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Denkzettel, Podolski-Vorwurf: Erleichterung beim 1. FC Köln

Köln (dpa)

Die erste digitale Mitgliederversammlung des 1. FC Köln dauert bis tief in die Nacht. Wirklich gestärkt geht der Vorstand um Werner Wolf daraus nicht hervor. Doch die signalhafte Ablehnung von Vize Carsten Wettich bleibt dem Gremium erspart.

Von Holger Schmidt, dpa

Carsten Wettich spricht. Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild

Der Denkzettel war erkennbar, die Erleichterung fast zwei Stunden nach Mitternacht dennoch deutlich. Präsident Werner Wolf vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln wartete die Verlesung des Ergebnisses gar nicht erst ab, sondern umarmte seinen nun offiziell bestätigten Vize Carsten Wettich. Der 41 Jahre alte Wirtschaftsanwalt war 18 Monate nach seinem Einstieg in den Vorstand durch die seither erste und digital abgehaltene Mitgliederversammlung im Amt bestätigt worden. Von den rund 2000 stimmberechtigten Mitgliedern, die zu dieser nachtschlafenden Zeit noch vor ihren Bildschirmen ausharrten, votierten 69,5 Prozent für ihn. Mehr als befürchtet, weniger als erhofft - so würde wohl das Urteil seiner Vorstandskollegen lauten.

Die Abstimmung über Wettich war mehr als nur eine Personalie. Sie galt nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen und Monate als Abstimmung über die gesamte in die Kritik geratene Führungscrew. Entlastet wurde diese auch nur mit 66,07 Prozent. Wettich hatte mit einer inhaltlich guten Rede gepunktet, die er allerdings übernervös und mit Versprechern wie «sportlich haben wir gerade noch den Abstieg geschafft» vorgetragen hatte.

Auch Geschäftsführer Alexander Wehrle wurde einige Male gefragt, ob er Konsequenzen aus Fehlern ziehen und zurücktreten werde. Im Gegenzug wurde er aber auch mehrfach ausdrücklich gelobt und gebeten, noch lange im Verein zu bleiben. Das versprach der 46-Jährige. «Ich hinterlege hier: Ich werde weder zum VfB Stuttgart wechseln, noch werde ich Nachfolger von Christian Seifert bei der Deutschen Fußball Liga», sagte Wehrle, der seit Januar 2013 Finanzchef in Köln ist und einen Vertrag bis 2023 hat. Er war sowohl beim Stuttgarter Ligarivalen als auch bei der DFL gehandelt worden.

Wolf hatte sich direkt zu Beginn bei den FC-Mitgliedern entschuldigt. «Wir haben Fehler gemacht, die ich zutiefst bedauere. Ich bitte Euch als Präsident um Verzeihung und um Entschuldigung. Es tut mir leid», sagte er. Die Kommunikation sei «nicht so gewesen, wie wir es uns vornehmen und wie es präsidialen Ansprüchen genügt». Auch Mitgliederratschef Ho-Yeong Kim warf dem Vorstand vor, «einfach zu wenig zu kommunizieren».

Wolf stellte einen «Matchplan» vor, mit dem sich der FC unter den Top 10 in Deutschland etablieren wolle. Dazu gehört unter anderem ein großes Augenmerk auf den japanischen Markt. Den Einstieg eines Investors lehnt der FC weiter ab. Der Verein will mit den Mitgliedern aber in einen Dialog über strategische Partner treten.

Während der Sitzung dementierte übrigens der frühere Weltmeister Lukas Podolski eine Aussage von Wolf. «Während der Mitgliederversammlung des FC wurde erklärt, dass ich a.) in der kommenden Saison nicht zum FC zurückkehren werde, aber man b.) mit mir in einem guten Dialog sei», twitterte Podolski. «a.) kann ich bestätigen, b.) nicht. Der Vorstand des 1. FC Köln steht und stand mit mir nicht in Kontakt.» Wolf erklärte auf Nachfrage: «Ich habe die Aussage getätigt, dass Lukas mit dem 1. FC Köln in einem permanenten Austausch steht. Das tut er mit Alexander Wehrle fast ein- bis zweimal die Woche. Da Herr Wehrle mich darüber informiert, weiß ich, wie eng der Austausch ist.»

Klarheit herrschte darüber, dass die digitale Mitgliederversammlung sich nicht bewährt hat, obwohl es keine technischen Probleme gab. «Das ist kein Modell für die Zukunft», sagte Wettich. Höchstens ein Hybrid-Format als Mischung aus Präsenz- und Onlineveranstaltung sei nach der Corona-Pandemie denkbar. Wolf hatte schon nach zähem Beginn mit viel Leerlauf in den ersten zwei Stunden erkannt: «Demokratie ist anstrengend. Aber am Ende lohnt es sich.»

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