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Polizei bei Unfallverhütung mit Virtual-Reality-Brillen

Bei der Verhütung von Verkehrsunfällen schlägt die NRW-Polizei technisch neue Wege ein. Virtual-Reality-Brillen sollen das gegenseitige Verständnis im Straßenverkehr fördern, in dem sie die unterschiedlichen Perspektiven zeigen.

dpa

Eine Polizistin testet eine neue Virtual-Reality-Brille. Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf (dpa/lnw) - «Oh», sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), «der Unfall ist passiert.» Außer ihm hat am Dienstag in Düsseldorf allerdings niemand den Unfall gesehen. Die nordrhein-westfälische Polizei testet derzeit sogenannte Virtual-Reality-Brillen zur Verhütung von Verkehrsunfällen. Eine solche «Brille» hat Reul auf der Nase.

Er erlebt dabei die Situation «Toter Winkel» nacheinander aus zwei Perspektiven: Einmal aus der des Radfahrers, der von einem rechtsabbiegenden Lastwagen geschnitten wird. Das zweite Mal sitzt er als Lastwagenfahrer im Führerhaus, muss auf alle möglichen Gefahren achten und übersieht dabei den Radfahrer im toten Winkel.

Insgesamt zehn VR-Brillen im Wert von je 700 Euro hat die Polizei für zehn Pilotbehörden gekauft und zwei Filme produziert, die sie nun Verkehrsteilnehmern ab zwölf Jahren zeigen will. Weniger als 17 000 Euro habe das Projekt bislang gekostet, sagt ein Verantwortlicher.

«Jetzt fahre ich gerade im Lastwagen durch die Gegend», berichtet Reul. «Peng, ist es passiert. Ich hätte den nie gesehen.»

Mit den VR-Brillen schlage man ein neues Kapitel bei der Unfallverhütung auf und hebe die bisherigen Bemühungen auf ein «neues Level», sagt der Innenminister. Dabei liege die NRW-Polizei bundesweit vorn. «Besser einen Schreck kriegen und daraus lernen.»

Während der Gurtschlitten, ein Simulationsgerät für Aufprallunfälle, schon länger die Notwendigkeit des Sicherheitsgurtes am eigenen Körper demonstriert und die sogenannte «Torkelbrille» den Einfluss von Drogen auf die Wahrnehmung, sollen sich die Teilnehmer nun in die unterschiedlichen Perspektiven der Verkehrsteilnehmer hineinversetzen.

Die 360-Grad-Filme soll so das gegenseitige Verständnis der Verkehrsteilnehmer fördern. Die Hoffnung: Der Radfahrer wäre wohl weniger forsch in die Einmündung gefahren, wenn er gewusst hätte, wie schlecht er im Rückspiegel des Lasters zu sehen ist.

Das Pilotprojekt soll bis zum Jahresende laufen und bei Erfolg landesweit ausgedehnt werden. Zunächst nehmen folgende Polizeibehörden teil: Aachen, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Höxter, Köln, Münster, Paderborn, Rhein-Kreis-Neuss und Unna. Die nächsten Kurzfilme seien nach «Toter Winkel» schon geplant: «Der Straßenverkehrsraum aus Kindersicht» und «Ablenkung im Straßenverkehr».

© dpa-infocom, dpa:210427-99-372586/3

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