1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Nrw
  4. >
  5. Mordopfer starb nach Schlägen: Zeugin sagt unter Tränen aus

  6. >

Kriminalität

Mordopfer starb nach Schlägen: Zeugin sagt unter Tränen aus

Über 20 Jahre konnte eine Leiche nicht identifiziert werden. Jetzt muss sich ein Mann wegen Mordes verantworten. Ein Gerichtsmediziner schildert nun im Prozess, woran das Opfer starb.

dpa

Landgericht Aachen. Foto: Oliver Berg

Aachen (dpa/lnw) - Tödliche Schläge auf den Kopf, vermutlich mit einem Hammer: Im Aachener Prozess um einen Mord vor fast 25 Jahren hat am Mittwoch ein Rechtsmediziner die Verletzungen des getöteten Mannes analysiert. Er sei unter anderem an Kopf, Schulter, Händen und an den Beinen verletzt worden, sagte der Mediziner, der auch seinerzeit an der Obduktion der Leiche beteiligt war. Insgesamt 17 Wunden am Kopf des Toten wurden gezählt. In dem Prozess ist ein 51-jähriger Mann wegen Mordes angeklagt. Er soll 1996 zusammen mit einem Komplizen den Wohnmobilhändler in Würselen bei Aachen grausam und aus Habgier getötet haben. Der Angeklagte schweigt bislang.

Unter Tränen sagte eine Zeugin aus. Die blonde Frau berichtete, seinerzeit habe sie detailliert von ihrem Ex-Mann gehört, dass dessen Bruder mit einem Komplizen einen Mann umgebracht habe: Dass mit einem Hammer auf das Opfer eingeschlagen wurde und, als der Mann nicht starb, der angeklagte Deutsche einen Strick genommen habe, um den Mann zu töten. Immer wieder habe ihr Ex-Mann den inzwischen gestorbenen Bruder gedrängt, sich zu stellen.

«Wie soll man das glauben, wenn es keinen Toten gibt?», schilderte die Frau ihre Reaktion. Erst durch einen Beitrag in der Fahndungssendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» habe sie den geschilderten Hergang geglaubt. Der Ex-Mann der Frau hatte den entscheidenden Hinweis auf die Identität des Mordopfers und auf den Angeklagten gegeben.

Immer wieder habe ihr damaliger Mann von dem Geständnis seines später gestorbenen Bruders erzählt, sagte die 56-jährige Angestellte. «Ich wollte es nicht wahrhaben», sagte die Frau. Es sei in der Zeit auch nie über einen Toten berichtet worden. Wie könne man zur Polizei gehen, wenn es keinen Toten gebe.

Mit dem heute 51 Jahre alten Angeklagten hatte die Frau seinerzeit ein kurzes Verhältnis. Sie habe ihn nach der Gewalttat gefragt, doch er habe das abgewehrt. Der Tote war im Dezember 1996 mehr als 100 Kilometer von Aachen entfernt in einem Wäldchen am Niederrhein gefunden worden - über 20 Jahre war er nicht identifiziert.

© dpa-infocom, dpa:210427-99-375937/4

Startseite