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Unvorstellbare Schäden durch Hochwasser: Mindestens 45 Tote

Erftstadt (dpa/lnw)

Der Bundespräsident spricht von Schäden, «die unsere Vorstellungskraft übersteigen». Nach und nach wird das Ausmaß der Zerstörungen durch die Überschwemmungen deutlich. Nicht überall in Nordrein-Westfalen ist die Gefahr vorbei.

Von dpa

Autos liegen in einem ausgespültem Teil des Ortsteils Blessem. Foto: David Young/dpa

Nach der Flutkatastrophe werden in den nordrhein-westfälischen Überschwemmungsgebieten die katastrophalen Ausmaße der Schäden deutlich. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach am Samstag bei einem Besuch in dem von den Fluten besonders stark heimgesuchten Erftstadt von Schäden, «die unsere Vorstellungskraft übersteigen». Es gebe «Gemeinden, die von Verwüstung, von Zerstörung gezeichnet sind».

Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe in NRW stieg unterdessen auf 45. Das teilte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Samstagabend mit. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer gegenüber Freitag um zwei erhöht.

Der Bundespräsident hatte sich zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) über die Lage in Erftstadt informiert. Zur Stadt gehört die Ortschaft Blessem, wo es zu gewaltigen Erdrutschen gekommen war. Es bildeten sich Krater im Erdreich, drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein. Laschet sprach von einer «Jahrhundertkatastrophe». Es sei eine «nationale Aufgabe», der betroffenen Region zu helfen.

Laschet besuchte in Erftstadt eine Unterkunft für Menschen, die durch das Hochwasser obdachlos geworden sind. Oberste Priorität habe jetzt, «denen zu helfen, die ihre Wohnungen verloren haben», hatte er zuvor gesagt. In der zum Aufenthaltsraum umfunktionierten Kantine eines Gymnasiums traf der CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat mit etwa 20 Bewohnern zusammen.

An vielen Flüssen sinkt mittlerweile der Wasserstand. Die Gefahr ist aber noch nicht überall gebannt. An der Steinbachtalsperre bei Euskirchen droht trotz des sinkenden Wasserstands weiterhin ein Bruch des Staudamms. Der Damm sei «äußerst instabil», große Teile des Bauwerks seien weggebrochen, teilte die Bezirksregierung Köln am Samstag mit. Es drohe weiterhin akute Überflutungsgefahr für die Orte unterhalb der Talsperre. Weitere Evakuierungen seien geplant.

Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen. Entwarnung könne nach Angaben von Experten erst gegeben werden, wenn die Talsperre zu zwei Dritteln entleert sei. Das könnte nach vorsichtiger Schätzung am Sonntagnachmittag gegen 15.00 Uhr erreicht sein. «Bis dahin besteht daher weiterhin akute Dammbruchgefahr», warnte die Bezirksregierung.

In Wassenberg nahe der niederländischen Grenze war in der Nacht zum Samstag ein Deich der Rur gebrochen. Etwa 700 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, weil der Stadtteil Ophoven teilweise unter Wasser stand. Ein alter Deich sei seit Tagen vom Hochwasser durchweicht worden, sagte der Wassenberger Bürgermeister Marcel Maurer (CDU) dem Nachrichtenmagazin «Spiegel». Deshalb sei der Durchbruch nicht überraschend gekommen. Die Lage sei aber stabil. Auch im Süden der Niederlande, wo die Rur in die Maas fließt, kämpfen die Menschen gegen das Hochwasser.

Unterdessen liefen erste Aufräumarbeiten an. Die Bundeswehr begann damit, auf der Bundesstraße 265 bei Erftstadt die von den Fluten eingeschlossenen Fahrzeuge mit Radpanzern zu bergen. Menschen seien in den Lastwagen und Autos bisher nicht entdeckt worden, teilte die Feuerwehr der Stadt Erftstadt mit. An einer besonders tiefen Stelle wurden noch Autos geortet, die mehrere Meter tief unter Wasser liegen.

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