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Studie zur Versorgung bis 2035

Zahl der Hausärzte im Münsterland wird stark schrumpfen

Münsterland

Dass die Versorgung durch Hausärzte auf dem Land schlechter wird, ist kein Geheimnis. Aber die Zahlen, die die Robert-Bosch-Stiftung für 2035 errechnet hat, könnten schon vielen Kopfschmerzen bereiten.

Stefan Werding

Die Zahl der Hausärzte wird bis 2035 stark sinken. Foto: Colourbox

Die Münsterländer müssen sich auf eine deutlich schlechtere Versorgung mit Hausärzten einstellen. Nach einer Studie, die die Robert-Bosch-Stiftung in Auftrag gegeben hat, wird ihre Zahl bis 2035 um 39 Prozent im Kreis Steinfurt, um 38 im Kreis Borken, um 22 im Kreis Warendorf und um 13 im Kreis Coesfeld sinken. Noch härter erwischt es Minden-Lübbecke (-53), den Hochsauerlandkreis (-52) und den Märkischen Kreis sowie den Kreis Höxter (-50).

Bis 2035 werden nach Angaben der Stiftung knapp 30.000 Hausärzte in den Ruhestand gehen. Wegen mangelnden Nachwuchses fehlten dann der Studie zufolge voraussichtlich 11.000 Hausärzte. Weil Patienten älter und damit kränker werden, brauchten sie häufiger eine individuelle Unterstützung in allen Lebensbereichen. Es reiche daher nicht, nur die Zahl der Hausärzte zu erhöhen.

Robert-Bosch-Stiftung schlägt lokale Gesundheitszentren vor

Stattdessen plädiert die Stiftung für den Aufbau von lokalen Gesundheitszentren, in denen Ärzte und Vertreter anderer Gesundheitsberufe ihre Patienten als Team behandeln. Die Robert-Bosch-Stiftung fördert sei 2017 patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung (PORT). Deutschlandweit könnte den Experten zufolge mit 1000 solcher Zentren eine flächendeckende Erstversorgung möglich werden.

Kommentar

In 16 Jahren werden im Kreis Steinfurt 39 Prozent weniger Hausärzte arbeiten. In den anderen Münsterlandkreisen sieht es ähnlich aus. Da wird es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wer die immer älter und dadurch auch immer kränker werdenden Menschen eigentlich behandeln soll.

Praktika und Zuschüsse fürs Studium reichen jedenfalls nicht aus, um angehende Medizinerinnen und Mediziner für die Hausarztpraxis zu begeistern. In ihren Augen sind gut bezahlte Jobs ohne Nachtschicht und Wohnorte mit einem Theater in der Nähe jedenfalls viel verführerischer als der Beruf des Hausarztes.

Höchste Zeit also, Grundsätzliches zu ändern. So ist nicht einzusehen, warum Interessenten an dem Beruf wegen ihres Abi-Schnitts scheitern. Zwar können Unis Bewerber auch nach anderen Kriterien aufnehmen, aber es ist kein Geheimnis, dass die Noten dabei immer noch entscheidend sind. Und ob die Ärzte weiter so darauf drängen müssen, dass nur sie Spritzen geben oder ähnlich einfache Tätigkeiten ausführen dürfen, ist auch die Frage. Dafür sind sie eigentlich zu wertvoll. Sonst werden in 16 Jahren Menschen sehr lange fahren müssen, um sich behandeln zu lassen. Vielleicht sogar zu lange.

von Stefan Werding

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