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Autozulieferer Hella geht in französische Hände

Lippstadt/Nanterre (dpa)

Mit der Übernahme des deutschen Lichtspezialisten Hella schließt der französische Zulieferer Faurecia zu Continental, ZF oder Bosch auf. Es entsteht der siebtgrößte Autozulieferer der Welt. Größe ist bei den Umbrüchen in der Branche wichtig.

Von dpa

Das Logo des Unternehmens steht auf der Zentrale des Automobilzulieferers "Hella". Foto: David Inderlied/dpa/Archivbild

Der Autozulieferer Hella wird vom Konkurrenten Faurecia geschluckt. Die Franzosen übernehmen von der bisherigen Eigentümerfamilie Hueck 60 Prozent der Aktien des MDax-Konzerns aus Nordrhein-Westfalen für knapp vier Milliarden Euro, teilten die beiden Unternehmen am Samstagabend mit. 3,4 Milliarden Euro davon erhält die Familie in bar, den Rest in Faurecia-Anteilen. Der französische Konzern unterbreitet zudem allen anderen Aktionären des Lichtspezialisten eine Offerte für ihre Anteile in Höhe von 60 Euro und damit etwas unter dem zuletzt gezahlten Preis. Die Hella-Aktie hatte seit Ende April deutlich zugelegt, nachdem die Verkaufspläne der Familie Hueck bekannt wurden.

Der französische Käufer betonte, dass Hella eine wichtige Rolle im zusammengeführten Unternehmen spielen soll. «Lippstadt wird der weltweite Hauptsitz für drei von sechs Geschäftsbereichen», hieß es in der Faurecia-Mitteilung. Hella beschäftigte zuletzt knapp 36.000 Mitarbeiter und setzte im Geschäftsjahr 2020/21 (31. Mai) rund 6,5 Milliarden Euro um. Faurecia kam 2020 auf einen Jahresumsatz von 14,7 Milliarden Euro und 114.000 Mitarbeiter. Der Konzern will durch den Zukauf die jährlichen Kosten um mehr als 200 Millionen Euro senken.

Der fusionierte Hersteller werde in allen Geschäftsbereichen eine kritische Größe erreichen und führende Positionen einnehmen, teilte Faurecia mit. Das neue Unternehmen werde global der siebtgrößte Automobilzulieferer sein (Top 5 in Europa und jeweils Top 10 in Amerika und Asien) und das Profil mit Blick auf Geschäftsaktivitäten und Kundenzugang erheblich stärken. Größe ist im Geschäft der Zulieferer sehr wichtig, da die Verhandlungsposition mit den Autoherstellern gestärkt wird. Die deutschen Konzerne Bosch, Continental und ZF Friedrichshafen zählen zu den größten Autozulieferern weltweit.

Der Verkauf des 60-prozentigen Pakets der weit verzweigten Gründerfamilie war notwendig, da der beim Börsengang im Jahr 2014 abgeschlossene Vertrag über ein gemeinsames Handeln bald ausgelaufen wäre. Danach wäre es schwieriger geworden, die Interessen der Eigentümer zu bündeln. «Wir nehmen als Familiengesellschafter unsere unternehmerische Verantwortung für Hella wahr, indem wir frühzeitig vor Auslaufen unseres Familienpoolvertrags das Unternehmen Hella in neue Hände geben», sagte Jürgen Behrend, Leiter des Pools der Familiengesellschafter. Der 72-jährige war bis 2017 auch Konzernchef.

Die Eigentümerfamilie Hueck, die seit 1923 die Mehrheit an dem 1899 gegründeten Unternehmens hält, wird nach der Transaktion noch neun Prozent der Faurecia-Anteile halten. «Diese Beteiligung unterliegt einer Sperrfrist von 18 Monaten», hieß es. Ein Vertreter der Familie werde Mitglied des Verwaltungsrats von Faurecia.

Die Hella-Aktie war nach dem Bericht des «Manager-Magazins» über die Verkaufspläne der Familie von rund 45 Euro im April bis auf das Rekordhoch von knapp 69 Euro Anfang August gestiegen. Damals hatten Berichte über ein Offerte in dieser Höhe die Runde gemacht. Auch der deutsche Zulieferer Mahle soll laut Medienberichten unter den Bietern gewesen sein. In den Tagen danach machte sich allerdings wieder etwas Ernüchterung breit, so dass der Kurs wieder auf 63 Euro absackte.

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