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Gesundheit

Fast so viele Corona-Intensivpatienten wie Ende Dezember

In den Krankenhäusern müssen viele Corona-Patienten behandelt werden. Auch in NRW müssen Kliniken deshalb einen Teil ihrer planbaren Operationen bereits verschieben. Während einige Intensivmediziner eindringlich zum Handeln mahnen, warnen andere vor Alarmismus.

dpa

Intensivpflegerinnen versorgen auf einer Intensivstation einen an Covid-19 erkrankten Patienten. Foto: Ole Spata

Düsseldorf/Berlin/Moers (dpa/lnw) - Die Belegung der Intensivstationen in Nordrhein-Westfalen mit Corona-Patienten nähert sich weiter dem bisherigen Höchststand in der Pandemie an. Nach dem Überblick der Landesregierung zur Corona-Lage werden mit Stand Mittwoch landesweit aktuell 1043 Covid-19-Erkrankte auf den Intensivstationen behandelt. Das sind 10 mehr als am Dienstag und 42 mehr als am Montag. Der bisherige Höchststand in der Pandemie lag landesweit bei 1165 Intensivpatienten Ende Dezember. In Köln war der bisherige Höchststand schon vor gut einer Woche überschritten worden.

Die Zahl der freien Intensivbetten mit Beatmungstechnik sank zugleich deutlich in Nordrhein-Westfalen gegenüber Dienstag um 59 auf 466. Schon in der vergangenen Woche hatte diese Zahl zeitweise unter der Marke von 500 gelegen. Krankenhäuser verweisen immer wieder darauf, dass sie auch ausreichend Personal zur Verfügung haben müssen für die Behandlung der schwer erkrankten Corona-Patienten. Deshalb nutzt zum Beispiel das Uniklinikum Düsseldorf fünf seiner 28 OP-Säle bis auf Weiteres nicht mehr. Die Gesamtzahl aller Corona-Patienten in den Krankenhäusern von NRW ging in Tagesfrist um 33 auf 3842 zurück. Der bisherige Höchststand in der Pandemie war Ende Dezember mit gut 6000.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt angesichts hoher Zahlen an Corona-Intensivpatienten auf deutschen Intensivstationen vor Engpässen bei der Versorgung anderer Patienten. «Wenn sich die Infektionslage in den nächsten Wochen nicht entspannt, werden viele Kliniken an den Punkt kommen, dass sie Operationen nicht nur um ein paar Wochen, sondern um Monate verschieben müssen», sagte Hauptgeschäftsführer Gerald Gaß den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). 90 Prozent der Kliniken stellten mehr als 10 Prozent der Eingriffe zurück, 50 Prozent sogar mehr als 20 Prozent. Bei einzelnen Eingriffen, zum Beispiel beim Hüftgelenksersatz, würden im Schnitt schon wieder 40 Prozent abgesagt. «Je länger die dritte Pandemiewelle dauert, desto massiver werden die Engpässe bei planbaren Eingriffen.»

Ähnlich äußerte sich die Deutsche Krebsgesellschaft. «Wenn sich die Infektionslage weiter verschärft, werden die Wartezeiten auf planbare Operationen in den kommenden Wochen noch deutlich zunehmen», sagte Präsident Thomas Seufferlein den Funke-Zeitungen. «Ich möchte nicht von Triage sprechen, aber viele Kliniken müssen jetzt priorisieren.» Krebspatienten, deren Zustand medizinisch stabil sei, müssten jetzt häufig zwei oder drei Wochen länger auf einen Eingriff warten. Bei einigen Tumorerkrankungen könne das zu Verschlechterungen führen. In jedem Fall sei eine solche Verzögerung psychisch belastend für Patienten, die gerade eine Krebsdiagnose bekommen hätten, betont er.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warb am Mittwoch in der Schlussberatung des Gesetzes für eine Bundes-Notbremse im Bundestag für weniger Kontakte als Voraussetzung für die Rettung von Menschenleben in der dritten Corona-Welle. 5000 Menschen lägen bundesweit derzeit mit Covid-19 auf den Intensivstationen - «Tendenz weiter steigend, bei sinkendem Alter der Patienten». Jeder dritte Covid-19-Patient in den Kliniken sterbe – nicht nur auf den Intensivstationen. Patienten müssten in der dramatischen Lage in den Kliniken bereits verlegt, Nicht-Covid-Behandlungen verschoben werden.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) bekräftigte, dass in vielen Kliniken nur noch zehn Prozent der Intensivbetten frei seien, oft also nur ein Bett. «Wenn wir deutlich über 6000 Covid-Intensivpatienten kommen, ist im gesamten Krankenhaus nur noch Krisenmedizin möglich», sagte Präsident Gernot Marx den «Funke»-Zeitungen.

Andere Mediziner warnen hingegen vor Alarmismus. «Wir sind und waren zu keiner Zeit am Rande unserer Kapazitäten», sagte Thomas Hermann Voshaar, Chefarzt der Lungenklinik Bethanien Moers, der «Bild» (Mittwoch). Der Alarmismus der Divi sei unverantwortlich und unverhältnismäßig. Er sei durch tatsächliche Zahlen nicht gestützt. «Nicht mal ein Viertel der 22 000 Intensivbetten in Deutschland sind mit Covid-19-Patienten belegt.»

© dpa-infocom, dpa:210421-99-292741/3

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