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Land kehrt zum Distanzunterricht zurück

Schulen in NRW machen zu - Tests nicht pünktlich ausgeliefert

Düsseldorf

Viele Kinder und Jugendliche hatten sich so sehr auf die Rückkehr in die Schulen gefreut. Doch am Donnerstag dann die kalte Dusche. Die Schulen bleiben geschlossen. Aus einem ganz besonderen Grund.

Frank Polke

Zu wenig Tests, deswegen muss jetzt das Land NRW die Schulen schließen. Foto: Julian Stratenschulte

Paukenschlag zum Ferienende: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) kündigte am Donnerstag an, dass alle Schulen im Land am Montag ihre Türen nicht öffnen werden. Das bedeutet, dass außer den Abschlussklassen alle Schülerinnen und Schüler im Distanz-Lernen unterricht werden. Diese Entscheidung gilt zunächst für die kommende Woche. Präsenzunterricht findet nur für die Jahrgänge statt, die auf einen Abschluss wie zum Beispiel das Abitur hinarbeiten.

Als Grund nannte die Ministerin zum einen das „dynamische Infektionsgeschehen“. Zum anderen ist die für Montag zugesagte landesweite Belieferung von Schnelltests für alle Schulen nicht gesichert. Nach Informationen unserer Zeitung hätte das vom Land beauftragte Logistikunternehmen insgesamt 3300 Schulen anfahren und mit Tests versorgen müssen. Dies gelingt offenbar nicht.

Schon am Mittwoch hatte das Ministerium Verzögerungen einräumen müssen. Jetzt hofft man, bis nächste Woche die Tests vor Ort ausgeliefert zu haben. Zudem stellen die bisher auf dem Markt verfügbaren Tests vor allem Grundschüler vor erhebliche Anwendungsprobleme. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte eine lückenlose Testung als Voraussetzung für eine Öffnung der Schulen genannt.

Klarheit bei Kindergärten

In Nordrhein-Westfalen galt bis zum Beginn der Osterferien ein rollierendes Wechselsystem aus Präsenz- und Distanzlernen. Dieses wird jetzt wieder gekippt – Unterricht findet online statt. Die Abiturprüfungen sollen trotz der Corona-Pandemie planmäßig am 23. ­April mit dem Fach Englisch starten.

Klarheit herrscht dagegen bei den Kindergärten: Diese starten nach dem Ende der Osterferien in den eingeschränkten Regelbetrieb. Demnach bleibt es bei der pauschal um zehn Wochenstunden reduzierten Betreuung in festen Gruppen. Familienminister Joachim Stamp (FDP) begründete das mit „der derzeit unsicheren Entwicklung des Infektionsgeschehens“.

Zudem würden Kitas und Kindertagespflege mit einem umfassenden Testangebot abgesichert.

Kommentar

Der deutsche Föderalismus hat seine historische, identitätsstiftende und wohl auch verwaltungsimmanente Berechtigung – ohne jeden Zweifel. In der aktuellen Corona-Krisenlage besteht dieser bundesstaatliche Aufbau den Stresstest aber in keiner Weise – genauso wie die Organisation der Verteilung von Schnelltests durch eine vom Land NRW beauftragte Logistikfirma.

Dies gilt für die vielstimmig verlaufenden Ministerpräsidentenrunden, die in wichtigen Entscheidungen zu oft partei- oder regionalpolitischen Interessen folgen. Fast noch schädlicher wirkt sich die Schwerfälligkeit einer Kultusministerkonferenz aus, die erst zwei Tage vor dem Ende der Osterferien zusammenfindet. Eltern, die drei Tage vor Unterrichtsstart nicht wissen, ob und wie ihre Kinder in die Schule gehen können, Schulen, die sich nicht in ausreichender Zeit auf die für alle schwierige Form des Distanzunterrichts einstellen können, Kinder und Jugendliche, die einfach eine gewisse Planungssicherheit für ihr Leben und Lernen in der kommenden Woche haben möchten – all dies scheint den Bildungsministern der Länder nicht Anlass genug, sich früher zu treffen, schneller zu entscheiden und dies dann unfallfrei umzusetzen.

Natürlich ist die Verteilung von Hunderttausenden Tests in einem 18-Millionen-Land wie NRW eine logistische Herausforderung. Aber wenn dies Discountern, Firmen und Fußballvereinen gelingt, ist die sich verzögernde Bereitstellung der Tests ein weiterer Beweis dafür, dass es um Effizienz und Geschwindigkeit von Verwaltungshandeln nicht gut bestellt ist. Die Leidtragenden im wahren Sinn des Wortes sind ab Montag Millionen von Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen, denen erneut das Recht auf Bildung, auf Teilhabe am sozialen und inhaltlichen Lernen und Leben genommen wird. Keine Kleinigkeit, liebe Schulministerin.

von Frank Polke

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