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Gestohlene Gläser nach über 20 Jahren zurück in Düsseldorf

Düsseldorf (dpa/lnw)

Vor mehr als 20 Jahren haben Diebe mehrere wertvolle Gläser aus einem Düsseldorfer Museum gestohlen. Sechs davon sind nun wieder zurück im Kunstpalast. Doch aufgeklärt ist der Fall damit nicht.

Von Mona Wenisch, dpa

Ein wiedergefundener Becher mit Reichsadler und Nürnberger Stadtwappen. Foto: Malte Krudewig/dpa

Verzierte Gläser, kunstvolle Krüge: Das ist jeden Morgen einer der ersten Anblicke für Dedo von Kerssenbrock-Krosigk. In seinem Spind im Glasmuseum Hentrich hängt seit vielen Jahren ein Foto der Polizei, das die wertvollen gestohlenen Gläser zeigt, wie der Leiter des Glasmuseums am Montag sagte. Umso mehr freue es ihn, sechs dieser Gläser nun auch selbst einmal in den Händen zu halten. Die Objekte wurden vor mehr als 20 Jahren aus dem damaligen Düsseldorfer Kunstmuseum gestohlen - und im Juli wieder zurück nach Düsseldorf gebracht.

Es ist eine Geschichte mit allen Komponenten für einen guten Thriller: ein unauffälliger Diebstahl, Erpressung und eine gestellte Übergabe mit Lockvögeln. Vor mehr als 21 Jahren wurden 14 wertvolle Glasobjekte aus dem damaligen Düsseldorfer Kunstmuseum gestohlen. Ohne großes Aufsehen zu erregen, gelangten die Diebe zu den Vitrinen, nahmen die Kunstobjekte mit und entwischten vermutlich durch eine Garderobe nach draußen.

Am 10. Februar 2000 wurde der Diebstahl entdeckt - weil der damalige Leiter des Museums einen Mitarbeiter gebeten habe, etwas aus der Vitrine zu holen, so erzählte es Dedo von Kerssenbrock-Krosigk am Montag.

Dass nun sechs der gestohlenen Gläser wieder in Düsseldorf sind, hat mit jahrelanger Polizeiarbeit und auch ein wenig mit Glück zu tun. Anfang 2020 meldet sich ein Mann aus Italien bei von Kerssenbrock-Krosigk, dem jetzigen Leiter des Glasmuseums Hentrich. Er habe ihm gesagt, dass er einige der gestohlenen Objekte besitze und Forderungen für deren Rückkauf gestellt.

Der Ton sei rasch aggressiv geworden, sagte Kriminalhauptkommissar Dirk Sybertz, Leiter der Ermittlungskommission. «Es war schnell klar, dass es sich um eine Erpressung handelte.» Der Polizist briefte den Leiter des Kunstmuseums, wie er sich bei den Telefonaten verhalten sollte. Es folgte eine Zitterpartie: «Zwischendrin war monatelange Funkstille», sagte Sybertz. «Das hing die ganze Zeit an einem seidenen Faden.»

Nach «wochenlangen Telefonverhandlungen» kommt es schließlich zur gestellten Übergabe in Alba, einem kleinen Ort südlich von Turin in Italien. Ein befreundeter Auktionator sei als Lockvogel mitgefahren und habe sich in einem Hotel mit einem deutschen Paar getroffen, sagte von Kerssenbrock-Krosigk. Gemeinsam mit den italienischen Kollegen sei dann der Zugriff erfolgt - und das Paar sei festgenommen worden.

Während die Frau kurze Zeit später wieder freigelassen wurde, sei der Mann zunächst in U-Haft gekommen, sagte Sybertz am Montag. Mittlerweile sei er aber entlassen worden und warte auf seine Hauptverhandlung in Italien. Bei einer Verurteilung erwarte den Mann demnach eine mehrjährige Freiheitsstrafe.

Wer die insgesamt vierzehn Objekte damals aus dem Museum gestohlen hat und wie sie schließlich bei dem deutschen Paar in Italien landeten, bleibt aber ein Rätsel. «Wir können nicht lückenlos die Kette vom Einbruch bis zur Übergabe in Alba überprüfen», sagte Sybertz.

Die wertvollen Gläser hätten die Reise relativ gut überstanden, einige Dellen hätten sie aber davongetragen. Auch ein Deckel und eine Verzierung an einem Glas fehlten. Der genaue Wert der Gläser lasse sich nur schwer bestimmen, sagte von Kerssenbrock-Krosigk. Das wertvollste Objekt, ein Rippenkrug aus Achatglas, liege etwa im «sechsstelligen Bereich».

Wenn das Glasmuseum Hentrich Ende 2022 wieder öffnet, sollen auch die sechs Gläser wieder zu sehen sein. Zwei weitere Gläser aus dem Diebstahl waren dem Museum bereits 2004 von einem Wiener Kunsthändler zurückgegeben worden. Sechs Objekte fehlen allerdings immer noch.

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