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Mit Wattstunden im Winter

Auf dem E-Bike richtig durch die Kälte

Berlin/München (dpa/tmn)

Ob für den Arbeitsweg oder als Hobby: Wer überlegt, sein E-Bike im Winter zu fahren, sollte Vorkehrungen treffen. Denn die Technik braucht Pflege. Aber nicht nur das.

Von Stefan Weißenborn, dpa

Richtig ausgestattet lässt sich das Pedelec auch bequem das ganze Jahr über nutzen. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Zu den seit Langem steigenden Absatzzahlen von Pedelecs passt das Straßenbild: Oft in entsprechende Kleidung gehüllt, mit zusätzlichen Reflektorstreifen hier und da, und auch bei schlechterem Wetter sieht man sie immer öfter - die leicht dahingleitenden E-Biker.

«Nur weil die Tage kürzer und das Wetter wechselhafter wird, muss das Zweirad noch lange nicht zum Überwintern im Keller oder der Garage verstaut werden», sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE).

Doch wer «durchfährt», sein E-Bike also nicht über die kalte Jahreshälfte in die Ecke stellt, sollte sich darauf vorbereiten und einige Tipps beachten. Egal, ob man für den Arbeitsweg oder Fahrten in der Freizeit im Sattel bleibt.

Das Fahren

Rechtlich sind Pedelecs, im Alltag meist E-Bikes genannt, Fahrrädern gleichgestellt. Weil sie einen Motor haben, fahren sie sich aber anders. Vor allem in Herbst und Winter bedeutet das einen Unterschied. Die Beschleunigungskräfte sind höher. Biker sollten schon beim Anfahren vorsichtig sein, wenn durch Laub, Feuchtigkeit oder Schnee Glätte droht, rät die Stiftung Warentest.

Der Grund: Je nach Modell könnten E-Motoren zeitverzögert reagieren. Bei Glätte kann das gefährlich werden. Damit die Reifen nicht gleich beim Anfahren durchdrehen, sollte besser eine kleine Unterstützungsstufe wählen. Dass man bei widrigen Straßenverhältnissen vorsichtig und langsamer fährt, gehört zu den Selbstverständlichkeiten im Straßenverkehr. Vor allem Missgeschicken in Kurven beugt man besser durch passive Fahrweise vor. Das recht hohe Gewicht der Elektroräder birgt ein Zusatzrisiko wegzurutschen.

E-Bikes sind in der Regel mit fest zupackenden Scheibenbremsen ausgerüstet. Und diese funktionieren auch bei Kälte und Nässe sehr gut, sagt E-Bike-Experte Sascha Coccorullo vom ADAC. Die Griffigkeit, also der Reibungswiderstand zwischen Rad und Fahrbahn, sei dann meist nicht so hoch wie im Sommer. Die Reifen blockieren früher und die Sturzgefahr steigt. Daran müsse man sich also gewöhnen.

Der ADAC warnt vor Sturzgefahr auf nassem oder überfrierendem Laub sowie neuen Fahrbahnmarkierungen. Diese böten weniger Haftung als bereits viel befahrene Mittelstreifen, Randmarkierungen oder Abbiegepfeile. Bremsen und Beschleunigen kann auch hier zur Falle werden.

Die Pflege

Der Akku ist neben dem Motor das wichtigste elektronische Teil am E-Bike, das nach guter Behandlung verlangt. Grundsätzlich verringert sich bei Kälte die Reichweite, da sich der elektrische Widerstand im Akku erhöht. «Das Ladegerät gehört also auch bei Distanzen ins Gepäck, die man sonst mit einer Akkuladung schafft», sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Wenn man gewohnt ist, dass der Akku 80 Kilometer lang hält, müsse man damit rechnen, im Winter vielleicht nur 65 oder 70 Kilometer weit zu kommen. Damit die Wattstunden nicht dauerhaft verloren gehen, bewahrt man den Fahrrad-Stromspeicher vor Schäden, indem man ihn möglichst vor Kälte schützt.

Dazu zählt etwa, ihn nicht zu laden, wenn er kalt ist. Man lässt ihn also am besten erst gar nicht am Bike, sondern nimmt ihn ab und lagert ihn in der Wohnung oder einem wärmeren Keller, rät der Tüv-Verband (VdTÜV). Kühlt er doch einmal aus, würde sofortiges Laden seine Lebensdauer verkürzen, die Hersteller bei guter Handhabung mit 500 bis 1000 vollen Ladezyklen angeben. Diese können sich auch aus Teilladungen zusammensetzen. Lieber wartet man bis er sich auf etwa Zimmertemperatur aufgewärmt hat und stöpselt ihn dann erst ein. Eine Viertelstunde sollte zum Akklimatisieren genügen. Laut VdTÜV verhindern einige Systeme automatisch, dass zu kalte Akkus überhaupt geladen werden können.

Das E-Bike auch bei Eiseskälte zu nutzen, ist dagegen kein Problem. Im Betrieb erzeugen Akkus Eigenwärme, so dass niedrige Außentemperaturen ihnen während der Tour nicht schaden.Auf herbstlichen oder winterlichen Straßen kommt aber auch ans E-Bike schnell viel Dreck. Matsch und Salzreste sollten schnell mit Wasser entfernt werden, empfiehlt der ADFC. Thermoschutzhüllen, die es passend für viele gängige Akkus gibt, schützen nicht nur vor Dreck, sondern federn auch den Leistungsverlust etwas ab. Abgestellt werden sollte das Bike am besten an einem trockenen und warmen Platz.

Behandelt man Rahmen und Teile mit Rostschutzmitteln wie Sprühwachs, sollte man am E-Bike laut Filippek aufpassen, Monitore, Akkus und die Gehäuse elektronischer Komponenten dabei auszusparen. Die Kunststoffoberflächen können von manchen Mitteln angegriffen werden. Der ADAC empfiehlt zudem, mittels Kontaktspray Feuchtigkeit von elektrischen Verbindungen wie den Kontakten des Akkus fernzuhalten.

Die Beleuchtung

Im Winter ist Fahrradbeleuchtung besonders wichtig: «Zum einen ist es einen großen Teil des Tages dunkel, zum anderen hilft ein gutes Licht auch, potenziell glatte Stellen zu erkennen und Stürzen vorzubeugen», sagt Coccorullo vom ADAC. Bei vielen E-Bikes ist korrekte Beleuchtungsaustattung gegeben, so ACE-Sprecher Heinze. Die Elemente seien zwecks Energieversorgung häufig direkt mit dem Fahrakku verbunden.

Kommen Akku-Leuchten zum Einsatz, sollte man bei Kälte auf dem Zettel haben, dass sich die Leuchtdauer verkürzen kann. «Achten Sie deshalb darauf, die Akkus vorher voll aufzuladen, damit Sie nicht ohne Licht dastehen», sagt Coccorullo. Nachrüsten lassen sich auch Brems-, Fern- und Tagfahrlicht. Bei Pedelecs empfiehlt der ACE, dies am besten von einer Fachwerkstatt erledigen zu lassen.

Die Reifen

Weil Pedelecs schwerer sind als normale Fahrräder, werden sie meist mit speziellen Reifen bestückt, die Beschriftungen wie «E-Bike ready» tragen. Sie seien sinnvoll, da in der Regel auch Beschleunigungs- und Bremskräfte bei elektrifizierten Fahrrädern höher seien, sagt Thomas Geisler vom Pressedienst-Fahrrad. Im Winter, wenn diese Kräfte auch Stürze begünstigen, sind spezielle Winterreifen ratsam - wenngleich anders als am Auto keine Pflicht.

«Winterreifen sind für Menschen empfehlenswert, die auch im Winterhalbjahr regelmäßig mit dem Rad fahren», sagt ADFC-Experte Filippek. Sie bestehen aus speziellen Gummimischungen und rollen auf Lammellenprofil - beides sorge für besseren Griff auf rutschigem Untergrund, auf feuchtem Laub oder Schnee.

Nur auf Eis können auch sie wenig ausrichten. Dann können Spikes-Reifen für mehr Grip sorgen, an Fahrrad und Pedelec sind sie in Deutschland erlaubt - anders als an Autos. «Die Metallstifte geben beim Fahren auf vereisten Flächen oder auf festgefahrenem Schnee Sicherheit», so Filippek.

Bei Schmuddelwetter eines typischen deutschen Winters ist eine Anschaffung aber fraglich, weil Spikes auf eisfreien Straßen mehr Rollwiderstand haben und auf blanken Asphalt während der Fahrt beständig klackern.

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