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Winterreifenpflicht – Diese Regelungen gelten in Europa

In Deutschland und vielen europäischen Ländern gibt es eine gesetzliche Winterreifenpflicht. Die Vorschriften unterscheiden sich bezüglich des Zeitraums und der übrigen Rahmenbedingungen jedoch deutlich voneinander.

In Deutschland wird die Winterreifenpflicht in § 2 Abs. 3a der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt. Vorgeschrieben wird dort, dass bei winterlichen Witterungsbedingungen wie „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte“ mit Winterreifen gefahren werden muss. Einen festen Zeitraum, in dem die Winterreifenpflicht in Deutschland gilt, gibt es nicht.

Welche Reifen als Winterreifen in der Bundesrepublik zugelassen sind, ist seit dem 01. Juni 2017 in § 36 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung festgelegt. Denk des Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) können auch Laien zugelassene Winterreifen problemlos erkennen. Reifen, die mit „M+S“, „M&S“ oder „M.S.“ gekennzeichnet sind, verlieren in Deutschland ihre Zulassung als Winterreifen am 30. September 2024. Hinzukommt, dass das hohe Alter von Reifen mit diesen Symbolen oft bereits zu sprödem und rissigem Gummi geführt hat.

Winterreifenpflicht in Deutschlands Nachbarländern

In den Nachbarländern von Deutschland ist die Winterreifenpflicht hingegen teilweise deutlich strenger.

·       In Dänemark gibt es keine Winterreifenpflicht. Die Nutzung von Schneeketten und Spikereife (1. November bis 15. April auf allen Rädern) ist jedoch erlaubt.

·       Polen hat noch keine Winterreifenpflicht eingeführt. Auf schnee- oder eisbedeckten Fahrbahnen dürfen Schneeketten verwendet werden. Spikereifen sind verboten.

·       In Tschechien gibt es für Autos eine Winterreifenpflicht (1. November bis 31. März). Die Verwendung von Schneeketten ist auf schnee- oder eisbedeckten Straßen erlaubt, Spikereifen dürfen aber nicht verwendet werden.

·       In Österreich gilt für Fahrzeuge mit einem höchstzulässigen Gesamtgewicht bis zu 3,5 t eine Winterreifenpflicht (1. November bis 15. April). Alternativ dürfen bei Fahrbahn mit einer zusammenhängenden Schnee- oder Eisschicht auch Schneeketten auf mindestens zwei Antriebsrädern (Tempolimit 80 km/h) oder Spikereifen (Tempolimit 80 km/h auf Landstraßen und 100 km/h auf Autobahnen) verwendet werden.

·       In Lichtenstein gibt es keine Winterreifenpflicht. Im Gesetz sind lediglich Reifen mit einem Mindestprofil von 1,6 Millimeter vorgeschrieben.

·       Auch die Schweiz hat bisher keine Winterreifenpflicht eingeführt. Bei entsprechender Wetterlage oder Beschilderung müssen aber Schneeketten verwendet werden. Spikereifen sind bei Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen außerhalb von Autobahnen und Landstraßen ebenfalls erlaubt (1. November bis 30. April, Tempolimit von 80 km/h).

·       In Frankreich gibt es keine generelle Winterreifenpflicht. Auf einzelnen Straßen können diese aber durch eine spezielle Straßenbeschilderung vorgeschrieben werden. Dies gilt auch für Schneeketten (Tempolimit 50 km/h). Spikereifen dürfen ebenfalls zeitweise (Samstag vor 11. November bis zum letzten März-Sonntag) montiert werden, erfordern am Fahrzeug aber einen Aufkleber mit Tempolimit (90 km/h).

·       In Luxemburg gibt es bei winterlichen Bedingungen (Schnee, Frost, Glatteis) eine Winterreifenpflicht. Schneeketten sind auf schnee- oder eisbedeckten erlaubt. Spikereifen dürfen ebenfalls verwendet werden (1. November bis 31. März, Tempolimit 90 km/h auf Autobahnen und 60 km/h auf den übrigen Straßen).

·       In Belgien existiert keine gesetzliche Winterreifenpflicht. Schneeketten dürfen auf schnee- oder eisbedeckten Straßen verwendet werden. Der Einsatz von Spikereifen ist zeitweise (1. November bis 31. März) erlaubt, unterliegt aber einem Tempolimit, das durch einen Aufkleber am Heck gezeigt werden muss (90 km/h auf Autobahnen / Schnellstraßen, 60 km/h auf übrigen Straßen).

·       Die Niederlande haben keine Winterreifenpflicht. Schneeketten und Spikereifen sind generell verboten.

Winterreifen auch in der Stadt?

Bei Diskussionen um die Winterreifenpflicht sind Argumente wie „Ich bin ja nur in der Stadt unterwegs“ oder „In meiner Gegend schneit es fast nie“ seitens der Gegner keine Seltenheit. Weil sie voraussichtlich nicht im Winterwinter unterwegs sind, verzichten sie häufig auf den Reifenwechsel und fahren das gesamte Jahr über mit Sommerreifen. Laut Experten des ADAC ist dies jedoch ein Sicherheitsrisiko, weil die Gummimischung eines Sommerreifens aus anderen Bestandteilen besteht als bei einem Winterreifen.

Auch ohne Schnee und Eis kann ein Sommerreifen deshalb dazu führen, dass bei niedrigen Temperaturen der nötige Bodenkontakt verloren geht und dass das Auto unkontrollierbar über den kühlen Straßenbelag rutscht. Winterreifen bleiben hingegen auch bei niedrigeren Temperaturen elastisch und sorgen somit für eine bessere Sicherheit.

Ganzjahresreifen als Alternative zu Winterreifen?

In Deutschland werden neben speziellen Winterreifen auch von nahezu allen Herstellern Allwetterreifen oder Ganzjahresreifen angeboten, die aus Gründen der Bequemlichkeit und der Kostenersparnis häufig gekauft werden. Rein rechtlich sind diese Reifen Winterreifen gleichgestellt, wenn sie das Schneeflockensymbol tragen. Dazu müssen sie dasselbe Prüfverfahren wie herkömmliche Winterreifen erfolgreich durchlaufen.

Besonders in Regionen mit starken Wintern eignen sich Ganzjahresreifen laut Experten aber nur bedingt als Alternative für Winterreifen, weil sie sich sowohl durch die Gummimischung als auch die Profilstruktur stark voneinander unterscheiden. Winterreifen haben bei Schnee und Eis also noch immer die Nase vorn, obwohl die Fahreigenschaften von Ganzjahresreifen sich in unseren Breitengraden in den letzten Jahren stark verbessert haben.

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