die Sachleistung nicht vollumfänglich nutzt, erhält anteilig Pflegegeld. Die aktuellen monatlichen Leistungen für häusliche Pflege im Einzelnen  :

  • Pflegegrad 2: Pflegegeld 316 Euro, Pflegesachleistung 689 Euro
  • Pflegegrad 3: Pflegegeld 545 Euro, Pflegesachleistung 1298 Euro
  • Pflegegrad 4: Pflegegeld 728 Euro, Pflegesachleistung 1612 Euro
  • Pflegegrad 5: Pflegegeld 901 Euro, Pflegesachleistung 1995 Euro

Geldleistungen für die stationäre Pflege

Viele Pflegebedürftige leben im Altenpflegeheim bzw. einer stationären Pflegeeinrichtung. Die Kosten für einen Heimplatz, die Summe aus Eigenanteil und Geldleistung vom Staat, fallen von Bundesland zu Bundesland verschieden aus. Einen Heimaufenthalt bezuschusst die Pflegekasse mit allerhöchstens 2005 Euro im Monat (Pflegegrad 5) – den Rest muss man stets selbst aufbringen. Der Eigenanteil setzt sich aus den Aufwendungen für Pflege, Betreuung, Unterkunft und Essen zusammen. Hinzu kommen Investitionskosten, die anteilig auf die Bewohner umgelegt werden. Die aktuellen monatlichen Geldleistungen in der stationären Pflege:

  • Pflegegrad 2: teilstationär 689 Euro, vollstationär 770 Euro
  • Pflegegrad 3: teilstationär 1298 Euro, vollstationär 1262 Euro
  • Pflegegrad 4: teilstationär 1612 Euro, vollstationär 1775 Euro
  • Pflegegrad 5: teilstationär 1995 Euro, vollstationär 2005 Euro

Ändert sich der Leistungsumfang der Pflegekasse über mehrere Jahre nicht – und das ist derzeit der Fall – müssen die Heimbewohner die höheren Ausgaben der Heimbetreiber mit ihrem Eigenanteil schultern. So kommt es, dass der durchschnittliche monatliche Eigenanteil in Deutschland Jahr für Jahr steigt. Schon heute sind viele ältere Pflegebedürftige an ihrer finanziellen Belastungsgrenze angelangt. Sie können ihren Part nur noch mit Mühe aus Rente, Erspartem und ggf. der Witwenrente stemmen. Gut zu wissen: Reicht das Geld nicht, können Pflegebedürftige beim Sozialamt vor Ort mit der „Hilfe zur Pflege“ Unterstützung beantragen

Pflegebedürftig und dennoch mobil

Nicht ins Heim umziehen müssen – diesen Wunsch haben viele Pflegebedürftige. Doch eine eingeschränkte Beweglichkeit macht das Leben im vertrauten Zuhause nicht leicht. Treppenstufen stellen sich alsbald als schwer zu überwindende Hindernisse heraus. Ein gebrauchter Treppenlift kann hier dauerhaft Abhilfe verschaffen  . Das Elektrogerät passt praktisch auf jede Treppe und kann ohne großen Aufwand eingebaut werden. Ein Treppenlift schenkt Unabhängigkeit und vermittelt Sicherheit. Die Anschaffung des Mobilitätshelfers ist recht kostenintensiv. Schon für die günstigsten Liftmodelle sind mehrere tausend Euro aufzuwenden.

Auch hier zahlt sich ein beantragter Pflegegrad in barer Münze aus. Bereits ab Pflegegrad 1 beteiligt sich die Pflegekasse mit einem Zuschuss von bis zu 4000 Euro pro Person an den Kosten für einen Treppenlift. Als „Maßnahme zur Verbesserung des Wohnumfeldes“ kann diese Finanzhilfe sowohl von Mietern als auch Eigentümern in Anspruch genommen werden. Nicht vergessen: Der Antrag muss vor dem Einbau gestellt werden. Die Treppenlift-Anbieter aus Bielefeld  beraten hinsichtlich dieser und weiterer Unterstützungsleistungen vom Staat.

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