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Der Alltag soll zurückkehren

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Aufatmen beim Team der St.-Hildegard-Kita in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Seit Dienstag kommen wieder die ersten Kinder. Ein Neustart nach der katastrophalen Flut am 14. Juli 2021. Doch die Räume am Ahr-Ufer sind zerstört, deshalb wurde eine provisorische Kita in einem anderen Ort eingerichtet.

Von Gunnar A. Pier

Die Lage direkt an der Ahr galt mal als malerisch – doch am 14. Juli 2021 zerstörte die Flutwelle das Gebäude der St.-Hildegard-Kita in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Schlamm und Dreck auch nach den Aufräumarbeiten: Das Gebäude der Kita wird nun entkernt und dann auf Standfestigkeit untersucht. Foto: Gunnar A. Pier

Die St.-Hildegard-Kita in Bad Neuenahr-Ahrweiler liegt malerisch direkt am Ufer der Ahr. Ein Bungalow-Gebäude, dahinter ein schmaler Weg, Bäume, Böschung, Fluss. Doch am 14. Juli 2021 wurde genau das der integrativen Einrichtung zum Verhängnis: Als die Jahrhundertflutwelle durchs Ahrtal rauschte, hat sie auch diese Einrichtung zerstört. Inzwischen wird an der Zukunft gearbeitet – aber Vieles ist noch ungewiss. St. Hildegard ist eine der Einrichtungen, für die unsere Leser spenden.

„Wir sind gerade dabei, die Kita zu entkernen“, berichtet Richard Stahl, Geschäftsführer des Trägers Caritas Ahrweiler. Wenn Estrich, Putz und andere Verkleidungen raus sind, muss das Mauerwerk richtig durchtrocknen. „Das wird auch noch ein paar Wochen dauern“, vermutet Stahl – obwohl das Hochwasser bereits rund sieben Wochen zurückliegt. Wenn die Feuchtigkeit raus ist, sollen Experten beurteilen, ob das Gebäude gerettet werden kann.

Messebauer ziehen Provisorium hoch

Die pädagogische Arbeit der Einrichtung, die vor der Katastrophe rund 60 Kinder aus dem gesamten Kreis Ahrweiler in fünf Gruppen besucht haben, läuft derweil langsam wieder an. Am Dienstag starteten die ersten drei Gruppen in einem Provisorium, das in einem Dorfgemeinschaftshaus im zehn Autokilometer entfernten Örtchen Birresdorf eingerichtet wird. „Es ist schön, wieder den Alltag zu haben und unsere Kinder begrüßen zu können“, berichtet die stellvertretende Leitung Carina Kačavenda merklich erleichtert. Los ging es mit der inklusiven U3-Gruppe und zwei heilpädagogischen Gruppen mit knapp 20 mehrfach geistig oder körperlich eingeschränkten Kindern. Nach und nach werden jene Messebauer, die schon die provisorische St.-Pius-Kita im benachbarten Leimersdorf eingerichtet haben, weitere Wände einziehen, damit auch die beiden integrativen Gruppen der Caritas-Kita wieder an den Start gehen können.

Flut hat psychische Folgen

„Das ist hier nicht richtig barrierefrei“, sagt Richard Stahl – bezeichnet das aber als „Klagen auf hohem Niveau“. Für ihn überwiegt die Erleichterung darüber, dass so schnell eine Ausweichlösung gefunden wurde. Dahinter steckt viel Mühe, erzählt Carina Kačavenda. Beispiel Mobiliar: Das lässt sich nicht über Nacht kaufen. Also war die Kita beim Interieur auf Spenden und Leihgaben anderer Einrichtungen angewiesen. Und das, wo doch ihre Einrichtung auf spezielle Möbel angewiesen ist: „Unsere Kinder können nicht auf normalen Stühlen sitzen.“

Die größte Herausforderung der kommenden Zeit sei es nun, mit den psychischen Folgen der Katastrophe klarzukommen, ist Caritas-Geschäftsführer Stahl sicher. Denn nicht nur Kinder litten noch immer unter den traumatischen Erlebnissen der Nacht, sondern auch viele Erzieherinnen. „Viele sind betroffen, aber es geht allen gut“, sagt Carina Kačavenda. Und so werden wohl alle wieder in die Kita kommen – bis auf zwei Kinder, die inzwischen mit ihren Familien weggezogen sind. Weit weg von der Ahr.

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