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SPD: Kein «Billig-Ganztag» in der Grundschule

Düsseldorf (dpa/lnw)

Von dpa

Jochen Ott (SPD) spricht während einer Sitzung des Landtags. Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule muss aus Sicht der SPD-Opposition mit verbindlichen Qualitäts- und Personalstandards unterlegt werden. Derzeit seien die Angebote lediglich «ein Provisorium», kritisierte die Vizechefin der SPD-Landtagsfraktion, Eva-Maria Voigt-Küppers, am Dienstag in Düsseldorf. Nötig sei daher ein Landesgesetz, das noch vor Weihnachten in den Landtag eingebracht werden müsse.

Bund und Länder hatten sich in der vergangenen Woche nach langem Ringen geeinigt, dass jedes Kind, das ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschult wird, in den ersten vier Schuljahren Anspruch auf einen Ganztagsplatz bekommt.

Das dürfe kein «Billig-Ganztag» mit bloßer Betreuung werden, warnte SPD-Schulexperte Jochen Ott. «Es macht Sinn, dass, wo Schule drauf steht, auch Schule drin ist.» Stattdessen setze die Landesregierung im Wesentlichen auf sogenannte Alltagshelfer statt das dringend benötigte Fachpersonal auszubilden und zu rekrutieren. Die SPD werde dazu Ende Oktober Lösungen mit Wissenschaftlern erörtern.

Die Bildungsgewerkschaft GEW schätzt, dass in NRW bis zu 200.000 zusätzliche Plätze entstehen müssten, um den Rechtsanspruch zu erfüllen. Bislang sind nach Zahlen des Schulministeriums in NRW mehr als 330.000 Schülerinnen und Schüler in offenen Ganztagsschulen und mehr als 40.000 in sogenannten gebundenen Ganztagsförderschulen - letztere mit verpflichtender Anwesenheit am Nachmittag.

Die SPD forderte, dass das Land für alle Kosten einstehe, die der Bund nicht übernimmt. «Der Ausbau des Ganztags darf nicht unter Finanzierungsvorbehalt stehen», mahnten die Sozialdemokraten. «Elternbeiträge sollen grundsätzlich entfallen.»

Jetzt seien dringend pandemiebedingte Lernlücken zu schließen. Eine große Hamburger Studie mit Drittklässlern habe deutlich erhöhte Defizite vor allem an Schulen in schwieriger sozialer Lage zutage gefördert. Solche systematischen Erhebungen fehlten für NRW, kritisierte Ott. Zur Klarheit gehöre auch, dass jede Schule ihr Soll und Haben an Lehrerstellen im Internet ausweisen sollte.

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