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 Flutkatastrophe 

Plötzlich ein verlassener Ort: St.-Pius-Kita in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist nicht zu retten

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Die St.-Pius-Kita in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde besonders hart von der Flutkatastrophe getroffen: Das Gebäude ist nicht zu retten und wird abgerissen. Die Kinder kamen dennoch am Montag aus den Kita-Ferien zurück – einem Provisorium sei dank.

Von Gunnar A. Pier

Die Tür steht noch, die Wand ist weg: Die Kita St. Pius in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde durch das Hochwasser komplett zerstört. „Ein richtiger Lost Place“, kommentiert Pastoralreferent Markus Hartmann erschüttert. Foto: Gunnar A. Pier

Markus Hartmann hat schon viel gesehen, seit am 14. Juli 2021 die Flut seine Heimat heimgesucht hat. Aber jetzt stapft er trotzdem kopfschüttelnd durch das Gebäude der Kita St. Pius. „Ein richtiger Lost Place“, sagt der Pastoralreferent erschüttert, ein „verlassener Ort“. Tatsächlich wird niemals Leben zurückkehren in diese Mauern: Das Gebäude wird abgerissen. Es hat die Flutkatastrophe nicht überstanden.

Die Kita St. Pius steht gleich hinter der gleichnamigen Pfarrkirche, die am 23. März 1969 genau auf der Grenze zwischen den Ortsteilen Bad Neuenahr und Ahrweiler eingesegnet wurde. Bis zum Fluss Ahr sind es nur etwa 200 Meter. Diese Nähe wurde dem Pfarrzentrum zum Verhängnis, als die Flutwelle durch das sonst so beschauliche Tal rauschte. Die mannshohen Wassermassen drangen in der Nacht in alle Gebäude ein. Scheiben barsten, die komplette Außenwand eines Gruppenraums wurde eingedrückt, das Fundament unterspült.

Einrichtung mit 80 Plätzen

Alles versank in den Fluten, zurück blieb eine knöchelhohe Schlammschicht zwischen den farbig gestrichenen Wänden. Schlamm, von dem niemand weiß, was in ihm steckt. Welche Giftstoffe etwa hatte das Wasser schon aufgenommen auf seinem zerstörerischen Weg durch Häuser, Keller, Fabriken, Autos . . . ?

80 Plätze bot die Einrichtung der bistumseigenen Kita gGmbH bis zu jenem Schicksalstag Mitte Juli. Die Kinder hätten sich auch ohne die Katastrophe ein paar Tage später in die Sommerferien verabschiedet. Aber am gestriegen Montag sollte es wieder losgehen. An eine Rückkehr ins angestammte Gebäude war nicht zu denken, es ist einsturzgefährdet. „Lebensgefahr“ steht am verschlossenen Gartentörchen. Vor dem Gebäude liegt das Mobiliar als großer Sperrmüllhaufen. Auch innen stapelt sich in einigen Räumen noch der Möbelmüll. Alles ist schlammig. Ein jämmerliches Bild.

Die Verantwortlichen aber haben sich schnell um ein Provisorium bemüht. Und so konnten zumindest für 50 Kinder Plätze geschaffen werden im Nebenraum einer alten Schule im acht Autokilometer entfernten Leimersdorf. Eine weitere Gruppe soll an einem anderen Ort unterkommen. Doch es fehlt noch viel Material.

Wie es am ursprünglichen Standort weiter geht, ist derweil noch ungewiss. Für die Kirche und den Glockenturm gibt es nach bisherigen Erkenntnissen Hoffnung. Kita, Pfarrhaus und Pfarrheim aber müssen abgerissen werden. Neubau? „In der Stadt fehlen 180 Kita-Plätze“, erklärt Pastoralreferent Markus Hartmann. Wenn eh neu gebaut werden muss, sei es vermutlich sinnvoll, auch das im Blick zu haben und über Größe und Standort neu nachzudenken.

Spendenaktion

Die Kita St.-Pius-Kita in Ahrweiler ist eine der Einrichtungen, für die unsere Zeitungsgruppe Spenden sammelt. Die Kita-Kinder müssen sich vorerst mit einem Provisorium begnügen. Ähnlich sieht es in der Kita in Dernau aus – das zweite Projekt unserer Spendenaktion, bei der bereits weit über 400.000 Euro zusammengekommen sind.

Spendenkonto bei der Sparkasse Münsterland Ost
Empfänger: ZGM
IBAN DE43 4005 0150 0000 0088 88

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