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Uniklinik Essen eröffnet neues OP-Zentrum für Augen und HNO

Um einen tennisballgroßen Tumor mitten aus dem Kopf durch die Nase zu entfernen, braucht es viel medizinisches Können und die richtige Technik. Hilfreich ist auch ein moderner OP-Saal. Die Uniklinik Essen hat dabei jetzt einen Sprung nach vorne gemacht.

dpa

Essen (dpa/lnw) - Fast verloren steht der Operationstisch im neuen Vorzeige-OP der Uniklinik Essen. 70 Quadratmeter misst der geräumige Saal, ausgestattet mit neuester Technik. Er befindet sich im neuen Operationszentrum für die Bereiche Augen und Hals/Nasen/Ohren (HNO), das am Dienstag offiziell eröffnet wurde. Herzstück des 63 Millionen Euro teuren Baus sind insgesamt acht digital ausgestattete OP-Säle, unter ihnen der große Saal.

Zum Einsatz kommt etwa ein Kamerasystem, das dem jeweiligen Operateur den stark vergrößerten Operationsbereich dreidimensional und in Farbe auf einem riesigen Monitor neben dem OP-Tisch zeigt. Stefan Mattheis, stellvertretender Chef der HNO-Klinik, erklärt, warum das gut ist: «Über den großen Monitor können mehrere Operateure an der OP mitwirken.» Auch sei es möglich, etwa Tumore aus verschiedenen Richtungen zu begutachten. Und man könne wegen der Vergrößerung schonend operieren, «um Nerven zu erhalten, Funktionen zu erhalten und damit am Ende auch erfolgreicher zu sein», sagt der Experte für Kopf-Hals-Chirurgie.

In dem OP lässt sich außerdem die Saal-Beleuchtung in Lichtfarbe und Intensität individuell auf die Art der OP, die Tageszeit und das jeweilige Team abstimmen. «Zum Beispiel für endoskopische Eingriffe verwenden wir blaues Hintergrundlicht, weil der Kontrast zum roten Endoskopielicht günstiger fürs Auge ist», erklärt Mattheis. Der Operateur ermüde deswegen nicht so schnell. In jedem Saal können zehn vorprogrammierte Licht-Szenarien per Touchscreen abgerufen werden.

High-Tech auch in der OP-Planung: Mit Hilfe von dreidimensionalen Aufnahmen und einer Virtual Reality-Brille kann der Operateur dem Patienten «demonstrieren, was wir operieren möchten, worum es überhaupt geht, wo wir hingehen», sagt Mattheis. Planungen könnten während der OP dann auch abgerufen werden. «Wenn ich mir zum Beispiel bei der OP einen Punkt vorgenommen habe, den ich erreichen möchte, weil da die wichtigste Stelle ist, die ich operieren möchte, dann kann ich das vorher markieren». Ein Navigationssystem zeige dies während der OP an. «Und dann kann ich zielgerichtet dorthin operieren. Das zeigt mir zum Beispiel: Noch 2,4 Millimeter bis zur Halsschlagader.»

Von den neuen OPs sind auch die Uniklinik-Chefs begeistert: Der Ärztliche Direktor Jochen A. Werner spricht vom «modernsten Stand universitätsmedizinischer Spitzenmedizin». Der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Jan Buer, betont die «Möglichkeit, im Innovations-OP der Zukunft die Chirurgie von Morgen zu praktizieren». Der Direktor der HNO-Klinik, Stephan Lang, sieht ein «neues Zeitalter der Patientenversorgung». Operiert wird in den neuen Sälen schon seit einigen Wochen.

In dem dreigeschossigen Neubau ist neben den OP-Sälen auch eine neue HNO-Ambulanz untergebracht. Die Baukosten werden aus dem 2015 gestarteten Medizinischen Modernisierungsprogramm (MedMoP) des Landes NRW finanziert. Für laufende und geplante Umbauten bestehender Gebäude der Augen- und HNO-Klinik sind weitere 28 Millionen Euro veranschlagt.

© dpa-infocom, dpa:210427-99-372763/3

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