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Gerardo Seoane: Bayer ausgecoacht, nun selbst der Chef

Leverkusen (dpa/lnw)

Im März wirft er Leverkusen mit den Young Boys Bern überraschend aus der Europa League, nun ist Gerardo Seoane selbst Chefcoach bei der Werkself. Und der Coup gegen Bayer im Frühjahr hat dabei durchaus eine Rolle gespielt.

Von Holger Schmidt, dpa

Trainer Gerardo Seoane (3.v.r.) leitet sein Training. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

So richtig viel über sich verraten wollte Gerardo Seoane bei seiner Vorstellung nicht. Die Aussprache seines spanisch-stämmigen Namens erklärte der neue Trainer von Bayer Leverkusen geduldig. «Seoann» sei nahe dran, «das E noch mehr betonen, dann ist es richtig.» Der Frage, was man unbedingt über ihn wissen müsse, ging der Schweizer aber aus dem Weg. «Es gibt sicher einige Dinge, die man gerne über mich wüsste», sagte er und fügte lächelnd an: «Die gebe ich aber nicht preis.»

Seoane ist kein Selbstdarsteller, kein Mann für die Show, sondern ein gewissenhafter Arbeiter. Für die meisten in Deutschland ist der 42-Jährige ein noch recht unbeschriebenes Blatt. Im Frühjahr tauchte er bundesweit erstmals in der Öffentlichkeit auf, als er Bayer auscoachte und aus der Europa League warf und gleichzeitig als Trainerkandidat bei Borussia Mönchengladbach galt.

Dass er nach drei Meistertiteln mit Young Boys Bern in drei Jahren in der Bundesliga landete, aber in Leverkusen und nicht in Gladbach, hat nicht zuletzt mit den beiden Siegen (4:3, 2:0) mit Bern im März gegen Bayer zu tun. «Dass er sehr gute Arbeit macht, ist nicht erst seit März bekannt», sagte Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes: «Aber in diesen beiden Spielen hat er sehr clever gegen uns gespielt, mit einer veränderten Spielweise zu der in der Schweizer Liga. Das hat gezeigt, dass er in den richtigen Momenten die richtige Art und Weise findet, eine Mannschaft einzustellen. Und solche Flexibilität wollen wir haben.»

Die damals erfolgreiche Analyse ist nach Seoanes Auffassung auch für seine jetzige Arbeit nützlich. «Es gibt gewisse Punkte aus der damaligen Analyse, die uns heute helfen, die Mannschaft weiterzubringen», sagte der gebürtige Luzerner. Allerdings habe sich die damals noch von Peter Bosz trainierte Mannschaft schon unter dessen Interimsnachfolger Hannes Wolf durchaus verändert.

Einen lang ersehnten Titel für Bayer wollte Seoane aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht als Ziel ausgeben. «In Bern hatten wir die momentan stärkste Mannschaft der Schweiz zu Verfügung. Hier ist die Konstellation ein bisschen anders», sagte er: «Ich möchte mich nicht auf Resultatsziele festlegen. Erstes Ziel ist es, der Mannschaft ein Gesicht zu geben. Nicht nur fußballerisch, sondern vom gesamten Auftreten her.»

Dafür müsse der Verein, der bisher noch keinen Neuzugang verpflichtete, «noch die ein oder andere Komponente dazu holen.» Neben Spielern, die zu Seoanes offensivem Ansatz passen, sollten einige nach dem Karriereende der Ex-Nationalspieler Lars und Sven Bender (32) Führungsqualitäten haben. «Ich erwarte aber auch, dass einige Spieler den nächsten Schritt machen», sagte Seoane. Er werde zudem «dem ein oder anderen in individuellen Gesprächen mehr Verantwortung geben.»

Wissenswertes hätte es übrigens genug gegeben über Seoane: Dass er neben dem Schweizer Bürgerrecht auch die spanische Staatsangehörigkeit besitzt zum Beispiel. Dass er sechs Sprachen spricht. Dass er Ottmar Hitzfeld mal als «Vorbild» und Jürgen Klopp als «inspirierend» bezeichnete. Und dass er Mitgründer der App «Plan&Play» ist, die Trainern bei der Gestaltung der Trainingseinheiten helfen soll. Doch solche Dinge müssen die Fans nach und nach rausfinden. Seoane will erst Taten sprechen lassen.

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