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15 Tote bei Unwetter in Nordrhein-Westfalen

Düsseldorf (dpa/lnw) - 

Das Hochwasser durch starke Regenfälle hat in Nordrhein-Westfalen nach ersten Angaben vermutlich 15 Menschen das Leben gekostet. NRW-Ministerpräsident Laschet kommt ins Krisengebiet. Besonders schlimm ist die Lage im Kreis Euskirchen.

Von dpa

Blick auf die Wupper. Nach dem Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen laufen die Aufräumarbeiten. Foto: Christopher Neundorf/dpa

Das schwere Unwetter mit Starkregen und Hochwasser hat in Nordrhein-Westfalen nach ersten Erkenntnissen vermutlich 15 Menschenleben gefordert. Im Kreis Euskirchen im Süden des Landes kamen nach Behördenangaben acht Menschen ums Leben. Genauere Angaben zur Todesursache machte der Kreis zunächst nicht. Zwei der Toten lebten in den Zülpicher Ortsteilen Schwerfen und Sinzenich, wie die Stadt mitteilte. In mehreren Orten des Kreises sei die Lage sehr kritisch, hieß es. Teilweise bestehe kein Zugang zu den Orten. Im Kreisgebiet sei die Kommunikation weitgehend ausgefallen.

Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland führten am Donnerstag weiterhin Hochwasser und waren am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag über die Ufer getreten. Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll. Tausende Feuerwehrleute waren landesweit im Einsatz.

In Köln wurden zwei Menschen von der Feuerwehr tot in ihren mit Wasser vollgelaufenen Kellern entdeckt. Die Leiche einer 72 Jahre alten Frau war am Mittwoch kurz nach 21.30 Uhr, die eines 54-jährigen Mannes kurz vor Mitternacht gefunden worden.

In Rheinbach bei Bonn wurde am Donnerstag eine Frau tot auf einer Straße entdeckt. Ein Zusammenhang mit dem Unwetter sei wahrscheinlich, erklärte die Bonner Polizei.

Ein 52 Jahre alter Feuerwehrmann kollabierte bei einem Unwettereinsatz im sauerländischen Werdohl und starb trotz Reanimationsversuchen. Die Polizei ging von einem internistischen Notfall aus.

Wenige Stunden zuvor war in Altena im Sauerland ein Feuerwehrmann bei der Rettung eines Mannes ertrunken. Der 46-Jährige war nach Angaben der Polizei im Märkischen Kreis nach der erfolgreichen Bergung beim Einsteigen ins Feuerwehrfahrzeug ins Wasser gefallen und abgetrieben. Kurze Zeit später habe man ihn nur noch tot bergen können.

In Kamen (Kreis Unna) kam ein 77-Jähriger im unter Wasser stehenden Keller seines Hauses ums Leben. In Solingen starb ein 82 Jahre alter Mann nach einem Sturz ebenfalls im überfluteten Hauskeller.

Mehrere Häuser sowie ein Tierheim wurden am frühen Donnerstagmorgen in Solingen-Unterburg aufgrund des Hochwassers evakuiert. In Wuppertal stellte die Justiz die Rechtsprechung ein. Das Justizzentrum liegt unmittelbar an der Hochwasser führenden Wupper.

Unwetterartige Regenfälle hatten seit Mittwochnacht für Überschwemmungen und Hochwasser gesorgt. Nach Angaben des DWD waren im Süden von NRW bis zu 180 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) machte sich in Altena und in Hagen ein Bild von der Lage. Rund 440 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk und 100 Kräfte der Bundeswehr waren allein in Hagen unterwegs, um der Wassermassen Herr zu werden. Eine Reise durch Süddeutschland hatte Laschet abgebrochen und auch seine Teilnahme an der CSU-Klausur im bayerischen Seeon abgesagt.

Wegen der Gefahr eines Dammbruchs an der Steinbachtalsperre sollten zwei Ortsteile von Rheinbach im Rhein-Sieg-Kreis evakuiert werden. «Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, da nicht sicher ist, ob der Damm der Steinbachtalsperre gehalten werden kann», teilte die Feuerwehr mit.

Ein unkontrollierter Überlauf der Wupper-Talsperre bei Radevormwald konnte im letzten Moment verhindert werden. Der Feuerwehr gelang es, das Wasser gesteuert ablaufen zu lassen, um Druck vom Sperrdeich zu nehmen. Die Anwohner entlang der Wupper waren in der Nacht aufgefordert worden, umgehend den Gefahrenbereich zu verlassen. Es bestehe akute Lebensgefahr.

In Hückeswagen lief die Bevertalsperre über. Mehr als 1000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Zudem wurden angrenzende Ortschaften und Häuser evakuiert.

In Düsseldorf wurde die Ostpark-Siedlung mit 350 Gebäuden trotz eines Walls aus 25 000 Sandsäcken überflutet. Die Feuerwehr arbeitete beinahe 1000 Einsätze in der Landeshauptstadt ab. Die kleine Düssel war durch ein historisches Hochwasser auf über drei Meter angestiegen.

Etwa 600 Menschen aus dem Solinger Stadtteil Unterburg konnten wegen des Hochwassers der Wupper die Nacht nicht in ihren Wohnungen verbringen. Der Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen war massiv beeinträchtigt.

Die Opposition aus SPD und Grünen im NRW-Landtags forderte schnelle und unbürokratische Hilfe der schwarz-gelben Landesregierung für die Hochwasser-Opfer. «Der heftige Dauerregen hat viele Menschen in Nordrhein-Westfalen in Not gebracht oder schwer verletzt», erklärte der SPD-Landespartei- und Fraktionschef Thomas Kutschaty am Donnerstag.

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