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Laumann: Bald nur noch infizierte Schulkinder in Quarantäne

Düsseldorf (dpa/lnw)

Wie schützt man Kinder und nimmt ihnen gleichzeitig nicht die Chance auf Bildung? Die Quarantäne-Regeln an Schulen bewegen viele Familien - und auch den Landtag in einer Sondersitzung am Donnerstag. Die Regierung will bald weniger Schüler in Quarantäne schicken.

Von dpa

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist sich nach eigenen Worten sicher, dass man «bald dazu übergehen kann», nur noch infizierte Schulkinder in Quarantäne zu schicken. Das Testkonzept und die Einhaltung der Hygieneregeln mache dies möglich, sagte Laumann am Donnerstag in einer Sondersitzung des Landtags. SPD und Grüne sprachen unterdessen von einem Quarantäne-«Chaos».

Am Mittwoch hatte bereits Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf eine bundesweite Lockerung der Quarantäne-Regeln an Schulen gedrängt. Ihr Wunsch sei es, dass künftig nur noch nachweislich mit Corona infizierte Schülerinnen und Schüler in häusliche Quarantäne gehen sollten. Sie hoffe auf einen entsprechenden Beschluss bei den laufenden Bund-Länder-Gesprächen.

Derzeit sollen laut Verordnung in NRW bei einem Corona-Fall Schüler in Quarantäne, die vor, hinter, rechts oder links von einem Infizierten gesessen haben. Oft wird aber von den Behörden eine 14-tägige Quarantäne für ganze Gruppen oder Klassen angeordnet.

SPD und Grüne sprachen in der Sondersitzung von einem Quarantäne-«Chaos». SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty warf Laumann eine «Märchenstunde» und Verharmlosung der Corona-Gefahren für Kinder vor. Kutschaty forderte erneut fünf statt 14 Tage Quarantäne mit der Möglichkeit der Freitestung. Auch Grünen-Fraktionschefin Josefine Paul forderte eine Verkürzung der Quarantäne und schnellere Freitestmöglichkeiten. Die von Gebauer angekündigten Quarantäne-Regelungen seien dagegen «schlicht nicht alltagstauglich».

Für die AfD warf der Abgeordnete Helmut Seifen der Landesregierung und der Opposition «Pandemie-Panikmache» vor. Die «unselige Testerei» an Schulen müsse beendet werden und Masken aus den Schulen verschwinden. Die Zahl der Covid-19-Erkrankungen rechtfertige keine der Maßnahmen, so Seifen.

Laumann warnte unterdessen vor einer «Pandemie der Ungeimpften». 86 Prozent der Covid-19-Patienten mit schweren Verläufen in den NRW-Krankenhäusern seien nicht gegen das Coronavirus geimpft, sagte Laumann. Er rief die Menschen dazu auf, sich impfen zu lassen. Jede Impfung bringe die Gesellschaft mehr in Richtung eines normalen Lebens und verhindere schwere Verläufe in den Kliniken. «Nutzen Sie schlicht und ergreifend die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.»

Derzeit lägen fast 400 Covid-Patienten auf den Intensivstationen in NRW. Die schweren Verläufe beträfen zunehmend jüngere Menschen zwischen 19 und 50 Jahren, sagte Laumann. Er forderte von allen Menschen «Disziplin und Solidarität». Man befinde sich in einem Langstreckenlauf.

Die Sondersitzung des Landtags hatte die SPD beantragt. Sie wollte über die besonders hohen Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen diskutieren und hatte in ihrem Antrag vor einem «Kontrollverlust» gewarnt.

Im Landtag tagten die Politiker das erste Mal wieder ohne Kabinen an ihren Plätzen. Die mobilen Acrylkabinen waren im vergangenen Juni wegen der Pandemie aufgestellt worden. Mit Verweis auf «die steigende Impfquote, das frühzeitige Impfangebot an die Mitglieder des Landtags und ein kontrollierbares Infektionsgeschehen» hatte der Krisenstab Pandemie beschlossen, dass die Kabinen wieder wegkommen.

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