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Stögers Rückkehr: «Keine Nostalgie-Reise»

Leverkusen (dpa/lnw)

Wiedersehen mit Trainer Stöger: Am Donnerstag kehrt der ehemalige FC- und BVB-Trainer mit Ferencvaros Budapest zurück nach Deutschland und tritt mit dem ungarischen Club in der Europa League bei Bayer Leverkusen an.

Von Holger Schmidt, dpa

Peter Stöger spricht. Foto: picture alliance / Federico Gambarini/dpa/Archivbild

Für ein Wiedersehen mit alten Freunden bleibt Peter Stöger keine Zeit. «Wir wohnen mit der Mannschaft in Köln. Aber das Programm ist durchgetaktet», sagt der frühere Bundesliga-Trainer des 1. FC Köln und von Borussia Dortmund, der am Donnerstag (18.45 Uhr/TV Now) in der Europa League mit Ferencvaros Budapest auf Bayer Leverkusen trifft. Außerdem sei es «ein Europacup-Spiel und keine Nostalgie-Reise.» Und Einschränkungen wegen Corona gibt es ja auch noch.

Dennoch ist die Partie für Stöger natürlich kein Spiel wie jedes andere. «Ich habe auf eine interessante Gruppe gehofft. Und ich habe ein bisschen auf einen deutschen Gegner gehofft. Von daher ist das ein schönes Los», sagt der 55-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur: «Dass es mir einen emotionalen Schub gegeben hat, würde ich nicht sagen. Aber es ist schon eine nette Geschichte.»

Empfangen wurde er im Rheinland am Mittwoch von Regen. «Typisch kölsches Wetter», berichtete Stöger am Abend auf der Pressekonferenz: «Auch sonst hat sich nicht viel verändert. Viel Verkehr, wie man es von Köln kennt. Alles dicht.» Ein schöner Zufall: «Ich habe es nicht ausgesucht, aber wir sind in dem Hotel abgestiegen, in dem ich damals die ersten Wochen verbracht habe», sagte Stöger.

Der Abschied in Köln im Dezember 2017 war schmerzvoll. Wie es eben so ist mit großen Lieben. Viereinhalb Jahre trainierte Stöger den FC, damit ist er Rekord-Trainer. Der Österreicher saugte den Club und die Stadt in sich auf, mischte sich nicht nur im Karneval auch mal für ein Kölsch unters Volk und war beliebt wie kaum ein Coach vor oder nach ihm. Zurückgekehrt ist er «in den letzten Jahren leider kaum noch. Nicht zuletzt wegen Corona. Aber ich habe schon noch private Kontakte nach Köln.»

Im Frühjahr schien sogar eine Rückkehr zum FC denkbar. «Ich hatte nur ein Gespräch mit dem damaligen Sportchef Horst Heldt und mit Geschäftsführer Alex Wehrle», sagt Stöger: «Es war aber schnell allen Beteiligten klar, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht gepasst hat.»

Ob er irgendwann noch einmal in Deutschland arbeiten wird, ist offen. «Wenn ich etwas spannend finde, werde ich es angehen. Das kann die deutsche Bundesliga sein, muss es aber nicht. Ich werde nichts annehmen, nur um wieder in der deutschen Bundesliga zu sein», sagt er: «Das habe ich gehabt, das war spannend, das war schön, ich hatte zwei mega Vereine. Deshalb kann es sein, dass es irgendwann mal wieder so kommt. Aber ich habe das nicht auf meiner To-do-Liste.»

Den FC verfolgt er natürlich weiter genau. Für Trainer Steffen Baumgart freue er sich, «dass er gut gestartet ist. Das erleichtert ihm die Arbeit sehr», sagt Stöger: «Sie spielen einen frischen Fußball. Das sieht gut aus.» Den BVB verfolge er «eher mit einem normalen Blick nach dem Motto: Okay, da war man mal. Mit Aki Watzke habe ich noch Kontakt, aber es ist kein permanenter und ständiger Austausch.»

Im Unfrieden ist er dort im Sommer 2018 aber nicht geschieden. Stöger erfüllte die Mission, den BVB noch in die Champions League zu führen, das Engagement war von vornherein zeitlich begrenzt. Sein Einstieg eine Woche nach dem Abschied in Köln war ungewöhnlich, doch für Stöger heute noch die richtige Entscheidung. «Ich hätte es für diesen Zeitraum und so kurz nach dem Ende der langen und intensiven Zeit in Köln wohl für keinen anderen Verein gemacht», sagt er: «Als Ösi kriegst du nur einmal im Leben eine Anfrage vom BVB. Und wenn die Leute dir das zutrauen, dann musst du das machen.»

Auch Ferencvaros sei für ihn nach der Anfrage im März relativ schnell spannend gewesen. Beim größten Club Ungarns und Meister der letzten drei Jahre erwartet man aber nicht weniger als das Double von ihm. «Das ist hier nicht anders als in Deutschland», sagt er. Das Aus in der Champions-League-Quali gegen die Young Boys Bern habe ihm aber nicht nachträglich geschadet. «Natürlich hat man von der Champions League geträumt», sagt er: «Aber man hat gewusst, dass es schon schwer wird, die Europa League zu erreichen. Von daher wird es als großer Erfolg gesehen, dass wir das gegen Slavia Prag geschafft haben.» In der Gruppe mit Bayer, Betis Sevilla und Celtic Glasgow sei sein Team «sicher kein ungefährlicher Gegner, aber doch der klare Außenseiter».

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